Was wirklich zählt
Gottesdienst am 20.12.2009

Anspiel

Szene 1

Suse sitzt morgens am Frühstückstisch und schlürft ihren Kakao. Ihr Vater kommt rein und blättert gedankenverloren in seiner Zeitung. Er geht auf Suse zu, ohne sie jedoch zu beachten, und nimmt seine Tasse Kaffee vom Tisch. 

Suse: Guten Morgen Papa!! Sag mal, würdest du gern mit mir am Sonntag in den Gottesdienst gehen? Ich meine, es ist ja Advent, und wir haben schon so lange nichts mehr ... 

Vater: Ich könnte mich aufregen! Diese Idioten! Meine Aktien fallen und fallen ... das kann doch nicht wahr sein!! Diese Schnepfe hat mich total falsch beraten!!! ... Entschuldigung, hast du was gesagt, mein Schatz? - Ach ich muss diese Sache unbedingt klären! Geh mal kurz telefonieren! Und das mit deinem Vorschlag, also dem ..., na ja du weißt schon was, das holen wir nach! Versprochen! 
 

Szene 2 

Suse steht an der Bushaltestelle und wartet. 

Suse (schaut auf die Uhr): Mann, jetzt ist dieser bescheuerte Bus schon wieder zu spät! Immer das gleiche! 

Ihre Freundin Sarah kommt freudestrahlend auf sie zu.Anspiel des Teenkreises 

Sarah: Guten Moooorgen Suse! 
Sie begrüßen sich. 
Sarah (aufgeregt): Und, gibt´s was Neues bei dir? 
Suse: Na ja nicht wirklich. Aber ich wollte dich fragen, ob du am Sonntag mit mir ... 
Sarah: Suse, ich muss dir uuunbedingt was erzählen! Also ich hab da diesen suuupersüßen Typen getroffen! Der ist so schnuckelig! Und am Sonntag, da hat er mich zum Eislaufen eingeladen! Hach, das wird sooo romantisch!! 
Suse (geknickt): Also dann kannst du wohl am Sonntag nicht?
Sarah: Es tut mir wirklich Leid! Wir holen das nach, versprochen! Aber er ist einfach so süß! Das ist Mr. Right für mich!!
 

Szene 3 

In der Schule. 
Auf Suse kommt Bene zugeschlendert. 

Suse: Hey! Du ich wollte dich fragen, ob du nicht am Sonntag mit mir in den Gottesdienst kommen willst? Es ist doch Advent und da braucht man doch so ein bisschen Kirche und Gemeinschaft ... 
Bene: Ich? Also ich hab da echt Besseres zu tun! Ich geh mit meinen Jungs skaten! 

Und er schlendert davon. 
 

Szene 4

Suse sitzt am Tisch: Wieso will denn keiner, absolut keiner mit mir in den Gottesdienst? So schlimm ist es nun auch wieder nicht ... 
Ihre Freundin Mathilde kommt auf sie zu: Ach Suse, was ist denn mit dir los? Du siehst so geknickt aus! 
Suse: Du willst doch bestimmt auch nicht mit mir mitkommen? Am Sonntag? In den Gottesdienst?
Mathilde: Ich? Ja klar! Ich wollte da schon allein hingehen!! Lass uns zusammen gehen! 
Suse: Wirklich? 
Mathilde: Ja, wirklich! 
Suse: Versprochen?
Mathilde: Jaa, versprochen! 

(Verfasser: Teen-Kreis Neuenhain)
 

Predigt

Liebe Gemeinde,
eine Jugendliche möchte zum Gottesdienst, er bedeutet ihr etwas. Sie will von Gott hören, ins Zentrum zu ihm kommen. Sie möchte einen neuen Durchblick für ihren Alltag bekommen, entscheiden können, was wichtig ist und was nicht. Sie liebt das gemeinsame Singen und die eine Stunde, in der sie mit offenen Händen da sein kann, um Gottes Gegenwart aufzunehmen. Verständlich, dass sie nicht allein gehen will. Gottes Gegenwart will sie mit anderen teilen, will darüber reden, was sie bewegt und berührt. Ihre Freunde sind ihr wichtig, und Gott ist ihr wichtig, beide will sie zusammen bringen. 

Die Teenies haben mir heute die Aufgabe gestellt, diese Sehnsucht nach Gemeinschaft näher zu beleuchten. Der für diesen Sonntag vorgeschlagene Abschnitt aus dem vierten Kapitel des Philipperbriefs gibt uns dazu gute Hinweise.

Philipper 4,4-7

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der  Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Gemeinschaft in der Gemeinde bedeutet: „Der Herr ist nahe!“ So stellt es Paulus fest, um zu begründen, warum die Gemeinde sich freuen soll. Diese Zusage steht als festes Fundament, die Leute der Gemeinde in Philippi müssen die Nähe des Herrn nicht erst ermöglichen oder herbei bitten. In dreifacher Weise hören wir heute von dieser Nähe.

  • In der Adventszeit werden wir daran erinnert, dass Jesus wiederkommen wird. Jeden Tag sind wir einen Schritt näher an diesem Ereignis.
  • Jesus hat seinen Jüngern zugesagt, dass er ihnen immer und bis ans Ende der Welt nahe ist. Durch seinen Heiligen Geist erleben wir es heute. Wie durch das Internet ist Jesus immer online für uns und mit uns unterwegs.
  • Jesu Geburtstag ist nahe. Fünf Tage vor Weihnachten machen wir uns innerlich wieder auf die Reise nach Bethlehem. Wir erhoffen uns, von dem Wunder berührt und begeistert zu werden, dass Gott da Mensch wurde.
Die Gemeinde lebt davon, dass Jesus bei ihr ist, bei ihr war und zu ihr kommen wird. In ihr ist Gott direkt zu erleben. Ich habe mir überlegt, bei welcher berühmten Person ich mal richtig gerne zuhause wäre. Eine einflussreiche Politikerin, die Queen, ein Popstar, ein Sportler? Und selbst wenn ich diese Person in ihren eigenen vier Wänden nicht sehen würde, könnte ich mir vorstellen, wie sie da lebt, würde ich ihren Geruch wahrnehmen, vielleicht auch Eigenheiten sehen. Und Jesus hat versprochen, in seiner Gemeinde zu sein. Wir sehen ihn nicht leibhaftig, aber wir sind hier in seinem Einflussbereich. Er drückt unserem Zusammensein den Stempel auf, bei dem größten Star aller Zeiten, dem Sohn Gottes sind wir zuhause. Kein Wunder, dass wir uns darüber freuen. Denn hier stehen nicht mehr unsere persönlichen Themen im Mittelpunkt, sondern Jesus, der uns willkommen heißt und uns zusagt, sich um unsere unerledigten Gepäckstücke zu kümmern.

Drei praktische Auswirkungen nennt Paulus.

„Eure Güte lasst kund sein allen Menschen“
Interessant, was mit Güte hier gemeint ist. Es geht darum, einem anderen mild, sanft, elastisch zu begegnen. Wenn einer auf mich zukommt, fange ich ihn weich auf wie den aus dem vierten Stock Springenden mit einem Sprungtuch. Das Anderssein des anderen fange ich auf und ab. In der Gemeinde sind wir nicht alle gleich. Wir haben Ecken und Kanten. Wenn wir unelastisch aufeinander losgehen, verletzen wir uns, geraten aneinander und bekommen Streit, der mit Jesus nichts zu tun hat. Da Jesus diese Eigenschaft in 1.Korinther 10,1 selbst zugeschrieben wird, ist er der erste, der uns mit dieser Elastizität in Empfang nimmt. Unsere Ecken und Kanten verletzen ihn nicht, er nimmt uns auch mit ihnen in die Arme, und in seiner Nähe können wir sie ablegen und verändern. Jesus ermöglicht uns so, einander aufzufangen wie er es uns vormacht. Sein Geist befähigt uns zur Elastizität, die durch das Anderssein des anderen zwar herausgefordert, aber nicht überfordert wird.

Jesus begegnet nicht nur uns in der Gemeinde so, sondern allen Menschen. So wird unser Horizont geweitet. Als Gemeinde ist unser Ort nicht bei den Stromlinienförmigen, die brauchen unsere Elastizität nicht. Unser Platz ist bei den Leuten mit Ecken und Kanten, die Anstoß erregen, die bereit sind, aus dem vierten Stock zu springen, die Sehnsucht haben nach Aufgefangensein, nach Geborgenheit und liebevollem Zuhause.

„Mit Danksagung vor Gott“

Danken nimmt den Sorgen den Stachel. Der spitze Stachel der Sorge bohrt sich in unsere Seele mit Sätzen wie „Ich kann nichts machen – meine Kraft reicht nicht – ich kann nicht raus aus dieser Situation“. Die Sorge ist eine große Welle, die über uns zusammenschwappt und uns als Opfer begräbt und schließlich ersticken lässt. 

Paulus empfiehlt Danken als Lebenshaltung. Dadurch bekommen wir Gott ins Blickfeld, was er kann und tut, was er schon getan hat und wozu er noch fähig sein wird. Im Danken Gott die Sorgen zu übergeben, erinnert mich an ein Kind, das mit dem kaputten Spielzeug voller Vertrauen zu seinen Eltern läuft und davon ausgeht, dass die es wieder reparieren werden. Und auch, wenn es nicht sofort geschieht, bei den Eltern ist das kaputte Teil in guten, sicheren Händen. Weil Gott weiß, was für uns gut ist, sind auch die Bitten bei ihm in guten Händen. Wenn das Kind in der Adventszeit vor dem Schaufenster steht und seinen Eltern die Autos zeigt, die es unbedingt haben will, dann weiß es schon, dass unter dem Weihnachtsbaum nicht 30 Autos liegen werden. Aber zum einen ist es einen Versuch wert, zum anderen werden die Eltern schon das Passendste aussuchen. 

Die Gemeinschaft in einer Gemeinde hilft dabei. Einer reißt den anderen aus den Sorgen heraus, aus dem ständigen Kreisen um unerfüllte Bitten, aus der Verzweiflung. Er zieht ihn in die Mitte zu Jesus. Der Verzweifelte erfährt Jesu Hilfe und erzählt es den anderen. Für die ganze Gemeinde wird seine Erfahrung zur Bestätigung ihres eigenen Glaubens und zur Stärkung, wenn sie selbst gerade durch dürre Zeiten gehen.

„Der Friede Gottes“

Ein Leben in Güte und Dankbarkeit ist umfangen vom Frieden Gottes. Schauen wir auf die Bedeutung, die der Friede Gottes bei Paulus hat, treffen wir auf Worte wie „bewahren, bewachen, festhalten“. Der Friede Gottes, so will ich es bildhaft ausdrücken, ist wie der Anschnallgurt im Auto. Man kann sich ja auch selbst festhalten. Aber wenn ein Unfall geschieht, der Wagen plötzlich bremst, wird man instinktiv loslassen. Der Anschnallgurt rettet das Leben, denn er hält auch, wo ich mich nicht mehr halten kann. Gott hält mich fest, und in der Gemeinde erfahre ich auch andere Geschwister, die durch Gott beauftragt sind, mir zum Sicherheitsgurt zu werden. Dieser Friede Gottes ist höher als Vernunft. Wir können uns die Liebe Gottes nicht vorstellen, nicht berechnen, nicht von uns aus im Labor schaffen. Wir können sie nur wie ein Geschenk empfangen, den Frieden geschehen lassen und uns daran von Herzen freuen.

Das „Freuet euch!“ ist keine künstliche Freude und kein Lachsack. Es ist zutiefst ehrliche Freude darüber, dass wir zulassen können, der Herr sorgt für uns, er ist uns nahe und kommt immer näher. Es ist die Freude, gemeinsam unterwegs zu sein und diese Erfahrungen zu teilen.

1. O komm, o komm, du Morgenstern, / lass uns dich schauen, unsern Herrn. / Vertreib das Dunkel unsrer Nacht / durch deines klaren Lichtes Pracht./ Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. / Freut euch und singt Halleluja!
2. O komm, du Sohn aus Davids Stamm, / du Friedensbringer, Osterlamm. / Von Schuld und Knechtschaft mach uns frei / und von des Bösen Tyrannei./ Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. / Freut euch und singt Halleluja!
3. O komm, o Herr, bleib bis ans End, / bis dass uns nichts mehr von dir trennt, / bis dich, wie es dein Wort verheißt, / der Freien Lied ohn Ende preist./ Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. / Freut euch und singt Halleluja! (Otmar Schulz)

Cornelia Trick


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