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Aufräumaktion
Markus 10,17-27 1. Szene: Der reiche junge
Mann
2. Szene: Alles festhalten
wollen
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Dass dieses Buch so erfolgreich ist, bedeutet ja: Es trifft einen Lebensnerv, eine Sehnsucht vieler Menschen. Es verspricht eine Antwort auf das Gefühl: Das Leben ist so unübersichtlich und kompliziert geworden, dass ich mich nicht mehr zurechtfinde. Es gibt so viel, was ich angesammelt habe, was ich alles irgendwie brauche, obwohl es nur rumsteht, worum ich mich kümmern muss oder will. Manchmal sieht's in meinem Leben äußerlich oder innerlich so aus, wie es am Anfang hier in der Kirche aussah: Es ist so zugemüllt, dass ich mich nicht mehr wohl fühle. Simplify your life! Das Buch enthält viele hilfreiche Tipps. Aber reicht es wirklich, sich eine sinnvollere Schreibtischordnung oder ein besseres Zeitmanagement zuzulegen? Ich habe noch ein anderes, ganz altes Simplify-Buch mitgebracht: Die Bibel. Sie ist für mich das Buch, das wirkliche Antworten auf meine Lebensfragen gibt und mir hilft, mein Leben zu ordnen. Die Bibel öffnet mir den Blick auf das Wesentliche, auf das, was ich zum Leben wirklich brauche, und sie gibt mir Orientierung, wie ich mit mir selbst und mit meinen Mitmenschen in guter Weise umgehen kann. "Simplify your life, räum auf, konzentrier dich auf das Wesentliche." Genau diesen Ratschlag hat auch der junge reiche Mann in der biblischen Geschichte bekommen, die wir vorher gesehen haben. Er hatte alles, wovon viele Menschen nur träumen können: Einen Arbeitsplatz, sogar ein eigenes, sehr einträgliches Geschäft. Er war erfolgreich und beliebt, hatte Freunde, vielleicht sogar eine Familie, führte ein anständiges Leben. Und trotzdem schien er manchmal eine innere Unruhe und Sehnsucht zu spüren, blieb da eine gewisse Unsicherheit und Leere in seinem Leben. Als er sich damit an Jesus wandte, bekam er die schockierende Aufforderung zu hören: Verkauf alles was du hast ... Dahinter steckt die Frage: Geben dir dein Geschäft, dein Ansehen, dein Konto, deine Arbeit wirklich Halt und Zufriedenheit im Leben? Decken sie in Wirklichkeit deine innere Sehnsucht nicht nur zu? Wiegen sie dich nicht in einer falschen Sicherheit, die von heute auf morgen brüchig werden kann? Was wäre, wenn dein Geschäft aufgekauft wird oder pleite geht, wenn du krank wirst, wenn sich deine Familie von dir abwendet weil du nur noch Arbeit und Karriere im Kopf hast? Und Jesus lädt diesen jungen Mann ein: Lass los, halt nicht fest, was dir nur vermeintlich Halt und Sicherheit gibt. Lass los, schaff Platz, folge mir nach. Und ich verspreche dir: Bei mir wirst du das finden, was dich wirklich hält und trägt in deinem Leben und sogar darüber hinaus. Nicht nur der junge Mann, auch Jesu Freunde fanden diese Aufforderung ungeheuerlich, so lesen wir bei Markus. Jesus war immer ein Freund der klaren Worte und hat damit manche Menschen vor den Kopf gestoßen. So ist es gut, wenn auch wir uns von der Geschichte des reichen Jünglings in Frage stellen lassen. Trotzdem glaube ich, dass Jesu Ziel nicht die absolute Besitzlosigkeit all derer ist, die ihm nachfolgen. Aber er weist mit seinen Worten auf den wunden Punkt auch bei mir und ich muss mich fragen:
Die Passionszeit, in der wir jetzt leben - sieben Wochen vor Ostern, in denen wir uns an den Leidensweg Jesu erinnern - ist traditionell eine Fastenzeit. Im evangelischen Bereich war diese Tradition fast verloren gegangen. Doch in den letzten Jahren ist ein neues Bewusstsein dafür gewachsen, wie wohltuend und sinnvoll es sein kann, zeitweise auf etwas zu verzichten, zu fasten, ein einfacheres Leben zu führen. So gibt es Menschen, die in der Passionszeit auf den Fernseher verzichten oder aufs Auto, auf Alkohol oder auf Kaffee, auf Fleisch oder auf Süßigkeiten. Das mag sich bescheiden anhören, aber es ist ein erster Schritt dazu, unabhängiger zu werden von Dingen, die mir sonst unverzichtbar erscheinen im Leben. Die Zeit oder das Geld, die ich dadurch einspare, kann ich Gott zur Verfügung stellen. Die Passionszeit ist also sozusagen eine "Simplify"-, eine Aufräumzeit. Wir möchten Sie mit diesem Gottesdienst anregen, das auch in Ihrem Leben zu tun. Nicht nur in unseren Wohnungen sammelt sich viel an, das hin und wieder mal aufgeräumt oder sogar weggeschmissen werden muss. Auch in unserem inneren Leben ist es ähnlich. Da gibt es eine Fülle von Verpflichtungen, Hobbies, Kontakten, Interessen, in denen wir uns manchmal verzetteln und nicht mehr wissen, was wirklich wichtig ist. Da gibt es alten Ballast - Verletzungen, Konflikte, Erinnerungen -, die dringend mal auf- und ausgeräumt werden müssten. Da gibt es die Beziehung zu Gott, die mehr oder weniger Staub angesetzt hat oder eingerostet ist und einer Erneuerung bedarf.
Irene
Kraft
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