Let´s Make a Deal
Gottesdienst, gestaltet von Jugendlichen, am 03.11.2002

Anspiel 1

Ein Ehepaar sitzt zusammen. Sie hält einen Block in der Hand.
Ehepaar
Sie: Lars und Evi - Blumenvase, etwa 10 €, Michael und Susi - Geschirrhandtücher, bessere Qualität, etwa 12€, Mara - Duftlampe, etwa 10€. Ach, sag mir, was wir denen jetzt schenken sollen. Es sollte schon etwas mehr hermachen als die Geschenke im letzten Jahr. Schließlich will man sich ja nicht lumpen lassen...
Er: Was hälst du davon, die Geschenke von letztem Jahr auf kleine Zettel zu schreiben, sie zu mischen und dann den Zufall entscheiden zu lassen, wem wir dieses Jahr eine Blumenvase, Geschirrhandtücher oder Duftlampen schenken?
Sie: Und was, wenn die untereinander über ihre Geschenke von uns reden? Stell dir die Peinlichkeit vor!
Er: Und wenn wir dieses Jahr überhaupt nichts schenken? Wäre das so schlimm? Wir könnten ihnen das ja schon vorher ankündigen, dann bräuchten sie auch nichts für uns zu kaufen.
Sie: Ja, das wäre wie eine Befreiung. Aber was würden die dann von uns denken? Nein, mein Lieber, das Leben ist ein einziger Handel, da können wir nicht aussteigen.

Anspiel 2

"Lieber Gott, du gibst mir, ich gebe dir... wenn du mich von dieser Krankheit befreist, dann werde ich Nonne!" ...
Totkrank
Aber ein anderer sagt: "Gott, die nächste Frau mit blauen Augen ist die Frau, die du für mich bestimmt hast." Die werdende Nonne trifft auf den Mann und beide klagen Gott an, weil er sich nicht an den Deal hält.
Die Frau mit den blauen Augen

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
"Gibst du mir - geb ich dir", so lautet das Gesetz des Lebens. Angefangen hat es mit unseren ersten Atemzügen. Wir haben unser Leben geschenkt bekommen und nicht selbst erschaffen. Wir haben bekommen und können weitergeben. Wer etwas Gutes empfängt, kann anderen Gutes tun. Wer viel verdient, kann andere, die weniger haben, mit seinem Geld unterstützen. Laufen unsere Beziehungen nach diesem Muster, geht es gerecht zu.

Doch mancher Handel, den wir abschließen, hat nichts mit ausgleichender Gerechtigkeit zu tun. Statt Empfangenes weiterzugeben, entsteht ein Zwang, Leistung durch Gegenleistung zu sichern. Man setzt mit Geschenken andere unter Druck, dass sie sich in der gewünschten Form verhalten. Man besticht, um den anderen gefügig zu machen. Man fragt hinter allem, was man für andere investiert: Was springt für mich dabei heraus?

Ich habe versucht, dieses Handeln in einem Schaubild zu verdeutlichen:

Kein sicherer Grund
Das "Ich" - nennen wir es Mark - hat keinen sicheren Grund unter den Füßen, keine Gewissheit, dass er einen Wert hat, dass er geliebt und wichtig ist. Er versucht, den Wert durch andere bestimmen zu lassen. Er macht Geschenke. Je nach dem, wie die anderen auf die Geschenke reagieren, liest er seinen Wert daran ab. Er bietet seine Hilfe an. Jemand freut sich über die Hilfe und liebt dafür Mark ein bisschen mehr, Mark geht es besser. Er unterstützt ein Patenkind in Afrika. Wenn er die jährliche Spendenbescheinigung bekommt, hat er ein warmes Gefühl. Er wird gebraucht. Ein Kind ist auf ihn angewiesen, sein Leben ist nicht umsonst. Aber ist er glücklich? Er kennt Momente, da kommt er sich völlig überflüssig vor. Da braucht ihn keiner und er verliert wieder völlig den Halt. Da möchte er sein Leben am liebsten wegwerfen oder sich mit irgendeiner Droge betäuben.

Beide Theaterstücke, die wir eben gesehen haben, gehen in diese Richtung. Bei den beiden, die die Geschenkeliste für Weihnachten durchgehen, spüren wir, wie das Freuen zur Last wird. Sie sind gefangen in einem Netz von Handelsbeziehungen. Bei den beiden Betern wird Gott zum Handelspartner degradiert. Er ist nicht länger lebendiges Gegenüber, sondern erpressbar. Und reagiert er nicht in gewünschter Weise, wird er abserviert.

Wie lässt sich dieser Teufelskreis von Handelsbeziehungen durchbrechen? Zu Jesus kamen eines Tages Leute, die meinten, dass sie genauso lebten, wie Gott das gut fand. Sie erwarteten dadurch bestimmte Privilegien und kamen sich anderen gegenüber haushoch überlegen vor. Jesus erzählte ihnen eine Geschichte. Er erzählte sie so, dass sich seine Zuhörer darin wiederfinden sollten. Damit das uns jetzt leichter fällt, erzähle ich die biblische Geschichte, als wäre sie heute passiert:

Nach Lukas 18,9-14

Zwei Männer gingen in die Kirche um zu beten. Der eine war schon sehr lange Christ. Er las jeden Tag in der Bibel und bemühte sich, viele gute Sachen zu tun. Er hatte Projekte in der 3. Welt, die er unterstützte. Er war seiner Frau treu und vermied Situationen, in denen er leicht einen Streit angezettelt hätte. Der andere Mann, der zur Kirche ging, passte voll in unsere Zeit. Er schaute darauf, möglichst viel mit möglichst wenig Einsatz zu erreichen. Seine Mitmenschen waren ihm dabei ziemlich egal. Er frisierte die Steuererklärung und fand das nur richtig, schließlich sollte man dem Staat nichts schenken. Er hatte eine Freundin, aber die hielt er sich nur am Wochenende. Mit ihren Alltagsproblemen wollte er nichts zu tun haben. - Ja, diese beiden Männer betraten die gleiche Kirche. Der erste stellte sich vorne hin und betete leise: "Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, die Steuern hinterziehen, geil sind auf Karriere, Frauen ausnutzen und ich danke dir, dass ich nicht so bin wie der Mann, mit dem ich gerade hereinkam. Ich halte mich an deine Gebote, esse freitags Fisch, spende den 10. von meinem Gehalt." - Der andere Mann aber blieb ganz hinten stehen. Er getraute sich nicht einmal, das Kreuz anzuschauen. Er schlug sich an die Brust, vielleicht, weil er erschrocken war über sich selbst, und sagte: "Gott, hab Erbarmen mit mir, ich habe mich von dir getrennt. Mein Leben geht in die falsche Richtung."

Der Fromme und der Weltmensch, beide haben sie einen Deal abgeschlossen. Beide wollten sie mit ihrer Leistung ihren Wert bestimmen. Der Weltmensch machte seine Mitmenschen zu Sprossen seiner Karriereleiter. Je höher er kam, desto mehr Sicherheit gewann er, dass er etwas wert war. Der Fromme sprach mit Gott, um sich abzusichern. Er brachte genug ein, um einen sicheren Platz auf der Sonnenseite des Lebens und im Himmel zu beanspruchen.

Beide suchten nach Bestätigung, dass sie nicht sinnlos auf dieser Welt lebten. Doch die Kehrseite lässt sich auch erkennen. Der Weltmensch suchte die Kirche auf. Offenbar war er nicht glücklich. Er fühlte die Zwänge dieses ewigen Dealens. Er merkte vielleicht auch, wie er andere ins Unglück stürzte und selbst dabei vor die Hunde ging. Der Fromme sah nur sich, was er gemacht hatte, was er investiert hatte in das Projekt "Gott". Er wollte gar nicht hören, was Gott von ihm wollte. Er wollte nur bestätigt werden, dass sich sein Einsatz gelohnt hatte und er damit auf der Erfolgsleiter ganz oben angekommen war.

Und wir? Wer sind wir? Wer bin ich? Wo schließe ich Deals ab, die meiner Selbstbestätigung dienen? Wo leide ich unter diesem Handeln und fühle mich wie in einer Zwangsjacke, aus der ich allein nicht herauskomme?

Jesus erzählte diese Geschichte, damit wir uns darin wiederfinden. Er erzählte sie aber auch, weil er uns einen Ausweg zeigen will. Jesus möchte uns aus unseren Deals befreien. Unsere Unsicherheit über unseren Wert beendet er, denn er gibt uns einen sicheren Boden. Seine Liebe zu uns macht uns so stark, dass wir nicht schwerelos von einer Bestätigung zur nächsten fliegen, sondern, dass wir in Jesus das finden, was unser Leben lebenswert macht. An seinem Ja zu uns ist nicht zu rütteln, das bleibt bestehen.

Sicherer Grund
Jesus will nicht mit uns handeln. Er will nicht unsere Leistungen, unsere Geschenke. Er will uns, unser Vertrauen, unsere Offenheit. Wer Jesus als sicheren Grund hat, der kann sich seinen Mitmenschen gegenüber öffnen, der braucht nicht immer im Hinterkopf zu rechnen, was der andere ihm schuldet, oder was der andere noch zu bekommen hat. Der kann getrost seine Weihnachtslisten wegschmeißen und aus dem Herzen schenken. Vielleicht sind dann ganz andere Leute als Lars und Evi wichtig. Leute, die als Handelspartner keinen Wert gehabt hätten. Doch auch das andere gehört dazu, sich beschenken zu lassen ohne schlechtes Gewissen. Anzunehmen und sich darüber zu freuen, wenn jemand einem etwas Gutes tun will. Wie schwer fällt das, die Liste dann nicht zur Hand zu nehmen, um sich zu notieren, dass da aber auch ein Gegengeschenk nötig wäre. 

Wie könnte die Geschichte der beiden Männer in der Kirche weitergehen? Der Weltmensch vertraut Jesus und beginnt ein neues Leben. Er sieht seine Mitmenschen auf einmal mit neuen Augen. Er hört ihnen zu, er interessiert sich für sie, er macht die Erfahrung, dass Helfen Spaß macht und Schenken große Freude bereitet. Er findet Zugang zur Kirchengemeinde und lernt Leute kennen, die ihm vorbehaltlos gegenüber treten, ihn schätzen und ihn mögen, obwohl er erst mal nichts für sie tun kann.

Und der Fromme begegnet dem Weltmensch in der Kirche, wundert sich über dessen neues Leben. Er überprüft sich und stellt fest, dass er auch Jesus als lebendiges Gegenüber braucht. Er lernt, auf Jesus zu hören und tut dadurch ganz andere Sachen als früher. Er sitzt neben dem ehemaligen Weltmenschen auf der Kirchenbank und beide danken dem Herrn für den Neuanfang, den Jesus ihnen geschenkt hat. Sie brauchen nicht mehr zu dealen. Der ganz große Deal ist längst abgeschlossen. Jesus ist für sie da und mit ihm haben sie festen Boden unter den Füßen.

Cornelia Trick


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