Was ist an diesem Jesus?
Meinungen über Jesus gibt es viele, positive und negative.  Aber die Diskussion über ihn ist nicht verstummt.  Als man vor  Jahren in einer großangelegten Umfrage, der sogenannten Shellstudie, die Meinung und Lebenseinstellung heutiger Jugendlicher erforschte, war in dem Themenkatalog, der den jungen Leuten zugesandt wurde, der Bereich der Religion völlig ausgespart.  Dennoch haben gut 16 % der Einsender von ihrer Einstellung zu Religion und Kirche gesprochen.  Dabei spielt die Gestalt Jesu eine große Rolle.  Ein sechzehnjähriger Gymnasiast schrieb ein Gedicht "Hoffnung":
Von zu Hause ausgerissen, Rumtreiber, Hippie,
nie was Anständiges gelernt: Jesus Christus.
Aber doch
ein Symbol
der Hoffnung
für Frieden auf der Welt
nicht mehr, nicht weniger
als Joan Baez und Harry Bellafonte heute,
Martin Luther King und Mahatma Gandhi gestern,
Abraham Lincoln und Karl Marx vorgestern,
und wir alle morgen.

Ein 24jähriger Arbeiter schrieb über Jesus: "Dieser Proletariersohn, der doch wohl am allerwenigsten Hoffnung haben durfte, von den Menschen erhört zu werden, hat sich nicht einschüchtern lassen, sondern ist von Dorf zu Dorf gezogen und hat den Leuten seine Wahrheit gesagt.  Er hat damit eine Bewegung gegründet, die bis heute diese Wahrheit verkündigt.  Ich glaube nicht, daß man diese Wirkung Jesu nur mit den Worten "Christus" und "Gottessohn" erklären kann, sondern diese Wirkung Jesu fordert uns doch ganz offensichtlich auf, es ihm gleichzutun, d. h. in Wort und vor allem in der Tat, seine Wahrheit weiterzusagen."

Bei einer anderen Umfrage sagte eine junge Krankenpflegerin: "Jesus ist stark und zärtlich zugleich, streng und freundlich, idealistisch und realistisch.  Er ist vor allem ein guter Mensch, nicht nur in Worten, sondern in Taten.  Von seiner Botschaft leben wir heute noch."

Das kann dann auch einmal ganz aggressiv gegen die Erwachsenen gehen.  Ein Einsender schrieb:
Auch euren Jesus kannste vergessen,
denn er ist schon lange mausetot.
Ihr habt den Anschluß verpaßt.
Wir glauben an unseren Jesus.
Den Gott der totalen Liebe.
Er lehrt uns Gewaltlosigkeit, Offenheit,
Verzeihen, Hoffnung und vor allem LIEBE.

Nur wenige äußern völliges Unverständnis, wie jener Siebzehnjährige: "Kann man oder muß man an jemanden glauben, den man weder gesehen noch gehört hat?  Hat es Jesus überhaupt gegeben?  Daß man heutzutage noch von Jesus spricht, ist mir unverständlich."

Man kann dem leicht auch Aussagen prominenter Zeitgenossen an die Seite stellen:
Der Schwede Dag Hammarskjöld, bis zu seinem Tod bei einem Flugzeugunglück im Jahr 1961 Generalsekretär der Vereinten Nationen, notierte am 1. 10. 1957 in sein Tagebuch: "Jesu Inkonsequenz: Er saß mit Zöllnern und Sündern zu Tisch und ging mit Huren um.  Tat er es, um wenigstens ihre Stimme zu gewinnen? ... Oder tat er es, weil seine Menschlichkeit tief und reich genug war, um auch in ihnen die Beziehung zu stiften zu dem Gemeinsamen, Unzerstörbaren, worauf die Zukunft gebaut werden muß?"
Mahatma Gandhi hat sich oft über Jesus geäußert, z. B. mit der folgenden Bemerkung: "Man möge mir zu sagen erlauben, daß Jesus keine neue Religion, sondern ein neues Leben predigte".
Die Germanistin Dorothee Sölle sagte: "Ich halte Jesus von Nazareth für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Jesus erscheint in den Evangelien als ein Mensch, der seine Umgebung mit Glück ansteckte, der seine Kraft weitergab, der verschenkte, was er hatte."
Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer formulierte: "Jesus Christus ist nicht die Verklärung hohen Menschenturns, sondern das ja Gottes zum wirklichen Menschen ... In diesem ja ist das ganze Leben und die
ganze Hoffnung der Welt beschlossen."
Es ist eine Fülle von Meinungen, die uns hier begegnet!

Manche können überhaupt nichts mit diesem Jesus anfangen.  Er ist ihnen zu fern.  Das sind freilich nur wenige.  Andere versuchen das nachzusprechen, was der christliche Glaube über Jesus aussagt.  Auch das sind nicht allzu viele.  Bei allen übrigen, die sich ernsthaft überlegen, was an diesem Jesus ist, lassen sich zwei widerstreitende Empfindungen feststellen:

Der Mensch Jesus - ein Ideal

Jesus läßt aufhorchen und wirkt anziehend.  Fast jeder kennt ein oder zwei der Geschichten von ihm, die man einmal gehört hat und die man nicht mehr vergißt.  Da ist die Sache mit der Ehebrecherin, die ihm vorgeführt wurde und die er durch sein Urteil: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein" aus den Fängen ihrer Ankläger befreite.  Oder die Geschichte von jenem Oberzöllner, der auf einen Baum gestiegen war, um Jesus besser sehen zu können, und den Jesus herunterrief und mit ihm nach Hause ging, obwohl er doch als Zöllner ein Betrüger und Volksverräter wart Und da sind die guten Worte über den Frieden, die Jesus in der Bergpredigt sagt.  Darum sind viele ehrlich überzeugt: Er war wirklich einer der Großen der Menschheit!  Nur - im Grunde war er viel zu gut für diese Welt.  Kein Wunder, daß er gescheitert ist.  Goethe hat das klar erkannt, wenn er im Faust sagt: "Die wenigen, die was davon erkannt,
Die töricht gnug ihr volles Herz nicht wahrten, Hat man von je gekreuzigt und verbrannt."

Aber als Ideal kann Jesus hilfreich sein.  Auch wenn man es nicht erreichen wird - als Mahnung zum Frieden und zur Liebe hat es seine Bedeutung.
"Jesus - ja!", sagen viele Zeitgenossen. "Mit ihm kann ich etwas anfangen, auch wenn ich all das, was er selbst oder die Christen von Gott und seiner Beziehung zu ihm sagen, nicht verstehe."

Jesus und Gott - ein schwieriges Problem

Hier setzt die andere Fragestellung ein: Was bedeutet es denn, wenn die Christen sagen: Jesus ist Gottes Sohn?  War er nicht ein Mensch wie wir?  Vielleicht ein wenig besser als manche andern, aber letztlich doch gescheitert - wie viele vor ihm und nach ihm.  Was kann er uns heute noch bedeuten?  Hat man ihn nicht erst nach seinem Tod zu einem göttlichen Wesen hochgejubelt, zu einer Kultfigur, die den einen, wahren Gott verdrängt, den wir zusammen mit Juden und Moslems und vielen anderen religiösen Menschen verehren könnten?
"Gott - ja!", sagen diese Leute. "Welcher Mensch mit religiösem Gespür wollte ihn leugnen!  Aber was soll dieser Jesus neben ihm?"

Wie gehören Gott und Jesus zusammen?

Auch die Zeitgenossen Jesu haben etwas von diesem Problem gemerkt.  Die außerordentliche Kraft, die in seiner Verkündigung und seinem heilenden Handeln wirkte, war nicht zu leugnen.  Manche seiner Gegner unterstellten ihm zwar, er treibe die Dämonen mit Hilfe des Obersten der Teufel aus, seine Macht stamme also aus dem Reich des Bösen (vgl.  Matthäus 12,22-30).  Aber einer der fahrenden jüdischen Lehrer der Zeit brachte die Meinung vieler seiner Landsleute auf den Punkt, wenn er zu Jesus sagte: "Rabbi, wir wissen, daß du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist.  Denn niemand kann solche Wunder tun, wie du sie tust, außer wenn Gott mit ihm ist" (Johannes 3, 2).  Aber was heißt: "Von Gott gekommen"?  In welcher Beziehung steht Jesus zu Gott?
Jesus selbst hat einmal seine jünger gefragt: "Für wen halten mich die Leute?" (vgl.  Markus 8,27-30; Matthäus 16, 13-20).  Was die Jünger darauf an Meinungen nennen konnten, war durchaus beachtlich.  Einige dachten, Jesus sei Johannes der Täufer, jener große Bußprediger, der das Volk durch seine Verkündigung erschüttert hatte und den Herodes Antipas hatte beseitigen lassen, weil er sich in dessen private Angelegenheiten eingemischt hatte.  Sollte Gott ihn auf wunderbare Weise wieder zur Wirksamkeit erweckt haben, damit seine mahnende Stimme nicht verstumme?
Andere meinten, er sei Elia, der größte aller Propheten Israels, von dem man annahm, daß Gott ihn noch einmal senden werde, bevor der Friedenskönig der Endzeit, der Messias, kommen würde.  Wieder andere drückten sich etwas vorsichtiger aus und nannten Jesus einen Propheten, einen jener Männer also, die Israel Gottes Wort ausgerichtet hatten und auf deren erneutes Auftreten viele in jener schwierigen Zeit voll Sehnsucht hofften.
Man hatte von Jesus also durchaus eine gute Meinung; ja, die Antworten zeigen eine sehr deutliche Ahnung davon, daß dieser Jesus von Gott gesandt war.  Nur - welche Konsequenzen wurden aus dieser Erkenntnis gezogen?  Ging es um mehr, als daß man diesen Jesus in eine Schublade steckte - eine zwar sehr feierlich religiös etikettierte, aber eben doch eine Schublade, in der er neben anderen Größen der Heilsgeschichte inventarisiert wurde?

Die eigene Meinung ist gefragt

Jesus läßt es nicht dabei bewenden.  Er fragt weiter: "Und ihr selbst, für wen haltet ihr mich?" Im Verhältnis zu Jesus genügt es nicht, sich irgendwelchen Meinungsumfragen anzuschließen, etwa nach dem Motto: 15 % halten ihn für Gottes Sohn, 25 % für einen bedeutenden Religionsstifter und 60 % für einen besonders edlen Menschen - da will ich mich einfach an die Mehrheit halten, dann werde ich richtig liegen.  Nein - die eigene Meinung ist gefragt.  Sie ist entscheidend.  Für wen haltet ihr mich?
Es ist wieder einmal Petrus, der das Wort als erster nimmt, und diesmal trifft er mit seiner Aussage ins Schwarze: "Du bist der Messias", sagt er, das heißt ins Griechische übersetzt: "der Christus" und bedeutet: "Du bist der von Gott Gesalbte, der endzeitliche Heilskönig für Israel" und (wie Matthäus in seinem Bericht der Szene bedeutungsvoll ergänzt) "der Sohn des lebendigen Gottes!"
Es wurde wohl sehr still im Jüngerkreis, als Petrus dies sagte, denn jeder wußte: Hier ist etwas ganz Außergewöhnliches, ja Ungeheuerliches ausgesprochen worden.  Wir Heutigen können nur schlecht nachempfinden, was diese Aussage im damaligen Judentum bedeutete.
Was hier gesagt worden war, war politisch brisant: Von diesem zukünftigen König erhoffte man sich, daß er das Volk Israel von der Unterdrückung durch die römische Besatzungsmacht befreien und es selbst zur Weltherrschaft führen würde.  Das Bekenntnis zu Jesus als dem Messias war also eine ausgesprochen aufrührerische Parole.
Aber auch religiös war das Bekenntnis zu Jesus als dem Messias äußerst schockierend.  Konnte dieser einfache Zirnmermannssohn aus Nazareth derjenige sein, auf den Israel seine Hoffnung gesetzt hatte?  Müßte er nicht viel göttlicher erscheinen, viel mächtiger und erfolgreicher?  Denn mit dem Titel "Messias/Christus", verband sich ja die Hoffnung, daß Gottes rettende Kraft unter den Menschen ganz real würde, wirklich und hautnah erfahrbar. Gottes Nähe sollte die menschliche Gemeinschaft so gestalten, daß Friede unter den Menschen herrschte, ein gedeihliches und helfendes Miteinander und eine Gerechtigkeit, die nicht nur dem Gesetz Genüge tun, sondern den Menschen und ihren Nöten gerecht werden würde und das Leben in der Familie und der Gemeinschaft des Volkes heilte, nährte und schützte.  Wer also Jesus als den Messias, den Christus, bekennt, der sagt: Durch ihn bringt Gott das Werk der Erlösung und Befreiung des Menschen ans Ziel!

Wie lernt man Jesus kennen?

Eine Vielfalt von Meinungen über Jesus tut sich vor uns auf.
Wie orientieren wir uns?  Wie erfuhr Petrus, wer Jesus wirklich ist? Jesus selbst hat ihm gesagt, daß diese Erkenntnis nicht seinen eigenen Überlegungen entsprang und auch nicht seinem Herumhören unter den Leuten zu verdanken war, sondern daß Gott sie ihm geschenkt hat (vgl.  Matthäus 16,17).  Aber Gott gebraucht für sein Schenken immer auch menschliche Boten und Wege.  Wie hat er Petrus erreicht?
Petrus hat die Begegnung mit Jesus zunächst als Herausforderung an sein eigenes Leben erlebt.  Er, der einfache Fischer vorn See Genezareth, der Tag für Tag seine Familie recht und schlecht durch den Fischfang ernährte, er soll "Menschenfischer" werden.  So formuliert Jesus auf paradoxe Weise seine Berufung: Er soll Menschen zu einem
Leben mit Gott führen, das sie erfüllt und heil macht.  Das wird auch seinem eigenen Leben Inhalt und Sinn geben.
Petrus hat erlebt, wie Jesus Menschen gesund machte.  Jesus hat Leute, die man nicht berühren durfte, weil sie aussätzig waren oder an unstillbaren Blutungen litten, geheilt und sie dadurch auch wieder gemeinschaftsfähig gemacht.  Ihr ganzes Leben wurde heil unter der Berührung Jesu.  Er hat Menschen, die von Mächten des Bösen besessen und in sich so gespalten und zerrissen waren, daß sie sich selbst zu zerstören drohten, aus der Gefangenschaft der Dämonen befreit und in ein neues Leben geführt.
Petrus hat erlebt, wie Jesus Menschen nachging, die andere abgeschrieben hatten.  Frauen mit einem schlechten Ruf, Männer, die in unlautere Geschäfte verstrickt waren, Kinder, die man als unwichtig abwimmeln wollte - alle hat er zu Gott eingeladen.  So deutlich hat er von der Liebe Gottes gesprochen und sie so eindrücklich gelebt, daß es jeder merken konnte: Das gilt auch mir. Wenn mich alle verachten, Jesus zeigt mir: Bei Gott bin ich nicht abgeschrieben.
Petrus hat erlebt, daß Jesus sich nicht in die Schablonen der Meinung anderer einspannen ließ.  Er berief Zöllner in seinen Kreis, Leute also, die mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeiteten; aber wir finden bei ihm auch Zeloten, die sich als Freiheitskämpfer gegen die fremden Unterdrücker verstanden.  Er kehrte im Haus von Pharisäern ein, wenn sie ihn einluden; aber er kritisierte sie scharf, wenn sie ihre Frömmigkeit und ihr Ansehen auf das Versagen anderer gründeten.
Dieses merkwürdige Verhalten Jesu führte zum Streit um ihn.  Das Volk fragte: Was ist das für ein Mensch?  Die führenden Leute sagten: Er kann nicht von Gott kommen, denn er paßt nicht in unser Schema.  Petrus aber hatte gemerkt: In Jesus bekomme ich es unmittelbar mit Gott zu tun - gerade weil er jedes menschliche Schema sprengt!  Petrus merkte es an Jesu Vollmacht, an Jesu Freiheit, an Jesu Liebe.
Dieser Ausstrahlung Jesu kann man auch heute begegnen.  Man kann die Herausforderung spüren, die von seiner Art zu leben auf unser Leben ausgeht, die Herausforderung, mehr daraus zu machen als kleine oder große Fische zu fangen, die Aufgabe, anderen Menschen das wahre Leben zu zeigen, das Leben mit Gott.
Suchtkranke erfahren in der Begegnung mit Christen die befreiende Kraft Jesu, die sie aus der Gefangenschaft des Alkohols oder der Droge herausführt.  Menschen, die von der Liebe Jesu bewegt werden, tragen ihn und seine heilende Kraft zu den Ärmsten der Armen in den Slums von Kalkutta, zu den Leprakranken in Afrika und zu den Nichtseßhaften in den Großstädten Europas oder Nordamerikas.
Immer wieder versuchten Christen, in Jesu Namen Grenzen zu überwinden, Schablonen zu sprengen, die die Feindschaft zementieren, und Versöhnung zu leben.  Dies ist manches Mal besonders schwer, weil auch Menschen, die den Namen Christi für sich in Anspruch nehmen, solche Grenzen ziehen und solche Schablonen prägen.  Aber der Geist der Freiheit Jesu lebt, und so arbeiten die wahren Christen Nordirlands gemeinsam für den Frieden, gleich ob sie Protestanten oder Katholiken heißen. Die Frage nach Jesus, die Frage "Was ist das für ein Mensch?", ist bis heute nicht verstummt.  Und auch die Antwort ist erkennbar geblieben, erkennbar in den Berichten von seinem Leben, erkennbar in den Wirkungen seines Wortes.  Es ist die Antwort, die Petrus fand, als er sagte: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!  In dir begegnet uns Gott mit Leib und Leben!

Ein Bekenntnis hat Konsequenzen

Eines hat Petrus allerdings damals noch nicht erkannt, nämlich welche Konsequenzen dies alles für Jesus haben würde.  Als dieser davon sprach, daß er einen Weg des Leidens und des Todes gehen müsse, wehrte Petrus das ganz schroff ab (vgl.  Matthäus 16,21-23).
Das hatte auch Auswirkungen auf sein eigenes Leben.  Obwohl er hoch und heilig geschworen hatte, daß er Jesus treu sein würde, selbst wenn er mit ihm sterben müsse, hat er ihn doch schmählich verleugnet, als es mit dem Bekenntnis ernst wurde.
Das richtige Etikett für Jesus zu finden, tut es noch lange nicht, und sei dieses Etikett noch so fromm und heilig.  Wäre das Bekenntnis des Petrus zu Jesus zu diesem Zeitpunkt wirklich echt gewesen, hätte es ihn davor bewahrt, die eigenen Wunschvorstellungen auf ihn zu projizieren.  Es hätte ihn offen gemacht für Gottes Handeln durch Jesus.  Denn Gottes Weg mit Jesus - so überraschend und menschlich unverständlich er zu sein scheint - ist durchaus folgerichtig.  Sein Weg ins Leiden und Sterben hinein ergibt sich in unausweichlicher Konsequenz daraus, daß er der göttlichen Liebe kompromißlos treu bleibt und sich von niemandem vereinnahmen läßt.  Das mußte ihn ins Verderben führen.
Aber so konsequent das war, sein Lebenswerk schien mit dem Todesurteil dennoch am Ende zu sein.  Denn ein am Kreuz Gehenkter galt in der Antike als Geschändeter.  Diese Strafe für Sklaven und Aufrührer war für die Römer so schändlich, daß - wie der römische Staatsmann Cicero einmal sagte - schon allein das Wort "Kreuz" weit entfernt von Gedanken, Augen und Ohren eines römischen Bürgers gehalten werden sollte.
Für die Juden galt auf Grund von 5. Mose 21, 23 ("Wer am Holz hängt, ist von Gott verflucht") ein Gekreuzigter als von Gott verflucht!  Der Schrei des Gekreuzigten: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Matthäus 27,46) war verständlich.  Was immer dieser Jesus an Gutem getan haben mochte, jetzt war er erledigt!
Und doch geschah das Merkwürdige, daß gerade angesichts dieses Todes der wachhabende Offizier unter dem Kreuz Jesu ausruft: "Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!" (Matthäus 27,54).  Seine eigenen Jünger erkannten erst etwas später, in der Begegnung mit dem Auferstandenen, was mit Jesus geschehen war und wer er wirklich ist, so wie einer von ihnen, der "ungläubige" Thomas, es dann stammelnd über die Lippen bringt: "Mein Herr und mein Gott!" (Johannes 20, 28).  Jetzt wurde klar: Auch als Jesus von Gott ganz verlassen schien, gefoltert und gehenkt, geschändet und verflucht, ging er Gottes Weg, war er Gott - Gott für unsl

Gottes Sohn ist Gott für uns

An dieser Stelle müssen wir uns klar machen, was die Bibel meint, wenn sie Jesus Gottes Sohn nennt.  Vor allem ist eines wichtig: Mit der Bezeichnung Sohn Gottes ist keine halbgottartige, heroische Existenz gemeint, kein Typ wie Herkules, der nach einer Serie von kriegerischen und erotischen Abenteuern, von Kunststücken und Gewalttaten, in die Welt der Götter emporgehoben wird.  Genau das Gegenteil ist der Fall.  Wo das Neue Testament von Jesus als dem Sohn Gottes spricht, erzählt es von seiner Hingabe und seinem Opfer.  Ich nenne zwei der eindrücklichsten Stellen: "So sehr hat Gott die Welt geliebt", sagt Johannes 3, 16, "daß er seinen einzigen Sohn preisgab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben".  Und Paulus fragt die Christen in Rom (Römer 8, 31): "Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein?  Er, der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?"
Wenn Gott seinen Sohn hingibt, schenkt er sich selber.  Das entspricht dem Denken der alten Welt: Wer seinen einzigen Sohn gibt, gibt sich selber.  Man kann das eindrücklich in der Geschichte von Isaaks Opferung sehen, die man nur versteht, wenn man beachtet, daß Abraham mit seinem Sohn Isaak nicht einfach einen andern Menschen opfern soll, sondern sich und seine Zukunft (l.  Mose 22).  Wenn die Bibel von Gottes einzigem Sohn spricht, dann spricht sie von Gott selber, von Gott, wie er aus sich heraustritt, von Gott, der sich "äußert", der in seinem gestaltenden Wort die Welt und den Menschen schafft und immer wieder neu begegnet (Johannes 1, 1-14), von Gott, der sich "ent-äußert" (Philipper 2, 7) und als Mensch unter Menschen lebt, der sich hineingibt in das menschliche Elend bis in die Tiefe eines grausamen und schändlichen Todes, wie ihn nur Menschen Menschen bereiten können.  Kurz gesagt: Gottes einziger Sohn, das ist Jesus von Nazareth, der Mensch, in dem Gott uns ganz nahe kommt.
Am Beginn des Matthäus- und des Lukasevangeliums wird uns von der wunderbaren Entstehung dieses Menschen im Leib seiner Mutter Maria berichtet.  Wenn in diesen Erzählungen der schöpferischen Kraft des Heiligen Geistes die Rolle des irdischen Vaters zugeschrieben wird, dann geschieht dies nicht, um Jesus eine biologische Sonderstellung zuzuweisen.  Diese Berichte veranschaulichen vielmehr eine Wahrheit, die jenseits genetischer Untersuchungsmöglichkeiten liegt und doch für alle, die Jesu Wesen verstanden haben, unbezweifelbar war: Diesen Menschen hat Gott selbst zu seinem Sohn geschaffen.  Im Leib der Maria nimmt Gottes Liebe die Gestalt eines Menschen an, sie formt sich in die feinen Glieder eines kindlichen Körpers, wächst heran und reift aus, wird in eine Welt hineingeboren, in der es eng ist für viele Erdenbürger, so eng, daß nur noch ein Platz in der Krippe bleibt.
Paulus umreißt dieses Geschehen einmal ganz knapp und prägnant: "Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau
und unter das Gesetz getan ... " (Galater 4,4).  Was jeden Menschen bestimmt, das bestimmt auch den menschgewordenen Sohn Gottes: Das biologische Entstehen, unter Wehen geboren und in Windeln gewickelt zu werden, von einer Mutter gestillt und von einer Familie versorgt zu werden aber auch die moralische Verantwortung, vom Leben gefordert, durch gesellschaftliche Verpflichtung geprägt und durch das Gesetz an Gottes Willen gebunden zu sein.

Die Bewährung des Sohnes Gottes

Jesus ist also ein Mensch wie jeder andere - und doch ist sein Menschsein ganz anders.  Es ist geschaffen, geprägt und erfüllt von der Kraft des Geistes Gottes und seiner Liebe.  Wie aber würde er seinen Auftrag erfüllen?  Würde er der menschlichen Versuchung erliegen, seinen göttlichen Ursprung als Prestige- und Machtfaktor für sich selbst auszunützen - und gerade dadurch zerstören?
Oder wird sich seine göttliche Art, das was an ihm nicht menschlich ist, gerade darin erweisen, daß er zur Liebe und zur Hingabe fähig ist?
Die Geschichte von der Versuchung Jesu (Matthäus 4, 1-1 1) zeigt wie in einem Brennpunkt die Bewährung Jesu in der Versuchung, die Gottessohnschaft für sich selbst zu leben, sie für eigenmächtige Aktionen und Machtdemonstrationen zu nützen.  Die Aussicht auf die Weltherrschaft, die der Teufel Jesus vorgaukelt, setzt auf die Wirkung menschlicher Allmachtsfantasien, die letztlich in den alten Wunsch münden, wie Gott zu sein - und sich gerade so gegen Gott zu entscheiden (vgl. 1. Mose 3, 5).  Aber Jesus, der Mensch, der von Gott kommt, kann diese Versuchung bestehen, er kann die Grenzen des Menschseins ertragen, muß sein Leben nicht verteidigen und glorifizieren; er kann es verschenken.
Ganz konsequent ertönt die Stimme der Versuchung darum noch einmal in der Todesstunde Jesu unter dem Kreuz.  Dort stehen Leute, die ihn verspotten und sagen: "Hilf dir selbst, wenn du Gottes Sohn bist, und steig vom Kreuz herab ... Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen" (Matthäus 27,40.42). Man kann den Unterschied zwischen menschlichen Maßstäben und göttlichem Willen nicht deutlicher ausdrucken: Sich selber helfen zu können, das erscheint den Menschen als Beweis göttlicher Vollmacht.  Aber das Gegenteil ist wahr:  Für andere da zu sein bis zum Letzten, bis zur Aufopferung des eigenen Lebens, das ist die wirkliche Bewährung der Sendung von Gott!

Das menschliche Antlitz Gottes

Einige Sätze, die in den Passionsberichten der Evangelien fallen, beleuchten sehr eindrücklich die verschiedenen Dimensionen dieses Geschehens.
Da sagt Pilatus, der römische Gouverneur, zu der johlenden Menge angesichts des gefolterten Jesus: "Seht, welch ein Mensch!" oder wörtlicher übersetzt: "Siehe, der Mensch!" (Johannes 19, 5).  Diese gequälte Figur, die man blutig gepeitscht und der man eine Dornenkrone auf den Kopf gedrückt hat, ist Abbild des Menschseins und all der Qual, die Menschen sich gegenseitig bereiten.
Da ruft Jesus selbst: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!" (Matthäus 27,46), und aus ihm schreit das Elend des Menschen, der fern von Gott einen einsamen Tod stirbt - und doch hält er sich gerade mit diesen Worten an Gott, der ihn gesandt hat, fest!
Und da lesen wir in Johannes 19,30 als letztes Wort Jesu. "Es ist vollbracht!" Damit wird enthüllt, was hier wirklich geschieht: In diesem elenden Tod vollendet Gott sein Werk, hier ist er dem Menschen in seiner Not am nächsten, hier waltet Gott und seine Herrlichkeit, verborgen zwar, aber gerade so wirksam bis in die tiefste Tiefe menschlichen Leidens.  Damit ist auch klar: Jesus muß nicht sterben, weil Gott ein Opfer fordert.  Jesus stirbt, weil Gott durch ihn in die Nacht unserer Gottverlassenheit eintreten und die Konsequenzen unserer Feindschaft gegen ihn auf sich nehmen will.
In Jesus sehen wir ja das menschliche Antlitz Gottes: gezeichnet von den Striemen, die Haß und Neid schlagen, geprägt von den unauslöschlichen Zügen seiner Liebe, die im leidenden Gehorsam über Haß, Auflehnung und Schuld siegt.

Muß ich das alles glauben?

"Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", sagt Faust bei Goethe angesichts der Osterbotschaft.  Das muß nicht spöttisch gemeint sein, wie wir es oft zitieren.  Es ist der Hilferuf dessen, der erkannt hat: Was von diesem Jesus erzählt wird, das könnte mich retten, könnte mein Leben aus den Fesseln von Sinnlosigkeit, Egoismus und Schuld befreien.  Aber wie kann ich das glauben?  Wie wird mir gewiß, daß dieser Jesus kein gescheiterter Idealist ist, sondern Gottes Sohn, der für mich starb?  Kann ich Jesus begegnen, so wie ihm seine Jünger an Ostern begegneten und erkannten: Er lebt; Gott hat den Tod überwunden!?  Muß ich zuerst alles glauben, was in der Bibel steht, alle Wunder, die Geschichte von der Jungfrauengeburt und daß Jesu Grab nach Ostern leer war, um etwas mit dieser Botschaft anfangen zu können?  Und wenn ja - wie kann ich das?
Diese Frage ist falsch gestellt!  Die Botschaft von Jesus konfrontiert ihre Hörer nicht mit einer Art Glaubensgesetz, sie fordert keine Vor-Leistung des menschlichen Willens, sie lädt ein und führt ihn zum Glauben an Jesus.
Man kann das am besten an den Wundergeschichten lernen.  Soweit ich sehe, gibt es keinen Wunderbericht in der ganzen Bibel, der den Leser mit der Forderung konfrontiert: Das mußt du glauben.  Es ist ja genau umgekehrt: Diese Erzählungen berichten voll Staunen und Freude davon, wie wunderbar Gott Menschen hilft, und laden dazu ein, in Jesus dem helfenden und heilenden Gott zu begegnen.  Was glaubwürdig ist, entscheidet hier freilich nicht das Zertifikat einer neutralen wissenschaftlichen Untersuchungskommission, sondern die Ergriffenheit derer, denen geholfen wurde, und die durch ihren Dank andere mit Gottvertrauen anstecken wollen.

Komm und sieh!

Am Beginn des Johannesevangeliums (Johannes 1, 43-49) wird erzählt, wie Philippus, einer der ersten Jünger Jesu, einen seiner Freunde trifft und ihm begeistert erzählt, daß er den im Alten Testament verheißenen Messias getroffen habe, nämlich Jesus von Nazareth, den Sohn des Josef.  Er erntet aber nur ungläubige Abwehr: "Aus Nazareth?  Was kann von dort Gutes kommen." Aber Philippus braust nicht auf und nimmt seinen Freund Nathanael auch nicht argumentativ in die Zange, sondern sagt nur: "Komm und sieh!" Und der Freund kommt zu Jesus, der von ihm sagt: "Das ist ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist." Als Nathanael verwundert fragt: "Woher kennst du mich?", antwortet ihm Jesus: "Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen." Kein Mensch weiß bis heute, was unter dem Feigenbaum geschehen war, Nathanael aber bricht überwältigt in das Bekenntnis aus: "Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!" Er wußte sich erkannt - aber nicht nur durchschaut, im beschämenden Sinn des Wortes, sondern wirklich verstanden.  Er spürte:  Jesus kennt mich, kennt meine Sehnsucht, meine Abgründe, meinen guten Willen, mein Versagen, meine Resignation.  Dabei erlebt er etwas sehr Wichtiges: In der Begegnung mit Jesus geht es nie nur darum, wer er ist, sondern immer auch darum, wer ich bin.  Wer sich vor ihm verstecken will, wird ihn nicht erkennen; wer sich im Spiegel seiner Worte selbst erkennt, dem wird der Blick für ihn geöffnet!

Komm und sieh!  Ich bin überzeugt, man kann bis heute einen Menschen mit diesen Worten zu Jesus einladen, auch wenn wir ihn nicht einfach in die nächste Straße führen und vor Jesus hinstellen können.  Jesus begegnet uns in den Berichten der Bibel, die von ihm erzählen.  Man kann mit seinen Zweifeln kommen, wie es Nathanael tat.  Man kann diese Berichte auch historisch-kritisch lesen.  Sie werden unseren Fragen standhalten.  Wer immer bereit ist, wirklich Jesus zu begegnen, der wird spüren, daß durch seine Worte und in dem, was von ihm erzählt wird, Gott selbst zu uns spricht.

Komm und sieh!  Das kann auch die Einladung in eine Gemeinschaft sein, die im Geist Jesu lebt.  Wo Menschen sich von Jesus prägen lassen, wo seine Liebe herrscht, da wird ihr Leben und Miteinander selbst für Jesus transparent.
Das menschliche Antlitz Gottes ist noch nicht verblaßt.  Manchmal ist es vielleicht verstellt durch das, was Christen an eigener Religiosität aufbauen.  Aber wer hinter die Fassaden blickt und wirklich nach Jesus sucht, der entdeckt an ihm die Züge der Liebe Gottes, die warm und hell leuchten, wie eh und je.

Komm und sieh!

Die entscheidende Antwort

Gottes Gegenwart in der Person und im Leben Jesu kann uns nicht gleichgültig bleiben.  Sie drängt uns zur Entscheidung, zu einem klaren Ja oder Nein.  Wenn das wahr ist, dann reicht Gottes befreiende und heilende Liebe auch in die Nöte unseres Lebens und kann ihm Halt und neuen Sinn geben. Wenn ich es aber ablehne, verschließe ich mich dieser Liebe und bleibe mit meiner Sehnsucht nach Leben, meinem Ringen um Anerkennung, meiner Suche nach Sinn, mit meiner Schuld und meinem Versagen allein.
Paulus formuliert dies einmal ganz klar: "Wenn du mit deinem Mund bekennst. "Jesus ist der Herr" und in deinem Herzen glaubst: "Gott hat ihn von den Toten auferweckt", so wirst du gerettet werden" (Römer 10, 9).  Das sind keine Vorbedingungen Gottes, die er uns stellt, um uns die Sache nicht zu leicht zu machen.  Das ist die Art und Weise, mit der wir annehmen und für uns wirksam werden lassen, daß Gott durch Jesu Leben, Sterben und Auferstehen die tödliche Isolation des Menschen von Gott überwunden hat.
Noch einmal stellt sich die Grundfrage, über die viele nicht hinauskommen: Ist das wahr, und kann ich das einfach so vom Hörensagen annehmen?
Einer der Jünger Jesu, Thomas, hat das ganz offen ausgesprochen, als ihn die andern Jünger davon überzeugen wollten, daß Jesus auferstanden sei.  Er sagte: "Solange ich nicht in seinen Händen die Nägelwunden sehe und meine Finger hineinlege in seine Seitenwunde, werde ich's nicht glauben!" (Johannes 20, 25).  Tatsachenbeweise sind gefragt, wo es um lebenswichtige Entscheidungen geht!
Ein gewissenhafter und ehrlicher Mann, den ich kannte, hat dies Problem sehr bewegend so formuliert: "Ich möchte mit Jesus leben und zu ihm gehören.  Aber als Naturwissenschaftler kann ich einfach nicht glauben, daß ein Toter wieder aus dem Grab gekommen ist."
Von Thomas wird uns berichtet, daß ihm Jesus erschien und ihn einlud, den Tatsachenbeweis zu führen.  Aber Thomas muß nichts mehr betasten.  Er ist überwältigt von der Begegnung mit dem lebendigen Christus und kann nur noch starnmeln: "Mein Herr und mein Gott!" Und so fügt Jesus noch einen Satz an Thomas hinzu: "Weil du mich gesehen
hast, darum glaubst du.  Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" Heißt das, daß die Nachgeborenen blindlings zu glauben haben?
Nein.  Was Jesus immer verweigern mußte, zu seinen Lebzeiten und später, ist ein distanziertes Beweisverfahren, das sich von seiner Glaubwürdigkeit überzeugen will, ohne sich auf seine Person und seine Botschaft einzulassen.  Was er
aber immer wieder geschenkt hat, ist die Begegnung mit Gott, der in ihm lebt und durch ihn wirkt.  Wer auf Jesu Wort hört, wer die Bilder seines Lebens auf sich wirken läßt, und wer die Gemeinschaft mit Menschen sucht, die von ihm geprägt sind, der kann erfahren: In Jesus begegnet mir Gott.  Seine Liebe, die in ihm die Gestalt eines Menschen angenommen hat, ist stärker als die Schuld, die uns von Gott trennt.  Sie ist stärker als der Tod, der unsere Gottverlassenheit verewigen will.  Die Kraft seiner Liebe gräbt tiefer als jedes Grab (Kurt Marti).  Das ist die eigentliche Osterbotschaft.  Ihre Glaubwürdigkeit ist entscheidend.  Sie ist nicht mit historischen oder naturwissenschaftlichen Verfahren zu beweisen oder zu widerlegen.  Sie berührt eine andere Dimension, die unseres Lebens mit Gott.  Gott hat den ersten Jüngern die Erscheinungen des Auferstandenen und das Zeichen des leeren Grabes geschenkt als sichtbaren Hinweis auf das, was mit Jesus geschah.  Die Zeichen verweisen auf die Sache: Gott ist in Jesus dem Menschen bis in die Nacht des Todes nachgegangen.  Seine Liebe hat den Tod überwunden.  Nichts kann uns mehr von Gott trennen.  Die Verbindung durch Jesus hält stand.  Darauf können wir vertrauen.

Dr. Walter Klaiber
mit freundlicher Genehmigung aus dem Buch "Das kannst Du glauben",
Rechte bei Edition Anker, Christliches Verlagshaus, Stuttgart


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