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Liebe Gemeinde,
So wird über unseren heutigen Predigttext gesagt, daß Jesus ursprünglich gar nicht die ganze Welt retten wollte, sondern nur das Volk Israel. Erst einer Frau ist es zu verdanken, dass Jesus seine Meinung änderte und seinen Auftrag ausweitete. Diese Interpretation hat zwei strahlende Sterne. Zum einen führt sie einen Jesus vor, der lernfähig ist. Ein Jesus der durch die Bitte einer Frau zu einer Einsicht gelangt. Ein Jesus, der sich auch meinem Gebet nicht verschließen wird. Und zum zweiten beinhaltet er eine überragende Stellung für die Frauen im Heilsplan Gottes. Ohne Frauen, so diese Lehre, wäre nur das Volk Israel gerettet und wir hier würden alle leer ausgehen. Gerade heute an Muttertag, würde es sich anbieten den Frauen auch diese Position im Heilsplan zuzubilligen. Aber ich bin mir sicher, das Jesus von Anfang an das Heil für die ganze Welt im Blickfeld hatte. Und dass es sich bei der Idee der Einflußnahme durch eine Frau um eine Irrlehre handelt. Ohne Frage aber hat die Frau in unserem heutigen Text alle Charakterzüge einer guten Mutter. Ohne Frage können wir heute noch viel von Ihr lernen. Ohne Frage handelt es sich beim heutigen Predigttext um einen idealen Muttertagstext. Matthäus 15,21-28
Der Text ist mir bekannt durch einen Vortrag, den ich im Rahmen einer Bibelarbeit bei einem Jugendkongress gehalten hatte. Sofort sind mir wieder die intensiven Gespräche, Bemerkungen und Diskussionen mit den Jugendlichen in Erinnerung. Ebenso fällt mir ein Gespräch mit einer jungen Frau ein, die mich Jahre nach dem Referat auf einer anderen Veranstaltung wiedergesehen hat und den Erzählfaden von damals wieder aufgenommen hat. Für sie war diese Bibelarbeit der entscheidende Durchbruch zu einem persönlichen Glauben mit Jesus geworden. Neben all diesen angenehmen Gefühlen lasse ich mich aber doch neu auf den Text ein. Ich lasse Sie jetzt an meinen ersten Gefühlen mit dem Text teilhaben, dabei werde ich etwas Porzelan zerschlagen, das ich dann später wieder aufsammeln muss. Ganz hart stößt mir jetzt auf, wie derb der Text Juden und Nichtjuden voneinander trennt. Die Frau wird als Nichtjüdin ausgegrenzt. Mein ganzes multikulturelles Wesen stellt die inneren Nackenhaare auf. Dann wird mir unvergleichlich deutlicher als damals, wie sehr sich die Mutter für Ihre Tochter einsetzt. Da ich in der Zwischenzeit selber drei Kinder habe, für die ich mich ebenfalls wie eine Mutter einsetzen würde, ist mir diese Mutter gleich sympathisch. Zwei Tage bevor ich den Predigttext las, ist meine Tochter Pauline von einem Spielgerüst aus drei Metern Höhe auf den Kopf gefallen. Sofort bin ich herbeigesprungen. Trotz meines kaputten Beins bin ich zu unserem Auto gesprintet, um Hilfe herbei zuholen. Aus dem Spielgerüst heraus habe ich sie auf meinen Armen getragen. Das eigene Kind - krank. Alles in mir schaltet auf Hilfe holen. Egal wie weit, egal wie teuer. Es geht um die eigene Tochter. Ich fühle mich mit der Mutter in der Sorge um meine Tochter verbunden. Dann aber wieder diese harte Ausgrenzung. Diese arroganten Jünger. Sie werden mir mit Ihrer Rechthaberei ein Ärgernis. Sie wollen die Hilfe verweigern. Wer wird je akzeptieren, dass das eigene Kind kein Recht auf Hilfe hat? Die Jünger erscheinen mir wie Exekutoren, wie Henker, die um einer kleinkarierten Gesetzlichkeit willen über Leben und Tod entscheiden. Denn es geht um existentielle Hilfe, was sonst würde die Mutter so auftreten lassen? Gesetz oder Leben, so schreit mir mein Gefühl entgegen - und die Jünger, diese Versager, haben wieder einmal den theoretischen, den gesetzlichen, den konservativen Weg gewählt. Wie wenig haben sie doch vom Evangelium verstanden? Hier blende ich aus dem Text heraus und ich frage mich, wie muss Jesus unter seinen Jüngern gelitten haben. Aber da kommt der absolute Knackpunkt. Jesus scheint seinen Jüngern nachzugeben. Er stellt sich auf die Seite der Diskriminierer, auf die Seite der Lebensverhinderer, auf die Seite der Terminatoren. Ich kann es gar nicht glauben, lese den Vers nochmals - weis es aber im Grunde von meiner letzten Bibelarbeit. Da sagte er zu der Frau: "Ich habe den Auftrag, nur denen zu helfen, die zum Volk Israel gehören." Neu, ganz neu aber bin ich dennoch entrüstet.
Jesus - ohne Schuld? Von wegen. Auftrag wörtlich genommen. Auftrag
falsch interpretiert. Thema verfehlt. Welt nicht gerettet. Exklusivauftrag
an die Juden - völlig versagt beim Retten der Welt. Jesus, das war
Deine Chance, sicherlich nicht deine einzige, aber hier bist du auf der
falschen Seite. Soviel Evangelium steckt doch instinktiv in mir drinnen,
dass ich jetzt mit meinem Magen kämpfen muss. Jesus, der Pharisäer.
Jesus - hier sackt die ganze Authentizität ab, hier wäre die
Pflicht zu helfen. Die Frau aber gibt nicht auf. Gut so. Weiter so. Kämpfe, auch wenn es weh tut. Mir tut heute noch mein Bein weh von dem Sprint am Unfalltag. Ich werde wieder parteiisch. Würde sogar spontan für sie beten, mich für sie einsetzen, beim Alten anfragen, wenn schon der Sohn versagt; wenn es nicht schon längst vorbei wäre. Und Jesus. Nicht dass er seinen Fehler erkannt
hätte. Er legt noch einen drauf. Er deklariert eine Zweiklassengesellschaft.
Kinder und Hunde. Welche die dazugehören und andere! Hört, hört!
Sein Auftrag ist nicht bedingungslos. Sein Auftrag hat eine Zielgruppe.
Gehören hilflose Kinder etwa nicht dazu, es geht doch eben um Kinder.
Aber ich spüre: Es sind andere Kinder gemeint. Jesus geht es um Gotteskinder.
Nur zu denen ist er gesandt. Und er bleibt ganz ruhig dabei. Irgendwie
steckt mich diese Ruhe an. Ja, da hat er Recht, das ist sein Auftrag.
Aber dennoch und da glimmt mein Vaterherz neu auf. Es geht jetzt vor allem um das Kind, es geht um Hilfe, bevor es zu spät ist. Jetzt muss gehandelt werden. Jetzt geht es nicht darum, irgendwelche großen theologischen Entwürfe zu bearbeiten, jetzt geht es nicht darum scharfe Grenzen zu Insidern und Outsidern zu ziehen, es geht darum, was zu tun ist. Wie Hilfe doch noch möglich werden kann. Es geht schlicht darum, ob dieser Gott für das wirkliche Leben eine Relevanz hat. Es geht darum, ob es sich überhaupt lohnt, die ganze Theologie zu betreiben, ob sie einen Nutzwert für das Leben hat, oder ob es eine deklaratorische Größe von rein kultureller Relevanz ist. Die Frau nimmt den Faden auf. Läßt sich nicht abschütteln. Erniedrigt sich bis zum letzten für Ihre Tochter. Sie setzt ihren ganzen Stolz außer Kraft, sie pfeifft auf Ihre ganze soziale Stellung, sie macht sich zum Gespött der Leute - nur weil sie von Jesus Hilfe erwartet. Sie stellt sich mit Ihrer Hoffnung ganz allein auf Gottes Seite Sie vertraut allein auf Jesus, nichts anderes gibt es mehr, nichts ist für sie wichtiger als die Hilfe. Ihr ganzes Leben legt sie Jesu zu Füßen, er möge es nur annehmen und Ihrer Tochter helfen. Da erkennt Jesus den Glauben in Ihr, erkennt dass Sie ein Gotteskind ist, daß sie tut, was andere zuerst nur aussprechen, was andere versuchen zu formulieren und dabei das Handeln vergessen. Hier ist es durch die Tat bekundet:
Mit Vollmacht spricht Jesus das aus, wozu er berufen ist. Und das tut gut. Das sind die erlösenden Worte, das ist das, was ich von ihm erwartet habe, das ist Jesus in der Helferrolle. Danke Jesus. Ich komme innerlich wieder etwas zur Ruhe und bleibe dennoch angespannt. Meine Vorwürfe an Jesus bleiben zurück. Jetzt wo deutlich wird, dass er sich korrekt verhalten hat, da bleibe ich auf meinen Anschuldigungen sitzen. Trotzdem freue ich mich erst einmal für die Tochter, die im selben Augenblick wieder gesund wurde. Und ich setze meine Hoffnung auf Jesus, trotz meiner Anklagen. Ich vertraue darauf, daß auch Pauline gesund wird, daß nichts an Problemen übrig bleibt. Dass die Wunden nicht das Gesicht entstellen, dass alles wieder gut wird. Dass sie zu guter Letzt auch wieder so unglaublich hübsch sein wird wie sie es immer war. Und ich spüre es, dass Jesus mein Vertrauen nicht enttäuschen wird und jetzt zwei Wochen später kann jeder von Ihnen ein Beispiel sehen, daß Gott unsere Hoffnungen nicht enttäuscht. Kurz vor diesem Ereignis hatte Jesus gelehrt, dass nicht das, was wir in uns aufnehmen, unrein macht, sondern das, was wir aus unserem Munde herauslassen. Rein oder nicht rein. "Für Gott tauglich oder nicht tauglich" macht Jesus also am klaren Bekenntnis für Gott fest. Diese Frau hat sich zu Gott bekannt. Noch bevor Petrus als erster aller Jünger Jesus auf die Frage "Für wen hältst Du mich" mit dem Messias-Zeugnis antwortet, da hatte diese Frau Jesus schon erkannt und sich zu ihm bekannt. Man wird ihr nicht vorwerfen können, sie habe etwas Auswendiggelerntes aufgesagt, um Jesus zu beeindrucken. Ihr Bekenntnis ist echt. Damit ist sie rein, damit ist Ihre Zugehörigkeit zum "Volk für den Gebrauch Gottes" vollzogen. Römer 8,14:Alle, die sich vom Geist Gottes regieren lassen, sind Kinder Gottes. Jetzt ist es an der Zeit, uns auch das Problem der Frau genauer anzusehen. Es geht Ihr nicht um materielle Hilfe, nicht um Mildtätigkeit. Ihre Tochter ist von einem Dämon besessen. Das ist ein geistliches Problem. Es ist ein geistliches Gesetz, je nachdem, wer die Herrschaft in unserem Leben hat, so wird auch unser Leben bestimmt sein. Wenn es unsere eigenen Wünsche sind, so bleiben wir in diesen Wünschen gefangen. Wenn es aber Gottes Geist ist, den wir in unser Leben eingeladen haben und wenn wir Ihm einräumen, unser Leben zu beeinflussen, dann wird er es auch tun. Paulus schreibt in
Wir können das Gespräch zwischen Jesus
und der Frau also auch so schreiben:
Das ist das eine für uns heute. Jesus hatte den Auftrag, die Welt zu retten. Wo immer er auf dieser Welt in ein Leben eingeladen wird, da kommt er auch. Da gibt es keine Zweifel. Jesus ist in aller Klarheit der Frau in Liebe begegnet. Die Jünger dagegen haben reagiert, wie wir es heute immer wieder tun. Ich denke, es ist wertvoll, sich den Unterschied im Handeln zwischen den Jüngern und Jesus klar zu machen. Dann können wir von Jesus noch viel mehr lernen. Die Jünger handeln nach dem weltlichen EROS-Prinzip. Nur wenn ich jemanden gegenüber gute Gefühle habe, dann denke ich gut von ihm und dann handle ich auch gut an ihm. Da die Jünger aber einen Berg an Vorurteilen mitgebracht haben und da die Frau eine gewisse aufdringliche Art an den Tag gelegt hat, stellten sich bei den Jüngern keine angenehmen Gefühle ein. So reagiert die Welt. Die Frau hätte noch so sehr rufen und argumentieren können, bei den Jüngern wäre sie auf keinen grünen Zweig gekommen: GUTE GEFÜHLE -> GUTE GEDANKEN -> GUTE TATEN Aber Jesus hat anders reagiert. Er konnte nicht anders, als mit dem göttlichen AGAPE-Konzept der Frau begegnen. Er hat sich nicht von seinen Gefühlen gegen die Frau befremden lassen. Er hat nicht auf den Ärger der Jünger reagiert, er hat sich nicht auf das Lust-Prinzip eingelassen. Er hatte seine Gedanken vorgetragen und im Gespräch die Gedanken der Frau aufgenommen. Er hat sich auf Sie und Ihre Gedankenwelt eingelassen. Dadurch kam er zu der Überzeugung, dass Sie durch Ihren Glauben Anteil hat am Reich Gottes. GUTE GEDANKEN -> GUTE TATEN -> GUTE GEFÜHLE Nach dem Wunder haben sich bei allen Beteiligten auch gute Gefühle eingestellt. Normalerweise endet eine Wundergeschichte mit einem "und sie priesen Gott den Herrn" oder ähnlichem, in dem diese Gefühlsanwallung zum sprachlichen Ausdruck kommt. Alle Fragen oben lassen sich in den Griff bekommen, wenn wir uns angewöhnen, zuerst GUTE GEDANKEN für den anderen zu hegen, und dabei unsere Gefühle (zunächst) zu missachten. Wir müssen uns entscheiden zu lieben. Es ist ein Akt der bewußten Zuwendung. So, wie wir uns entscheiden müssen, Gott zu lieben. Ohne diese Entscheidung wird sich unser Leben nicht verändern. Wenn wir uns entscheiden, zunächst unseren Gefühlen zu misstrauen und gleich gute Gedanken für unsere Mitmenschen zu hegen, dann werden wir auch gute Taten folgen lassen. Es ist das Geheimnis der Liebe, dass sie durch
Liebe erwidert wird. Liebe weckt Gegenliebe.
Solange wir im EROS-Prinzip gefangen bleiben, werden wir niemals bis zur Feindesliebe hindurchdringen. Wie soll ein Feind einem durch ein gutes Gefühl den ersten Schritt ermöglichen? Ist nicht ein Feind gerade jemand, bei dem wir unweigerlich zuerst (zurecht) ein sehr negatives Gefühl haben werden? Feindesliebe wird sich nur lernen lassen, wenn wir Gottes Geist bitten, von unserem Feind Gutes zu denken. Sie sind sich nicht sicher, ob das funktioniert? Vielleicht machen Sie in der nächsten Woche den Versuch. Beginnen Sie bitte nicht bei Ihrem schlimmsten Feind. Beginnen Sie einfach bei jemandem, den sie nicht besonders mögen. Denken Sie Gutes von ihm. Vielleicht nehmen Sie jemand, den Sie nicht gerade gemieden haben, aber auf den Sie auch nie aktiv zugegangen sind, weil Sie insgeheim froh waren, nicht mit Ihm ins Gespräch zu kommen. Denken Sie einfach daran, wie es ihm wohl gehen wird und wünschen ihm innerlich einen guten Tag. Dann der zweite Schritt, nehmen Sie sich den Mut und tun Sie den zweiten Schritt ebenfalls! Denn dann werden Sie ein echtes Wunder erleben. Gehen Sie aktiv auf diesen Menschen zu, mit Ihren guten Gedanken, und begrüßen Sie ihn einfach. Oder rufen Ihn wegen einer ganzen Kleinigkeit an. Sie werden das Wunder erleben, das Sie nach der Begegnung feststellen werden, der andere ist gar nicht so schlimm, wie Sie immer befürchtet haben. Sie werden feststellen, dass es eigentlich ein kurzes nettes Gespräch war. Und Sie werden feststellen, dass sich automatisch gute Gefühle der Person gegenüber einstellen. Ich verspreche Ihnen nicht, dass diese Person nunmehr zu Ihrem besten Freund avancieren wird. Nein, darum geht es nicht. Jesus möchte nicht von uns, dass wir uns in den Beziehungen verzetteln. Aber wir werden feststellen, dass wir die unangenehmen Gefühle anderen gegenüber mehr und mehr loswerden. Wir selbst werden innerlich immer freier, je mehr wir uns auf Jesu Art zu lieben einlassen. GUTE GEDANKEN -> GUTE TATEN -> GUTE GEFÜHLE Jesus hat die Welt gerettet, das war sein Auftrag. Aber das alles nützt nichts, wenn wir nicht wie die Frau alles andere wegtun und alles von Jesus erwarten und lernen, die Welt auf seine Art zu sehen. Amen. Gordon
Detka
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