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Esther 9, 20-22 und 29-32 Königin Esther, die Tochter Abihajils, und der Jude Mordechei verfassten noch ein zweites Schreiben über das Purimfest. Es enthielt genaue Anweisungen für die Durchführung der Feier und wurde an alle Juden in den 127 Provinzen des persischen Reiches gesandt. Esther und Mordechai wünschten ihnen Frieden und erklärten, dass sie sich stets für sie einsetzen würden. Sie wiesen die Juden noch einmal darauf hin, dass sie und ihre Nachkommen das Fest so feiern sollten, wie es vorgeschrieben war. Der Feier musste eine Zeit des Fastens und Klagens vorangehen. Mit ihrem Erlass führte Esther das Purimfest und seine Vorschriften für alle Juden verbindlich ein; er wurde schriftlich festgehalten. Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Ahmadineschad reiht sich ein in die Zahl vieler, die das - nämlich Juden bzw. Israel zu vernichten - versucht haben. Leider haben auch wir Deutschen einen schrecklichen Anteil daran. Als das Perserreich - der heutige Iran ist daran gemessen ein kleiner Nachfolgestaat - in seiner Ausdehnung bis nach Europa, Afrika und Russland reichte, wollte ein einflussreicher Mann unter dem König Xerxes (ca. 480 vor Christus) die überall im Land lebenden Juden umbringen lassen. Die Vollmacht dazu hatte dieser Mann sich vom König erbeten. Er wollte dies an einem bestimmten Tag vollstrecken lassen. Und dieser Tag war durch ein Los ermittelt worden. Durch den Todesmut der Königin Esther, die selbst Jüdin war, konnte das vereitelt werden. Todesmut aus folgendem Grund: Wer sich ungerufen dem König näherte, war des Todes schuldig, es sei denn, der König streckte dieser Person sein goldenes Zepter entgegen. Zu diesem Tag nämlich, als alle Juden als vogelfrei galten und damit hätten umgebracht werden können, konnten sich die Juden aufgrund eines zweiten Erlasses gegen ihre Feinde wehren. Und diese Feinde waren wie gelähmt, vor allem infolge ihrer Angst vor dem jetzt einflussreichsten Mann nach dem König, Mordechai,. Auf diesen Tag geht das sog. Purimfest ("Pur" bedeutet Los) zurück, an dem die Juden feiern und sich gegenseitig beschenken sollten. Aber, Sie haben es vielleicht von der alttestamentlichen Lesung noch im Ohr: "der Feier musste eine Zeit des Fastens und Klagens vorausgehen." Der Grund: Bei ihrem todesmutigen Schritt wollte Esther alle Juden der Stadt Susa (der damaligen Hauptstadt des Perserreichs, südlich des heutigen Teheran) hinter sich wissen als Menschen, die an sie denken, sich an Gott wenden, sich von ihrer Schuld reinigen und dazu fasten und vor Gott klagen. Im Alten Testament wird sehr oft von dem Fasten einzelner oder des ganzen Volkes gesprochen. Ähnlich wie bei Esther bestand der Sinn vor allem darin, vor Gott zu treten, umzukehren, sich vor ihm zu beugen und natürlich um dabei nicht von anderen Dingen abgelenkt zu werden. Fasten heißt ja wörtlich "einschnüren", gemeint ist den Bauch. Deshalb hat man zum Teil oder völlig auf Essen verzichtet, manchmal auch eine kurze Zeit auf das Trinken. Die Juden haben dabei ihre innere Haltung äußerlich unterstrichen: Sie trugen Sackleinen, streuten sich Asche auf den Kopf und noch einiges mehr. Wie die Menschen so sind, wurde irgendwann nur noch das Äußere zur Schau getragen. Man musste ja mitmachen, die innere Umkehr blieb zusehends auf der Strecke. Nachdem in der Römischen Kirche im Mittelalter die Vorstellung verbreitet wurde, sich mit dem Fasten einen guten Platz im Himmel zu verdienen, und das Fasten auch noch zum Gesetz erhoben wurde, war klar, dass nach Luther das Fasten im evangelischen Raum in Vergessenheit geriet. Jesus wird von den Pharisäern einmal gefragt, warum die Jünger des Täufers und auch sie fasten, Jesu Jünger aber nicht. Jesus antwortet gleich mit drei Bildern darauf, dem einer Hochzeit, dem des Flickens eines alten Stoffes und der Reparatur eines alten Weinschlauchs. Markus 2, 18-22 Nur auf das Letztere möchte ich eingehen. Während des komplizierten chemischen Prozesses des Gärens entweicht hauptsächlich Kohlendioxyd. Auch wenn der Wein schon trinkbar ist, hat er noch lange nicht sein Gären eingestellt. Deshalb braucht er Gefäße, die Gase abgeben können, ohne gleich zu platzen. Weinfässer Die von der Übersetzung der "Hoffnung für alle"-Bibel genannte Wendung: "So verlangt das neue Leben nach neuen Ordnungen" gefällt mir überhaupt nicht. Den Juden kündigt Gott schon im Alten Testament etwas ganz Neues an. Im Hesekielbuch (36, 26f.) spricht er durch seinen Propheten: "Ich will euch ein anderes Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz. Mit meinem Geist erfülle ich euch …" - und er fährt fort: "damit ihr nach meinen Weisungen lebt, meine Gebote achtet und sie befolgt." Man kann den letzten Satz auch anders formulieren: Wenn ihr euch von meinem Geist erfüllen lasst, dann werdet ihr nach meinen Weisungen leben und meine Gebote achten und sie befolgen. "Alter Wein" ist Leben nach dem Grundsatz "richtig und falsch", man hat Gebote und muss sich daran halten, sonst ist der Himmel verschlossen. "Neuer Wein" ist "Leben aus dem Geist Gottes heraus". Und weil man nicht genau weiß, was der Geist Gottes ist, lebt man weiter nach dem Grundsatz "richtig und falsch". Oder: So steht das in der Bibel, das ist richtig, daran musst du dich halten. Der Geist Gottes ist unbändige Energie. Er will sich entfalten, er will gelebt werden, er will gesucht und geliebt werden. Wir können ihn erbitten: Heiliger Geist, ich bitte dich: erfülle mein Herz, verändere du mich. Ich bin bereit, mich auf dich einzulassen. Oder, Herr, Jesus, erkläre du mir dieses Wort der Bibel. Schenk mir deinen Heiligen Geist. Meine Frau und ich, wir haben es gelernt, ganz nüchtern mit der Bibel umzugehen. Täglich einen Abschnitt zu lesen, keine Auslegung dazu, nur die Bibel direkt. Und dazu fragen wir, was uns der Text sagt über Gott, über Jesus, über die Menschen allgemein, über mich persönlich. Was ein anderer davon hat, dass ich das weiß. Und dazu bitten wir Jesus, dass er uns das zeigt. Das tut er durch seinen Heiligen Geist. Da redet er. Da redet er wirklich in der Stille. Wir sprechen aber auch über unsere Gedanken und lassen den anderen dadurch teilhaben und zugleich prüfen, ob sich da nicht allzu menschliche Gedanken breit gemacht haben. Der Heilige Geist zeigt uns Zusammenhänge in der Bibel auf, er stellt uns in Frage, er rüttelt uns wach. Und er entfaltet Lob und Anbetung in unseren Herzen, lässt uns singen und froh werden. Sie werden natürlich fragen: Woran merken wir denn, dass der Heilige Geist am Werk war? Nun, ein deutliches Zeichen ist, wenn mir beim Lesen in der Bibel etwas einfällt, wo ich etwas zerstört habe, wo mein Umkehren, meine Bitte um Vergebung gefragt sind, wo ich mich genötigt sehe, mich aufzumachen zu einem anderen hin, um etwas in Ordnung zu bringen. Ich habe früher regelmäßig einen Seelsorger gehabt, in dessen Gegenwart ich Jesus für dies oder das um Vergebung gebeten habe. Und wenn mich auch heute eine Schuld nicht in Ruhe lässt, dann finde ich auch heute eine Person. Die Zusage der Vergebung auf den Kopf zu ist ein Erleben, ein Werk des Heiligen Geistes, welches tiefer nicht greifen und verändern kann. Ja, der Heilige Geist hat mich verändert. Er hat mich näher zu Jesus gebracht. Er lässt mich den Allmächtigen anbeten in einer Form, wie es David in einem Psalm beschreibt, mit "singen und spielen im Herzen". Wer eine noch größere Gewissheit über den Heiligen Geist haben möchte nur für sich persönlich, das betone ich, der bitte um die Gabe, in der zweiten Sprache zur reden. Einer Sprache, die ich selbst nicht verstehe, vielleicht eine andere Person, die die Gabe der Auslegung hat. Jesu Jünger hatten diese Gabe Pfingsten bekommen. Diese Sprache, die Bibel nennt sie Zungenrede, ist besonders für Menschen, die immer wieder in große Not und Zweifel geraten. Ich versichere Ihnen: Sie werden getröstet und sie werden Gewissheit erlangen! Neuer Wein, der Geist Gottes, gehört in neue Schläuche. Das sind Menschen, die Jesus suchen, sich von ihm trösten, leiten und senden lassen. Amen. Georg
Hoffmann
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