Stell dir vor, du bist zur Hochzeit eingeladen und die Tür ist...
Gottesdienst am 25.11.2001

Anspiel
Metzgerei

Martina: Grüß dich, Sabine!
Sabine: Hallo, Martina. - Wir treffen uns ja auch immer nur beim Metzger! - Eine kleine Gelbwurst, bitte!
Martina: Stimmt, in der Gemeinde treffen wir uns nicht mehr so häufig und auch im Gebetskreis haben Silke und ich dich die letzten paar Male vermisst. Was ist los? - Ein Pfund Hackfleisch, bitte!
Sabine: Ja, weißt du, Rolf und ich gehen seit neuestem Sonntag morgens immer ins Schwimmbad. Da ist um diese Zeit kein Mensch und uns tut das soooo gut. - Ja und Gebetskreis, da habe ich im Moment überhaupt kein Bedürfnis danach. Bei uns läuft zur Zeit alles so prima - ich wüsste gar nicht, was ich beten sollte!
Martina: Naja, ob das so die richtige Haltung ist?! Auf jeden Fall vermissen wir dich in der Gemeinde und ich glaube, Gott vermisst dich auch! Bleib dran!

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
ein Anspiel, wie es sich jeden Tag in Neuenhain beim Metzger und anderswo ereignen könnte. Zwei Leute aus der Gemeinde treffen sich und erzählen sich, was ihnen wichtig ist. Martina liegt offensichtlich an der Gemeinschaft. Sie vermisst Sabine im Gebetskreis. Und als sie sie beim Metzger trifft, ist es für sie eine willkommene Gelegenheit, Sabine darauf anzusprechen. Ob Sabine Martina auch so vermisst? Ob sie Gemeinde überhaupt vermisst? Zumindest fühlt sie sich beim Schwimmen wohl. Sicher ist die Szene überzeichnet. Und sie wäre bestimmt in die falsche Ecke gedrängt, wollte man aus ihr ableiten, dass nur der oder die bei Gott gut angesehen ist, der oder die regelmäßig den Gebetskreis besucht. Und letztlich geht es auch nicht nur um Schwimmbadbesuche.

Es geht um die viel tiefer gründende Frage: Was ist dir wirklich wichtig? Und bleibst du dran an dem, was dir wirklich wichtig ist? Steht es auf deinem täglichen Terminkalender und fordert es dich heraus, dein Leben drum herum zu arrangieren?

Heute am Ewigkeitssonntag spüren wir die Spannung zwischen Himmel und Erde gewaltig. Und wir sind vielleicht mehr als sonst bereit, uns auch selbst zu prüfen und vom Heiligen Geist überprüfen zu lassen, ob alles in Ordnung ist zwischen Himmel und Erde. Nutzen wir also jetzt gemeinsam diese Chance.

Jesus erzählte seinen Jüngern und Nachfolgerinnen ein Gleichnis. Es hörte sich wohl schon damals für sie anstößig, fast schockierend an. Und doch entdeckten sie mit diesem Gleichnis ein Puzzleteil mehr, um Jesus besser zu verstehen.

Matthäus 25,1-13

"Wenn Gott sein Werk vollendet, wird es zugehen wie in der folgenden Geschichte:
Zehn Brautjungfern gingen mit ihren Lampen hinaus, dem Bräutigam entgegen, um ihn zu empfangen. Fünf von ihnen handelten klug, die anderen fünf gedankenlos. Die Gedankenlosen nahmen nur ihre gefüllten Lampen mit, während die Klugen auch noch Öl zum Nachfüllen mitnahmen. Weil der Bräutigam sich verspätete, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht ertönte der Ruf: 'Der Bräutigam kommt, geht ihm entgegen! Die zehn Brautjungfern standen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung. Da baten die Gedankenlosen die anderen: 'Gebt uns von eurem Öl etwas ab, denn unsere Lampen gehen aus.' Aber die Klugen sagten: 'Ausgeschlossen, dann reicht es weder für uns noch für euch. Geht doch zum Kaufmann und holt euch welches!' So machten sich die fünf auf den Weg, um Öl zu kaufen. Inzwischen kam der Bräutigam. Die fünf Klugen, die darauf vorbereitet waren, gingen mit ihm hinein zum Hochzeitsfest, und die Türen wurden geschlossen. Schließlich kamen die anderen nach und riefen: 'Herr, Herr, mach uns auf!' Aber der Bräutigam wies sie ab und sagte: 'Ich versichere euch, ich kenne euch nicht!' Darum seid wachsam, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde im voraus!"

Jesus knüpfte an die Erfahrungen seiner Zuhörer an. Eine Hochzeit galt als absoluter Höhepunkt. Brautjungfer zu sein, war größte Ehre. Und so verbanden sich bei den Zuhörerinnen und Zuhörern auch sehr angenehme Gefühle mit dem Bild der Hochzeit, auf die es sich vorzubereiten galt. Sie sahen vor sich das große Fest, die Festtafel, Tanz und Musik. Die Brautjungfern hatten die besondere Aufgabe, dem Bräutigam auf dem Weg zu seiner Braut entgegen zu kommen und ihn mit ihren Fackeln zu geleiten. Die Fackeln waren mit Stoffstreifen umwickelt. So brannten sie zwar heftig, jedoch nur kurz. Durch eine besondere Vorrichtung ließ sich ein Vorratsgefäß mit Öl füllen, das die Lappen stetig mit Öl tränkte. Die Brenndauer wurde dadurch enorm erhöht. In Jesu Gleichnis hörten die Leute gleich mehrere Ungeheuerlichkeiten.

Die erste Ungeheuerlichkeit: Der Bräutigam verspätete sich gravierend. Auf so eine lange Wartezeit hatten sich Brautjungfern wohl normalerweise nicht einzustellen. Vielleicht haben die Hörer an dieser Stelle gelacht. Es ist ja immer erheiternd, wenn jemand seinen Hochzeitstermin fast vergisst oder etwas gerade noch so dazwischen kommt.

Die zweite Ungeheuerlichkeit: Die Hälfte der Brautjungfern hatte kein Öl dabei. Sie hatten sich nicht auf eine lange Wartezeit eingerichtet. Sie hatten nichts, womit sie ihre Lappen tränken konnten. So manch einer oder eine wird den Kopf geschüttelt haben und vor sich hin gemurmelt haben, das könnte mir nicht passieren, dass ich so wenig Weitblick habe.

Die dritte Ungeheuerlichkeit: Niemand gibt den dummen Frauen Öl ab. Sie müssen erst den Kaufmann aus dem Bett holen, um Öl, vielleicht auch neue Lumpen für ihre Fackeln zu bekommen.

Die 4. Ungeheuerlichkeit: Der Bräutigam macht ihnen schließlich die Tür vor der Nase zu. "Ich kenne euch nicht", schleudert er ihnen herzlos entgegen und lässt die jungen Frauen in der rabenschwarzen Nacht draußen stehen. Spätestens jetzt werden sich die Leute die Haare gerauft haben. Wie konnte der Bräutigam so tun, als ob er sie nicht kannte? Schließlich gehörten sie zu seinen geladenen Gästen. Und ganz allein er war doch auch verantwortlich für die lange Wartezeit.

Dieses Gleichnis gehört nicht zu der Sorte von Geschichten, die uns sofort ans Herz wachsen wie etwa die Geschichte vom Verlorenen Schaf. Es ist ein Gleichnis mit Dornen, das in unserem Leben hängen bleibt und genau auf die Stellen verweist, die dran sind, bearbeitet zu werden.

Ich möchte die Geschichte von den zehn jungen Frauen auf unser Leben übertragen. Vier Symbole helfen mir dabei: 

  • Das Fragezeichen,
  • das Schwert,
  • das Licht und
  • der Schuh.
Ganz wichtig ist, Jesus erzählt dieses Gleichnis nicht irgendjemand, sondern uns, den Leuten, die ihn kennen, die ihm entgegen gehen. Er erzählt das Gleichnis seiner Gemeinde. Wenn Jesus von einem Bräutigam erzählt, dann erkennen wir im Bräutigam Jesus wieder, der uns zum himmlischen Festmahl einlädt, an dem er mit uns vereint in Ewigkeit teilnehmen wird. Jesus als der Bräutigam weckt bei seiner Gemeinde Vorfreude wie damals bei seinen Zuhörern die Hochzeit ein frohes Erwarten freisetzte. Keiner wird hinter einem Hochzeitsfest eine Drohung oder ein Gewitter erwartet haben, keiner von uns soll im Blick auf den wiederkommenden Christus zuerst Angst haben, sondern sich darauf freuen. Was in diesem Gleichnis nun angesprochen wird, ist die Zeit des Wartens. Das Fest wirft seine Schatten voraus. Doch wie kommen wir damit zurecht, dass der Bräutigam zwar sein Kommen ganz fest zugesagt hat, aber ausbleibt? Wie kommen wir damit zurecht, dass er uns seine Nähe für jeden Tag zugesagt hat, aber wir ihn nicht jeden Tag gleich intensiv erleben?

Was verstehe ich nicht?

Was ich nicht verstehe: Warum kennt der Bräutigam die fünf dummen Frauen, die kein Öl dabei hatten, nicht mehr? Ist es so schlimm, ein paar Minuten zu spät zu kommen? Stellen wir uns doch mal vor, unser Küster hätte um Punkt zehn Uhr die Kirchentür abgeschlossen. Da wären einige draußen geblieben. Das widerspricht dem Bild, das ich von Gott habe. Er hat doch offene Arme. Er sucht das Verlorene Schaf und wartet geduldig auf den Verlorenen Sohn. Und in einem Lied singen wir begeistert: "Gott öffnet jedem die Tür, jedem, der ihn fragt, er nimmt die Schuld und gibt Liebe dafür, denn er hat es uns gesagt." Ein Widerspruch? Ich merke, es gibt Klärungsbedarf. Die Dornen dieses Gleichnisses verfangen sich in meinen Vorstellungen von Gott und der Welt. Die Geschichte macht mich neugierig, es gibt offensichtlich Neues zu entdecken.

Was stößt mich an?

Nikos Katzantzakis hat das Ende dieses Gleichnisses neu und anders erzählt: "Was würdest du tun, wenn du der Bräutigam wärst, Nathanael?", fragte Jesus und richtete seine großen dunklen Augen auf ihn. Nathanael schwieg. Er sah noch nicht ganz klar, was er tun sollte. Teils wollte er sie fortjagen, das Tor war ja verschlossen, so gebot es das Gesetz, teils taten sie ihm Leid und er wollte ihnen öffnen... "Ich würde öffnen," sagte er leise. "Recht getan, Nathanael", sagte Jesus froh und streckte seine Hand aus, als ob er ihn segnete. "In dieser Stunde bist du lebendigen Leibes ins Paradies eingegangen. - Das gleiche tat auch der Bräutigam. Er rief den Dienern zu: Öffnet das Tor, dies ist eine Hochzeit. Alle sollen etwas trinken und fröhlich sein! Lasst die gedankenlosen Jungfrauen herein kommen und sich die Füße waschen, denn sie sind weit gelaufen."

Gar nicht abwegig erscheint diese Umdeutung. Eine Nähe zum Gleichnis vom Verlorenen können wir spüren. Die Tür ist doch offen! Aber es steht nicht so im Gleichnis Jesu. Und er hat es somit auch nicht so erzählt. Der Bräutigam verspätet sich - die Frauen haben sich auf die Wartezeit einzurichten, die Tür ist zu!

Was will Jesus uns damit sagen? Er spricht hier nicht zu den verlorenen Töchtern und Söhnen, die noch keine Brautjungfern sind. Er spricht zu Jüngern und Jüngerinnen, die zu ihm gehören und ihm entgegen gehen. Es kommt wohl alles darauf an, in der Wartezeit genug Öl dabei zu haben. Egal, ob man schläft oder wacht, unruhig umher trippelt oder es gelassen angehen lässt, der Ölvorrat entscheidet schließlich darüber, ob die Tür offen oder geschlossen ist. Jesus beschreibt sehr zugespitzt zwei Haltungen: gedankenlos in den Tag hinein zu leben, sich darauf zu verlassen, dass alles sich von selbst regeln wird oder Vorfreude so stark zu empfinden, dass man Vorsorge trifft, um das Ereignis nur ja nicht zu verpassen. Jesus legt uns mit seiner Geschichte ans Herz, es den klugen Frauen gleich zu tun und nur ja nicht zu handeln wie die Dummen.

Wo mir ein Licht aufgeht

Alles entscheidet sich am Öl. Was ist das Öl in unserem Christsein? Es ist Brennstoff, der unsere Fackeln am Lodern hält. Und ganz ähnlich wie bei manchen anderen Brennstoffen besteht er aus mehreren Komponenten. Eine Komponente allein reicht nicht aus.

Zum ersten ist da der Glaube zu nennen, der Glaube an Jesus Christus, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Glaube, der andauert, verlangt nach Regelmäßigkeit. Im täglichen Gebet, in der Gemeinschaft mit Christen und in der Gott gewidmeten Zeit kann Er uns ansprechen. Für manchen ist auch der regelmäßige Gang auf den Friedhof so eine Art Ruhepol im Alltag, wo Gott sprechen kann, trösten kann und weiter helfen kann. Wo man bereit wird, Neues zu hören und Schritte nach vorn zu gehen. Glaube auf Vorrat gibt es nicht, da hinkt der Vergleich zum Öl in den Fackeln. Aber Glaube mitten im Alltag, der kann wachsen und sich als eine ganz stabile Basis für die kommenden Herausforderungen bewähren.

Eine wichtige Komponente des Brennstoffs ist die Liebe. Jesus sagte, dass die Leute unser Licht sehen sollten, wir es also nicht unter einem Eimer verbergen sollten. Und er sprach davon, dass er mit Licht unsere guten Werke meinte, die zum Lob Gottes führen sollten (Matthäus 5,13-16). Jesus betonte immer wieder die Zusammengehörigkeit von Glaube und Werken. Liebe, die sich an anderen erweist, ist Brennstoff, hält das Licht am Laufen, gibt Kraft, die Festfreude nicht aus den Augen zu verlieren. Im Anspiel sagte Martina zu Sabine: Bleib dran! Das heißt doch, setz dich für Christus ein, trag seine Liebe in die Welt, lass etwas von der Vorfreude auf das himmlische Fest in deine Umgebung strahlen. Können wir als Gemeinde das Gleichnis an dieser Stelle ausbauen? Bevor der Bräutigam kommt, ist Gelegenheit, nach dem Ölvorrat zu schauen und uns gegenseitig zu ermuntern, die Liebe fließen zu lassen.

Die dritte Komponente des Brennstoffs möchte ich als Hoffnung charakterisieren. Denn das Gleichnis ist trotz seiner Ernsthaftigkeit eine Einladung zum himmlischen Hochzeitsfest. Wir leben von der Hoffnung, dass Jesus Christus uns das Öl zur Verfügung stellt, um unseren Glauben und unsere Liebe am Laufen zu halten. Jesus ist der wiederkommende Christus, aber er ist auch der gegenwärtige Herr. Er ist jetzt schon da, um uns zu helfen, zu führen. Er ist da, um uns die Ruhepausen bei brennendem Fackelschein zu gönnen. Trotz der Warnung dürfen wir die Gewissheit haben, wer nach Gottes Willen lebt, ist dabei. Wer erfahren und für sich in Anspruch genommen hat, dass Jesus Sünde vergibt und Schuld wegnimmt, der darf einen tiefen Frieden erleben. So wie es einmal eine Frau nach einem schweren Verkehrsunfall ausdrückte: "Mit mir und Gott ist alles in Ordnung. Das tröstet mich." Wenn wir diesen tiefen Frieden mit Gott im Herzen haben, dann brauchen wir uns vor dem Öl-TÜV nicht zu fürchten. Und sollte der TÜV Jesu Mängel zu Tage fördern, dann sind hier Schwestern und Brüder, die in aller Verschwiegenheit die Beichte abnehmen und die Vergebung und den Neuanfang durch Gott zusprechen.

Was in die Zukunft führt

Mit meinem Glauben möchte ich nicht leichtfertig umgehen. Im Gegenteil, das dornige Gleichnis Jesu weist mich eindringlich darauf hin, darauf zu achten, dass ich keine der drei Komponenten des Brennstoffs vernachlässige. Es fällt mir leicht, mich wieder neu von Jesus mit Glaube, Liebe und Hoffnung füllen zu lassen, denn ich gehöre zu den Brautjungfern, die ein großes Fest erwartet. Doch ich merke, wie sehr ich die Tankstelle brauche, die mich mit Brennstoff versorgt. Jesus hat sie mir in der Nachbarschaft gebaut. Meine Gemeinde ist für mich Tankstelle, in der ich beten kann, in der ich ermutigt werde, in der ich die Bibel immer besser verstehen kann. Meine stille Zeit mit und für Gott ist eine weitere Tankstelle. Sie versorgt mich mit der Liebe, die ich für den Alltag brauche. Und nicht zuletzt ist die Bibel für mich Tankstelle. Der Evangelist Matthäus, der als einziger dieses Gleichnis Jesu überlieferte, schloss mit Jesu Worten: "Und das sollt ihr wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt!"
Dazu lädt Jesus uns ein, heute und alle Zeit.
Cornelia Trick


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