Lauf des Lebens (Philipper 3,12-14)
Gottesdienst am 23.7.2017 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
stellen Sie sich vor, wir würden ein kleines Autorennen rund um die Kirche veranstalten. Eine Mannschaft hätte ein schnelles Auto zur Verfügung, die andere Mannschaft wäre mit dem Bobby-Car unterwegs. Wer würde wohl gewinnen? Der Ausgang des Rennens ist gut vorhersehbar. 

Der Bobby-Car muss mit Körperkraft angetrieben werden, das Auto hat einen starken Motor, da ist kein Strampeln und Treten nötig. Vielleicht haben beide Fahrer den unbedingten Willen zu gewinnen, sind sehr geschickt, die Kurven zu nehmen, aber der Motor macht den Unterschied.

Paulus schrieb einen Brief an die Gemeinde in Philippi. Er beschrieb darin sein Leben in der Nachfolge Jesu:

Philipper 3,12-14

Ich meine nicht, dass ich schon vollkommen bin und das Ziel erreicht habe. Ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen, nachdem Jesus Christus von mir Besitz ergriffen hat. Ich bilde mir nicht ein, Brüder und Schwestern, dass ich es schon geschafft habe. Aber die Entscheidung ist gefallen! Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.

Leben ohne Christus, so ist es Paulus Überzeugung, ähnelt einem Autorennen im Bobby-Car. Man ist beim Lauf des Lebens nur auf seine eigene Kraft angewiesen, die ist begrenzt und lässt einen irgendwann erschöpft am Weg liegen. Leben mit Jesus Christus dagegen bedeutet, mit dem starken Motor Gottes verbunden zu sein, die Energie von ihm zu bekommen. 

Aber, so bringt es Paulus zum Ausdruck, der Motor ist nicht alles. Auch die Fahrweise ist wichtig. Das ist der Anteil, den Paulus für sich sieht. 

Heute feiern wir eine Taufe und gleichzeitig ist es der Sonntag im Kirchenjahr, an dem wir an unsere Taufe erinnert werden, die vielleicht schon viele Jahre zurückliegt. Wir sollen uns neu bewusst machen, dass wir nicht mit einem Bobby-Car unterwegs sind, nicht nur mit unserer eigenen Kraft die Kurven und Umwege des Lebens bewältigen müssen.

Wir brauchen eine Erinnerung daran, weil wir eine ganz eigentümliche Tendenz haben, aus unserem von Gott vollgetankten Auto auszusteigen und ganz gerne wieder auf dem Bobby-Car Platz zu nehmen. Vielleicht haben wir Angst vor dem fremden Motor. Vielleicht haben wir Angst vor einem Leben mit Gott. Vielleicht denken wir, wir können ja immer noch und jederzeit in Gottes Auto umsteigen, aber erst mal ist die eigene Kraft die, auf die wir uns gerne verlassen wollen.

Doch das Auto Gottes steht bereit, heute für unser Tauf-Kind, schon längst für alle unter uns, die getauft sind. 
An den fünf Buchstaben der Taufe werde ich entfalten, was diese Taufe für uns bedeutet hat und weiter bedeutet.

T steht für Tatoo

Mit der Taufe signiert Gott unseren Namen in seine Hand. Der Prophet Jesaja drückt es so aus: Gott hat unseren Namen in seine Hand geschrieben (Jesaja 49,16). Das Tatoo bleibt, es ist nicht abwaschbar. Welche große Ehre, dass Gott sich auf Dauer mit uns verbindet. Wir werden von Gott nicht vergessen, er geht uns nach, seine Hand sucht uns mit Namen.

A steht für Angenommensein

Im Eingangsbereich der Kirche hatten wir etwas umgebaut, ein Spiegel gegenüber der Garderobe musste weichen. Wir dachten, kein Problem, wer braucht hier schon einen Spiegel. Doch der Protest kam umgehend. Man wollte doch noch einen Blick auf die Frisur, das Jackett, überhaupt die ganze Erscheinung werfen, bevor man sich so der Gemeinde zeigte.


Sogar in der Kirche sind Spiegel wohl wichtig. Sie zeigen uns, wie die anderen uns sehen, geben direkte Rückmeldung, ob wir ok sind. Wir wollen lieber vorher wissen, wenn andere an uns etwas wahrnehmen könnten, was nicht stimmt. Wie uns die anderen sehen, ist uns wichtig, wir ziehen daraus Schlüsse, wer wir sind.

Gott hält uns mit der Taufe einen Spiegel hin. Wir sehen im Spiegelbild aber nicht nur uns selbst, sondern Jesus neben uns, der uns die Hand auf die Schulter legt. Wir stehen nicht mehr nackt und bloß vor anderen, mit all unseren Fehlern, Defiziten und schlecht sitzenden Frisuren, sondern Jesus steht da und sagt: So habe ich dich gewollt, so bist du richtig, verlasse dich auf mich.

U steht für Urkunde

Bei der Taufe überreicht uns Gott sozusagen die Geburtsurkunde als Christen. Wir bekommen sie, damit wir zeitlebens wissen, dass wir zu ihm gehören, in seiner Familie aufgenommen sind und einen Pass für den Himmel haben.

Sicher kann Gott uns das auch ohne Taufe zusagen. Taufe ist kein magischer Ritus, der aus einem Bobby-Car-Fahrer mit ein paar Tropfen Wasser einen Ferrari-Fahrer macht. Aber wir brauchen sichtbare, fühlbare Zeichen, dass Gott uns meint, die weiter gehen, als ein Gedanke im Kopf. Wasser wird gespürt, Wasser ist Symbol für Reinigung und Lebenselexier. Das Wasser der Taufe macht uns rein und gibt uns Leben, das nur Gott so unbeschränkt schenken kann. 

Tauferinnerung meint, dass wir uns wieder neu den Anfang mit Gott bewusst machen. Er will uns immer wieder einladen, auf seine Kraft zu vertrauen.

F steht für Festhalten

Das Kind, das heute getauft wird, lernt gerade laufen. Es braucht eine Hand, die ihm vertrauensvoll entgegengestreckt wird, die es ermutigt, erste Schritte zu gehen. Bald wird das Kind die Hand loslassen und probieren, allein ein paar Schritte zu gehen. Doch wird es die Hand, die verlässlich ausgestreckt bleibt, nicht aus den Augen lassen. Hilfe ist nahe.

So werden immer wieder Situationen kommen, wo wir uns nicht selbst halten können, sondern eine Hand brauchen, die wir packen können. Die Taufe ist Zusage, dass wir nie ins Bodenlose fallen können. Auch wenn wir die Hand loslassen, wird Gott seine Rettungsleine um uns binden, dass wir auch im Sturz aufgefangen werden. Das kann weh tun, wie jeder Bergsteiger, der mal ins Seil gefallen ist, bestätigen kann, aber letztlich hält das Seil und rettet.

E steht für Erster Schritt

Die Taufe ist ein erster Schritt, ein Anfang mit Jesus. Das Taufkind braucht Eltern, Paten, eine Gemeinde, auch Religionslehrer und -lehrerinnen, die ihm Vertrauen zu Gott nahe bringen und ihm erzählen, wer Jesus ist und was er für uns bedeutet. Ohne den ersten Schritt gibt es keinen zweiten, aber ohne den zweiten Schritt bleibt der erste wertlos. Ist das Kind zum ersten Schritt von den Eltern gebracht worden, wird es langsam selbst für seine Schritte verantwortlich werden.

Wir, die wir als Gemeinde heute an unsere Taufen erinnert werden, sind längst selbst verantwortlich. Was haben wir aus dem ersten Schritt gemacht? Wo stehen wir jetzt? Gab es Rückschritte, Neustarts, Stolperschritte in unwegsamem Gelände? Brauchen wir wieder eine Neuausrichtung unserer Schritte? 
Der erste Schritt ist notwendig, aber Dranbleiben bleibt Lebensaufgabe.

Zurück zum Wettkampf, den Paulus beschrieb. Jesus hat uns ins Auto gesetzt und das Auto vollgetankt. Das Auto wird am Ziel ankommen, ein Navi ist eingebaut, man müsste schon das Navi abschalten, wenn man das Ziel verfehlen wollte. Ziel ist die Ewigkeit bei Gott, aber es gibt Teilziele. Kleine Ziele auf dem Weg zum großen sind zum Beispiel:

  • Ich fühle mich im Einklang mit Gottes Willen, er hat mich an einen Ort gestellt, da kann ich meine Gaben und Fähigkeiten leben, bin genau richtig.
  • Ich bin aufgebrochen, weil ich Gottes Ruf gehört habe. Es war anstrengend, aber jetzt weiß ich, hier soll ich jetzt sein.
  • Mir sind Menschen begegnet, die mich in ihrer Lebenslage gebraucht haben. Gott hat sie meine Wege kreuzen lassen.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir lenken, Gas geben, bremsen, Kurven optimal nehmen, auf andere Rücksicht nehmen. Es sind dies unsere Lebensaufgaben. Sie fordern unseren ganzen Einsatz, aber wir haben die Kraft von oben, um sie zu bewältigen.

Paulus war es wichtig zu betonen, dass man für den Lauf seinen Ballast abwerfen sollte. Gerade das ist für unsere Erinnerung an die Taufe wichtig. Gott bietet uns an, unterwegs für leichtes Gepäck zu sorgen. Wir können vergeben und vergeben lassen, die Fehler wirklich vergessen und sie nicht nachtragen. Mit Gottes Hilfe Neuanfänge machen und anderen die Hand zur Versöhnung reichen, eine Hand, die ihnen helfen kann, Gottes Liebe zu trauen.

Wir fahren nicht Bobby-Car, sind angeschlossen an Gottes Kraft. Unsere Namen sind in seine Hand geschrieben, er wird uns begleiten – ein ganzes Leben und auch über den Tod hinaus, das bedeutet Taufe. 

Cornelia Trick


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