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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Um Leistung und Lohn ging es auch in einer Begebenheit, die uns von Jesus erzählt ist. Jesus ist mit seinen Nachfolgern unterwegs nach Jerusalem. Sie waren schon fast an ihrem Ziel angelangt. Jesus wusste, was ihn in Jerusalem erwarten würde, und langsam bereitete er seine Jünger darauf vor. Dreimal schon hatte er ihnen davon erzählt, dass er in Jerusalem wie der angekündigte Gottesknecht leiden und sterben musste. Doch bei den Jüngern kam das nicht an. Es passte wohl nicht zu ihren Vorstellungen von Herrschaft und Macht, sie vergaßen es gleich wieder. So fragten sie ebenfalls dreimal: Wer ist in der neuen Welt der Größte? Jesus stellte ein Kind in die Mitte und sagte: Werdet wie ein Kind, dann könnt ihr in Gottes neue Welt kommen. Beim zweiten Mal verglich Jesus die neue Welt mit Arbeitern in einem Weinberg, die dort unterschiedlich lange arbeiteten. Aber am Ende bekamen sie alle den gleichen Lohn. Wie seine Antwort beim dritten Mal aussah, lesen wir in Matthäus 20,20-28 Die Mutter tritt für ihre Söhne vor. Es deutet darauf hin, dass sie auch Nachfolgerin Jesu war. Gut verständlich ist ihr Verhalten. Wir wollen doch auch für unsere Kinder nur das Beste. Wer hier verzichtet, wird wohl dann in Ewigkeit herrschen können. Das ist doch ein gerechter Ausgleich und ein ganz menschlicher Wunsch, dass auf Leistung Lohn - die Goldmedaille - folgt. Dieser Lohn ist Antriebsfeder zu noch mehr Leistung, noch konsequenterem Verzicht. Die Gedanken liegen nicht fern. Ich setze mich so ein für die Sache Jesu, kümmere mich um Leute, halte Gruppenstunden, trage mein Geld in die Kirche, da wird es mir Gott vergelten - im Himmel wird es mir gut gehen. Oder: Ich war immer ein anständiger Kerl, das muss doch für einen vorderen Platz im Himmel reichen. Vielleicht wagen wir gar nicht, diese Gedanken laut auszusprechen. Vielleicht verbieten wir uns schon den Ansatz eines Gedankens. Doch wenn die Jünger damals diese Fragen stellten, warum nicht auch wir? Verboten scheint es nicht zu sein, nach dem Platz im Himmel zu fragen. Merkwürdig ist allerdings die Antwort Jesu. Statt über die Rangordnung im Himmel spricht er über das Leben hier und jetzt. "Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?" Das heißt, seid ihr bereit wie ich zu leiden und zu sterben für andere? Seid ihr bereit, selbst euer Leben 100% hinzugeben für meine Sache? Ja, das sind sehr persönliche Fragen. Nehmen wir den Mitarbeiter, der seine Zeit in der Gemeinde einbringt, in der Firma einen verantwortungsvollen Platz einnimmt und zu Hause sein Bestes gibt. Reicht das denn nicht für einen Platz ganz vorne bei Gott? Doch Jesus fragt auch ihn: Bist du denn bereit, wirklich alles für mich einzusetzen, auch wenn dir dabei das nackte Leben noch weggerissen wird? Ich würde meine Hand nicht so vollmundig wie die Jünger ins Feuer legen. Kann ich das denn wirklich einfach so? Wenn ich wählen könnte, würde ich den Kelch lieber an mir vorbei gehen lassen. Dietrich Bonhoeffer hat es im Gefängnis kurz vor seiner Hinrichtung so formuliert: "Und reichst du (Gott) mir den schweren Kelch, den bittern, des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand." Dietrich Bonhoeffer hat den Kelch angenommen, er hat sein Leben hingegeben, leicht war es nicht, wie wir seinen Tagebucheinträgen entnehmen können. Der Wunsch nach einem Platz im Himmel hatte ihn nicht fähig gemacht dazu, sondern die Liebe Gottes, die ihn in der schwersten Zeit getragen hatte. Jesus weist die Jünger
und damit auch uns auf unsere Lebensaufgabe hin. Die 10 anderen Jünger waren verständlicherweise sauer. Was maßten sich die beiden bloß an, jetzt schon Plätze für die Ewigkeit zu reservieren. Und wo blieben sie dann? Waren sie weniger gut? Hatten sie nicht auch alles verlassen, um Jesus nachzufolgen? Auch die 10 kann man verstehen. Wer liebt schon Vordrängler, Besserwisser und Schleimer, die durch Vitamin B oder Doping ans Ziel kommen wollen. Aber Jesus geht gar nicht auf ihren Neid und ihren Ärger ein. Er entwirft eine Gegenwelt zu dem, was Mann und Frau so alltäglich erleben. Jesus sagt, die Gemeinde ist der Anbruch der himmlischen Welt hier und jetzt. Gemeinde entsteht, weil Jesus eine Beziehung zu jedem einzelnen hat. In der Gemeinde gibt es keine besseren und schlechteren Plätze, kein oben und unten. In der Gemeinde leben alle von Gottes Liebe, niemand muss sich vordrängeln und Vitamin B und Doping sind auch völlig unnötig. Die Gemeinde Jesu ist eine Gegenwelt. Jesus hat sich 100% hingegeben für uns, um uns den Weg zu Gott zu zeigen. Jesus hat uns gedient, den bitteren Kelch gelehrt, sein Leben gelassen. Das ist unser Ausgangspunkt. Das große Geschenk steht am Anfang. Er gibt jedem und jeder einzelnen von uns Kraft, den Alltag zu bewältigen, Kraft, in Liebe den Mitmenschen zu begegnen, er gibt Liebe zur Gemeinde und gibt Gaben, mit denen wir uns in der Gemeinde einbringen. Diese Ursprungsbeziehung zu Jesus Christus ist so wichtig und bestimmt alles andere. So entsteht ein Netzwerk der gegenseitigen Liebe, Achtung und Wertschätzung, die Liebe verbindet. Es gibt keine Frustration, keine Erschöpfung, kein Einzelkämpfertum und keine Überforderung. Doch das Ideal scheint
doch nicht mit der Wirklichkeit übereinzustimmen.
Heute haben wir wieder neu die Chance, Gottes Willen für uns zu hören und seine Perspektiven für die Gemeinde zu entdecken. Alles hängt an unserer Beziehung zu Jesus Christus. Er möchte uns schenken, was wir für unseren Alltag brauchen, selbst wenn der bittere Kelch des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand uns auf Leben und Tod herausfordert. Er erwartet nichts anderes als unser Vertrauen und offene Ohren und Herzen, um ihn wahrzunehmen. Vielfältig sind die Möglichkeiten dazu. Ein Bibelwort kann uns den Tag über begleiten - auf einem Zettel am Kühlschrank oder auf dem Schreibtisch. Eine kleine Gebetsgruppe kann sich morgens vor der Arbeit treffen, eine Gebetsgemeinschaft am Frühstückstisch kann den Tag eröffnen - auch mit den Kindern, die in das Vertrauen zu Jesus Christus so natürlich hineinwachsen können. Ein Austausch in der Kaffeepause mit einem Christ, der im gleichen Geschäft arbeitet, eine Gesprächsrunde am Abend in der Gemeinde, ein Lied im Ohr während des Fitnesstrainings sind Elemente, die die Ohren und Herzen wachhalten. Es ist kein Luxus, das Vertrauen zu Jesus Christus zu üben, es ist lebensnotwendig, weil es nicht von selbst wächst und nur zu leicht von Misstrauen, Verzweiflung und Routine zugeschüttet werden kann. Aus der starken Beziehung
zu Jesus Christus wächst Dankbarkeit. Dankbarkeit will gelernt sein.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie lange es dauert, bis Kinder von selbst
bei der Wurstscheibe vom Metzger danke sagen. Es dauert Jahre bis die Erziehung
dazu fruchtet. Ich schätze, ähnlich ist das auch bei der Dankbarkeit
Jesus gegenüber. Manchmal bräuchten wir da vielleicht eine Mutter
oder einen Vater neben uns, der uns heimlich einen Stoß gibt und
murmelt, danke sagen. Vielleicht haben die Jünger es deshalb auch
nicht begriffen, dass ihr Lebensweg nicht belohnt zu werden brauchte, sondern
Ausdruck ihrer Dankbarkeit war. Ich stelle mir vor, wir würden jetzt
alle einen Satz formulieren, in dem wir Jesus danken und ihm dann aufschreiben,
was wir aus Dankbarkeit tun wollen. Vielleicht würde das dann so lauten:
Eine so konkrete Dankbarkeit
hat Auswirkungen und wird das Klima der Gemeinde verändern.
Aus der gegenseitigen Unterstützung wächst die Dankbarkeit auch untereinander. Nach dem Gottesdienst geht vielleicht der eine oder die andere auf eine Sonntagsschul-Mitarbeiterin zu und bedankt sich bei ihr. Sie wird überrascht sein und sich sicher sehr darüber freuen. Vermutlich geht sie nächste Woche mit mehr Motivation in die Sonntagsschule. Und das ist nur ein Beispiel für Dankbarkeit, die zu einer Kultur unter uns werden kann, weil Jesus Christus uns das lehrt.
Wir feiern jetzt Abendmahl. Wir können uns von Jesus neu beschenken lassen. Er will uns erfüllen und uns alles schenken, was wir für ein Leben hier und heute brauchen. Und wir feiern das Abendmahl als Gemeinschaftsmahl. Wir sind als Jünger Jesu zu einer Gemeinschaft zusammengerufen. Cornelia
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