Vorfreude im Herzen
Gottesdienst am 13.01.2008

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
der zweite Petrusbrief ist uns überliefert als ein Testament des Apostel Petrus. Petrus, so wird es festgehalten, wollte kurz vor seinem Tod das weitergeben, was für Christen der zweiten Generation wichtig war und bleiben sollte. Wir sind heute nicht mehr die Christen der zweiten, sondern der x-ten Generation. Doch bleibt es spannend herauszuhören, was Petrus auch uns zu sagen hat und wie sein Brief auch mitten in unser Leben sprechen kann.

In dem ausgewählten Abschnitt aus dem Brief geht es um einen hellen Morgenstern, der uns erinnert an den Stern über Bethlehem. Heute, am letzten Sonntag der Epiphaniaszeit, der Zeit, die dem Licht Jesu gewidmet ist mitten im Winter, bekommt dieser Morgenstern natürlich besondere Bedeutung. Er verbindet uns noch einmal mit Weihnachten und deutet doch schon voraus auf Jesus, den wiederkommenden Morgenstern.

2.Petrus 1,16-21

Wir haben uns keineswegs auf geschickt erfundene Märchen gestützt, als wir euch ankündigten, dass Jesus Christus, unser Herr, wiederkommen wird, ausgestattet mit Macht. Vielmehr haben wir ihn mit eigenen Augen in der hohen Würde gesehen, in der er künftig offenbar werden soll. Denn er empfing von Gott, seinem Vater, Ehre und Herrlichkeit - damals, als Gott, der die höchste Macht hat, das Wort an ihn ergehen ließ: "Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt." Als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren, haben wir diese Stimme vom Himmel gehört. Dadurch wissen wir nun noch sicherer, dass die Voraussagen der Propheten zuverlässig sind, und ihr tut gut daran, auf sie zu achten. Ihre Botschaft ist für euch wie eine Lampe, die in der Dunkelheit brennt, bis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns eure Herzen hell macht. Ihr müsst aber vor allem folgendes bedenken: Keine Voraussage in den Heiligen Schriften darf eigenwillig gedeutet werden; sie ist ja auch nicht durch menschlichen Willen entstanden. Die Propheten sind vom Geist Gottes ergriffen worden und haben verkündet, was Gott ihnen aufgetragen hatte. 

Die Christen hatten sich offensichtlich mit ihrem Glauben in der Umgebung eingelebt. Sie hatten sich damit abgefunden, dass Jesus doch nicht so schnell wiedergekommen ist, wie es die Urgemeinde erwartete. So kam es dazu, dass einige das Wiederkommen Jesu ganz in Frage stellten. Für sie war das Entscheidende passiert. Gott ist Mensch geworden, hat gezeigt, dass er bei den Menschen sein will. Nun mussten die, die Jesus vertrauten, sehen, wie sie ihr Leben gestalteten mit seinen Vorgaben. Aber Petrus entdeckte, dass ihnen dabei mehr und mehr die Verbindung zu dem lebendigen Jesus verloren ging. Da sie Jesus ja nicht mehr erwarteten, er für sie Geschichte war, rückten andere Themen wieder stärker in den Mittelpunkt und fesselten ihre Aufmerksamkeit. Der christliche Glaube war nicht mehr Zentrum ihres Lebens, sondern angenehme Begleitmusik.

Petrus sah, dass genau hier das Problem dieser Generation lag. Er setzte dem seine letzten Worte entgegen: "Haltet fest an der Erwartung, dass Jesus wiederkommt! Denn dann wird klar, ob jemand wirklich bei Jesus ist oder nicht." Es wäre ein vertanes Leben, wenn am Ende herauskommt, dass der Bräutigam endlich kommt, um seine Braut zu heiraten und die hat längst einen anderen geheiratet.

Petrus bezieht seine Autorität aus seiner besonderen Geschichte mit Jesus. Er war dabei, als Jesus auf dem Berg der Verklärung stand. Dort wurde er Ohrenzeuge von Gottes Stimme: "Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine ganze Liebe, ihn habe ich erwählt." (Matthäus 17,5) Petrus verstand dieses Erlebnis auf dem Berg als eine Rückbindung an die Taufe Jesu, als Gott diese Worte schon einmal über Jesus gesprochen hatte, aber gleichzeitig auch als eine Vorausschau. Der Verklärte wird am Tag Gottes wiederkommen. Er ist der Weltenrichter, von dem die Propheten gesprochen haben. An ihm und der Zugehörigkeit zu ihm wird sich entscheiden, wer aus dem Gericht Gottes gerettet wird oder wer ihm mit voller Härte ausgesetzt sein wird. (z.B. Joel 3,1-5)

Petrus ist es wichtig, dass Christen nicht träge werden und auf der Strecke bleiben, sondern dass die Vorfreude auf den Bräutigam ihr Leben bestimmt. Dieses Bild von der Braut, die auf ihren Bräutigam wartet, enthält einige Vergleichspunkte zum Verhältnis der Christen als Gemeinde Jesus und Jesus. Eine Braut, die nur auf dem Papier wartet, aber in ihrem Herzen längst nicht mehr damit rechnet, dass der Geliebte wiederkommen wird, wird ihn allmählich als Erinnerung in ihrem Herzen ablegen. Sie bekommt kein Herzklopfen mehr bei jedem Klingeln an der Haustür. Sie wird sich nicht überlegen, dass sie dies oder das für den Bräutigam aufheben sollte. Sie wird sich vielleicht für andere Männer interessieren und neue Bindungen eingehen. Ganz anders die Braut, die den Bräutigam erwartet. Sie ist sicher auch an manchen Tagen mutlos und fragt sich, ob er denn wirklich kommt, aber sie hält fest an ihrer Liebe zu ihm, sie sehnt jedes Lebenszeichen herbei, sie wird phantasievoll, die Wartezeit kreativ zu überbrücken und sich dem Bräutigam entsprechend zu entwickeln. Auch aus der Ferne wird sie mit ihm versuchen in Verbindung zu bleiben. 

Jesus selbst verwendet dieses Bild vom Bräutigam und seiner Braut, weil darin zum Ausdruck kommt, dass er unsere Zuwendung nicht aus Angst vor dem Weltgericht erwartet, sondern aus Liebe zu ihm und Sehnsucht nach ihm.
Das Testament des Petrus verdeutlicht: Für uns ist das Thema, dass Jesus wiederkommt, nicht eines von vielen, das man glauben kann oder auch nicht, sondern spiegelt unsere zentrale Beziehung zu Jesus wieder. Sind wir wirklich in Liebe mit ihm verbunden, leben wir auf das Ziel zu, dass er bald kommt. Oder ist es uns egal, ob er kommt, haben wir vielleicht schon ganz andere Bindungen, die es uns schwer machen, Jesus als unseren Bräutigam zu erwarten?

Ein Witz aus einem christlichen Witzekalender mag das veranschaulichen: Ein Mann geht ein Jahr ins Ausland und verspricht seiner Verlobten, ihr jeden Tag eine Postkarte als Zeichen der Liebe zu schicken. Nach einem Jahr kehrt er wieder nach Hause zurück und stellt betroffen fest, dass er zwar jeden Tag eine Postkarte an seine Verlobte geschrieben hatte, sie nun aber mit einem anderen Mann verheiratet war. Sie hatte den Briefträger geheiratet. 
Das sind die Herausforderungen unserer Zeit genauso wie damals zur Zeit des Petrusbriefes. So schnell gehen wir Bindungen ein, die uns von Jesus trennen, weil wir ihn eigentlich nicht mehr erwarten.

Der wiederkommende Herr verändert unser Leben schon hier und heute, so beschreibt es der Petrusbrief. In unseren Herzen wird der helle Morgenstern aufgehen. SterneNoch bevor der Tag anbricht, wird er Orientierung geben und unser Leben hell machen. Der Morgenstern ist die Freude, die in uns ist und die uns niemand nehmen kann. Diese Freude ist nicht zu verwechseln mit dem Glücklichsein, weil alle Probleme gelöst sind. Die Freude, die Jesus in uns anzündet als Erwartung ist gerade in den Problemen zu spüren. Sie ließ Paulus den Philipperbrief als Brief über die Freude schreiben, obwohl er im Gefängnis saß. Doch ist Freude ein etwas schwammiger Begriff. Was bedeutet sie in diesem Zusammenhang?

Freude heißt Hoffnung zu haben

Fast alle Menschen haben irgendeine Hoffnung. Ohne Hoffnung zu leben bedeutet, das Leben aufzugeben und dahinzuvegetieren. Doch manche Hoffnung steht nur auf höchstens drei Beinen. Manche haben zum Leitspruch: "Es wird schon wieder". Diesen Satz hört man oft an Krankenbetten. Er ist als Mutmachsatz gemeint und ist doch Ohnmachtsaussage. Jede und jeder weiß doch, wie oft es eben nicht wieder wird, die Krankheit nicht besiegt werden kann. Manche setzen ihre Hoffnung auf ein steigendes Gehalt, auf eine gute Altersversorgung, auf ihre Kinder oder ihr gutes Elternhaus, auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag oder sattelfeste Versicherungen für alle Wechselfälle des Lebens. Diese Hoffnungen enden spätestens auf dem Todenbett. Sie können nicht über die letzte Schwelle hinwegtragen und sie sind äußerst trügerisch. Geld kann seinen Wert verlieren, Menschen können enttäuschen, Unternehmen schließen. Wie anders dagegen die Hoffnung, die uns Jesus anbietet. Wir haben seine feste Zusage, dass nichts uns von ihm trennen kann. Selbst wenn alle Versicherungen versagen, hält er uns fest. Wir haben sein Versprechen, dass uns alles zum Besten dienen wird. Das ist ein ganz gewagter Hoffnungssatz, weil ja eben nicht alles in unserem Leben gut geht. Aber die Hoffnung Jesu trägt eben weiter, sie hat unser ganzes Leben im Blick, nicht nur von der Geburt bis zum Tod.

Freude wächst, weil Jesus uns zum Ziel führt

Ein Perspektivwechsel ist nötig. Definieren wir Freude oft so, dass wir uns freuen, weil keine Probleme da sind, bedeutet Freude, die von innen kommt: Gott ist da, dann kann ich auch Probleme meistern. Die Probleme können auftauchen, sie können sogar dazu führen, dass man Umwege machen muss oder Zeit verliert, aber sie können Gottes Weg mit uns nicht durchkreuzen. Wir wünschen uns natürlich den direkten Durchmarsch: Schule, Berufsausbildung, Beruf, Heirat, Kinder, vergnügtes Alter, lebenssattes Sterben, aber den Weg, den Gott uns führen will, kennen wir nicht. So kann es sein, dass aus seiner Perspektive die Hindernisse nötig sind, um uns zu formen, vorzubereiten für den nächsten Schritt oder die nächste Herausforderung. Vielleicht sollen wir durch unsere schwere Lebensführung Zeugnis für andere werden, ihnen Mut machen, sich auf Jesus einzulassen. Auf jeden Fall dürfen wir auf jeder Station wissen, dass Jesus uns im Blick hat und seine Gegenwart unsere Freude sein kann - in der Gefängniszelle oder am Strand von Mallorca. Wir werden vorbereitet auf die Ankunft des Bräutigams, es ist unsere "Brautschule", die durchaus auch Prüfungen bereit hält.

Freude wächst durch Training

Die Freude, die wie ein Morgenstern unser Leben erhellt, ist wie ein Muskel, las ich in einem Buch. Sie will trainiert werden. Vier Trainingseinheiten bieten sich an, die jede und jeder von uns in den nächsten Wochen - vielleicht bis Ostern - absolvieren kann. 

Die erste ist eine Einheit Dank. Aufzuschreiben oder im Gebet zu nennen, was uns heute mit Dank erfüllt, bewirkt Erstaunliches. Wir spüren Jesu Gegenwart, denn er ist es ja, dem wir danken. Wir entdecken, wie er wirkt und wozu er hilft, sehen die Wege, die hinter uns liegen, in seinem Licht.

Die zweite Einheit betrifft unsere Zeit. Wir können uns selbst ernst nehmen und Jesus konsequent zu dienen. Ja, werden viele in der Gemeinde sagen, das tue ich doch schon. Ich besuche die und die Gruppe, leite vielleicht sogar Aktivitäten, kümmere mich um den kranken Nachbarn und bin immer für Jesus unterwegs. Das ist wunderbar, und vielleicht sind Sie dann schon eine, die Jesus mit viel Freude im Herzen spürt. Doch wenn da die Sehnsucht ist, noch mehr von dieser Freude zu spüren, hilft vielleicht der Blick weg von sich selbst und den eigenen Bedürfnissen hin zu den Aufgaben, die Jesus für uns hat.

Eine dritte Einheit betrifft den Besitz. Je mehr wir weggeben, desto mehr Platz schaffen wir für Jesus in unserem Leben. Ein Landwirt sagte mal, gefragt, warum er soviel spende: "Ich schaufele in Gottes Scheune, und er schaufelt in meine Scheune, aber er hat die größere Schaufel." Darum geht es, wenn wir Jesus unser Geld zur Verfügung stellen. Wir werden dadurch nicht wirklich ärmer, aber wir werden mehr Freude haben, weil wir die Unabhängigkeit der Kinder Gottes spüren können.

Eine vierte Trainingseinheit betrifft das Weitergeben von Wissen. Von Jesus erzählen, ihn musikalisch weitergeben, ihn durch Kunst anderen vermitteln, ist ein guter Weg, die Freude im Inneren zu trainieren. Denn mit dem Weitergeben erleben wir, wie Jesus durch uns spricht, musiziert und malt, wie er uns wertschätzt, mit ihm zusammenzuarbeiten und wie er uns beschenkt mit Erfahrungen, die uns bestärken: Er lebt und wird kommen an seinem Tag.

Die Vorfreude auf Jesu Kommen im Herzen zu haben, ist wie ein heller Morgenstern in der Finsternis. Sie lässt uns mutig und gewiss unseren Alltag annehmen und leben, denn das Schönste kommt ja noch.

Etwas in mir zeigt mir, dass es dich wirklich gibt.
Ich bin gewiss, dass du lebst, mich kennst und mich liebst.
Du bringst mich zum Lachen, machst, dass mein Herz singt.
Du bringst mich zum Tanzen, meine Seele schwingt.
Ich atme auf in deiner Gegenwart.
Herr, du allein gibst mir Freude, die von innen kommt.
Freude, die mir niemand nimmt.
Herr, du machst mein Leben heil mit dem Licht deiner Liebe. (Albert Frey)

Cornelia Trick


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