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Gottesdienst am 26.08.2007

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
beim Lesen der kürzeren Briefe des Paulus an Gemeinden und Personen ist mir aufgefallen, wie selbstverständlich Paulus davon ausging, dass die Gemeinden und die einzelnen angesprochenen Personen seine Hinweise, Erklärungen und Richtlinien ernst nahmen und sich danach richteten. Denn die Briefe sind weitergegeben worden, ihr Wirkungskreis war enorm groß, was ihre Bedeutung unterstreicht. Die Gemeinden ließen sich von Paulus etwas sagen und durch den Geist Gottes in diese Richtung verändern. 

Wer sagt uns als Gemeinde, wo der Weg hingeht? Wer hat Autorität, in unsere persönliche Situation hinein zu sprechen? Und ich frage mich auch selbst, wer mir im Sinne Paulus etwas sagen könnte, das ich auch dann beherzige, wenn es mich korrigiert und kritisiert. Wem nehme ich es ab, dass er über mein Leben so Bescheid weiß, dass er oder sie mir ohne eigennützige Gedanken Wegweiser sein kann? Mir fallen nicht viele Personen ein, und oft habe ich den Rat der wenigen erst hinterher als richtig erkannt, nachdem ich schon in eine selbst gewählte falsche Richtung weitergelaufen bin.

Die Konsequenzen sind schnell aufgezeigt. Gemeinde gestaltet ihren Weg nach eigenem Gutdünken, sie betet, trifft sich vielleicht sogar in Gebetsgruppen, aber Gottes Stimme hört sie nicht. Die müsste schon als Schrift an der Wand erscheinen, um wirklich zum Umdenken zu bewegen.

Umso wichtiger ist für uns die Bibel, das Wort Gottes, das von Gott her die Autorität hat, in unser Leben zu sprechen. Die Versuchung liegt nahe, einfach das heraus zu picken, das uns am besten gefällt und uns am wenigsten in Frage stellt. Aber genau dann entgehen uns die Punkte, die Gott vielleicht mit uns besprechen möchte, uns weitergeben will. So möchte ich Ihnen heute den 1. Thessalonicherbrief nahe bringen, der vielleicht auf den ersten Blick nicht alltagsrelevant erscheint und doch ganz viel mit uns zu tun hat. Mag sein, es werden genau die Themen darin angesprochen, die für uns jetzt wichtig sind.

I Dank für Thessalonich

Drei von fünf Kapiteln des Briefes widmete Paulus dem Dank. Er dankte dafür, dass
  • die Thessalonicher Jesus Christus als ihren Herrn und Retter angenommen hatten.
  • dass sie sich von anderen Göttern abgekehrt hatten und bereit waren, ihr soziales Umfeld aufzugeben.
  • dass sie eine lebensfähige Gemeinde wurden, nachdem Paulus überstürzt abreisen musste.
  • dass sie es als Aufgabe Jesu annahmen, für ihn zu leiden.
  • dass sie Jesus in ihrer Mitte erlebten und Vergebung, Versöhnung und Liebe zueinander möglich wurden.
  • dass sie Zeugnis für andere Gemeinden und ihre Mitmenschen werden konnten.
Die Thessalonicher werden ein Vorbild für uns. Könnte Paulus solche Sätze auch über Neuenhain schreiben?

In den Dank können wir einstimmen, wir haben Jesus Christus angenommen und erfahren seinen Heiligen Geist in der Gemeinde vielfältig.

Haben wir uns von den Göttern unserer Zeit abgewendet? Was sind überhaupt Götter unserer Zeit? Vor Jahren war dies in einem Hauskreis, den ich mit jungen Leuten regelmäßig besuchte, das wöchentliche Thema. Welche Götter bestimmen unser Leben? Sinnbild für Götter?Damals wurden das Geld, die Karriere, Luxusgüter an den Pranger gestellt. Doch diese Götter ließen uns eigentlich schon damals ziemlich kalt. So geldgierig, machtgeil oder karrieresüchtig waren wir alle nicht. Sind die Götter unserer Zeit nicht viel unscheinbarer? Ein Götze tarnt sich mit dem sehr positiven Begriff der Selbstbestimmung. Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ist erstrebenswert und bestimmt nicht negativ zu werten. Doch wer bestimmt wirklich den Kurs der Selbstbestimmung? Ist es im Falle eines Christen Jesus, der die Linien vorgibt, der im Herz wohnt und dort die Stimmenmehrheit hat? Oder verbirgt sich hinter der Selbstbestimmung ein dominantes Ich, das nach der eigenen Befriedigung sucht? Das zuerst und zuletzt nach dem eigenen Wohl fragt, jeden abweist, der bittet: Ich brauche dich hier und da? Das Ich, das nicht zulässt, korrigiert oder in Frage gestellt zu werden? Das sich Kritik entzieht oder ihr mit Hybris begegnet? Wenn es um diese Art Götter geht, dann haben wir alle vielleicht doch noch einiges zu lernen von den Thessalonichern, die für Jesus da sein wollten.

Das Leiden für Jesus ist für uns kein existenzielles Thema. Unsere Mitmenschen und Familienangehörigen reagieren selten aggressiv und feindselig auf unseren Glauben. Aber dieser wunderbare Friede verleitet dazu, Ignoranz gegenüber dem Glauben an Christus einfach hinzunehmen und sich einzureden, dass man sowieso nichts dran ändern kann. Jesus weinte über die Städte, die ihn ablehnten. Er weinte nicht über sich und seine Demütigung durch die Zurückweisung, sondern er weinte um die Menschen, die nicht zu ihrem himmlischen Vater kommen wollten. Er weinte über verlorene Söhne und Töchter, die es sich im Schweinestall gemütlich gemacht hatten, statt zur festlichen Tafel am Tisch des Vaters zu kommen. Er weinte vor Gott, um ihm seine Trauer über die Verlorenen zu übergeben. Wenn wir persönlich nicht aufgrund unseres Glaubens leiden müssen, dann können wir doch in das Weinen Jesu einstimmen. Es darf uns nicht kalt lassen, dass der Nachbar sich nicht um die Ewigkeit schert. Es ist nicht egal, ob er glaubt oder nicht. Sicher, wir können ihn nicht zum Glauben zwingen, aber unsere Trauer mit Jesus teilen, sie ihm bringen, dass er auf ein Neues beim Nachbarn anklopft und ihn immer wieder ruft. Die Thessalonicher haben sich im Leiden Jesu wiedergefunden, wir können wenigstens mit Jesus weinen und für unsere Mitmenschen beten.

Die Thessalonicher gaben mit ihrem Gemeindeleben Zeugnis von Gottes Liebe. Es ist schwer, sich selbst mit einem Blick von außen zu beurteilen. Auch Nabelschau hilft nicht weiter, indem wir ständig unseren Puls fühlen, ob wir genug lieben, dass andere es merken. Ob wir ausstrahlen, merken wir am leichtesten daran, ob jemand Neues kommt und bleibt. Er wird vielleicht einmal aus Interesse kommen, aber bleiben wird er nur, wenn er von Gottes Liebe durch die Menschen in der Gemeinde berührt wird.

II Was Paulus den Thessalonichern noch zu sagen hatte

Weil Paulus Thessalonich überstürzt verlassen musste, wollte er mit diesem Brief noch Fragen beantworten, die  in der Gemeinde nach seinem Weggang entstanden sind.

1 Was geschieht mit den gestorbenen Gläubigen, wenn Jesus wiederkommt?

Paulus zitiert als Antwort ein Wort des Herrn: Zuerst wird der wiederkommende Christus die gestorbenen Gläubigen aufwecken und zu sich rufen, danach die noch lebenden Glaubenden. Sie werden alle mit ihm entrückt in den Himmel, wo er ein Fest mit ihnen feiern wird. Niemand von der Gemeinde Jesu wird bei dem himmlischen Hochzeitsmahl fehlen. Die noch Lebenden werden dort zusammen mit allen Brüdern und Schwestern der Geschichte feiern. In dem bekannten Osterlied "Auferstanden, auferstanden ist der Herr" lautet die letzte Strophe: "Auferstehen, auferstehen werd auch ich und den Auferstandnen sehen, denn er kommt und wecket mich."

Paulus sagt uns:

  • Es lohnt sich, am Glauben festzuhalten durch alle Anfechtungen des Lebens hindurch. Wir sollten dieses Vertrauen nicht aufs Spiel setzen oder wegwerfen.
  • Um den Glauben zu bewahren, brauchen wir ein entsprechendes Umfeld. Die Partnerwahl, die Freunde, ein regelmäßiger geistlicher Input sind nötig.
  • Glauben zu bewahren braucht Seelsorge, gerade auch am Krankenbett, in Krisenzeiten und auf der letzten Wegstrecke.
  • Wir können einander Seelsorgende sein, indem wir verschwiegen sind, einander ein geistliches Wort zusprechen, nicht autoritär, sondern im Auftrag Jesu.
  • Glaube braucht ständige Kommunikation mit Gott, braucht das Gebet.
2 Wie können wir uns auf Jesu Wiederkommen vorbereiten?
1.Thessalonicher 5,1-11
Über die Frage, wann das geschehen wird, Brüder und Schwestern, zu welchem näheren Zeitpunkt es eintreten wird, brauchen wir euch nichts zu schreiben. Ihr wisst selbst ganz genau, dass der Herr so unvorhergesehen kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn die Menschen sagen werden: "Alles ist ruhig und sicher", wird plötzlich Gottes vernichtendes Strafgericht über sie hereinbrechen, so wie die Wehen über eine schwangere Frau. Da gibt es kein Entrinnen. Ihr aber lebt ja nicht in der Dunkelheit, Brüder und Schwestern, so dass euch der Tag des Herrn wie ein Dieb überraschen könnte. Ihr alle seid vielmehr Menschen, die dem Licht und dem Tag gehören. Und weil wir nicht mehr der Nacht und der Dunkelheit gehören, wollen wir auch nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein. Wer schläft, tut es in der Nacht, und wer sich betrinkt, tut es in der Nacht. Wir aber gehören dem Tag und wollen deshalb nüchtern sein. Wir wollen Glauben und Liebe als Panzer anlegen und die Hoffnung auf Rettung als Helm. Denn Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem Gericht verfallen, sondern dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, gerettet werden. Er, unser Herr, ist für uns gestorben, damit wir zusammen mit ihm leben. Das gilt für uns alle, ob wir noch am Leben sind, wenn er kommt, oder ob wir schon vorher gestorben sind. Macht also einander Mut und helft euch gegenseitig weiter, wie ihr es ja schon tut.

Die Thessalonicher erwarteten Jesu Wiederkunft ganz nah. Täglich konnte das Ereignis eintreffen. Paulus dagegen zitierte ein Wort Jesu, dass Jesus wiederkommt wie ein Dieb in der Nacht. Damit wird die Gemeinde zu einer Gratwanderung aufgefordert, die bis heute anhält. Sie soll den Tag Jesu nicht auf den St. Nimmerleinstag verschieben, um dann in der Zwischenzeit die Puppen auf den Tischen tanzen zu lassen. Jesus kann heute schon wiederkommen, wie schaut es dann aus bei uns? Die Gemeinde soll sich nicht auf ein Datum fixieren, denn wenn es verstreicht, wird sie resigniert feststellen, dass Jesus vielleicht überhaupt nicht wiederkommt.

Die Gratwanderung bedeutet, dem Tag Jesu völlig offen entgegen zu leben. Er kann heute oder morgen eintreffen, es ist gut, alles dafür vorbereitet zu haben. Aber es kann auch dauern, die Wartezeit muss sinnvoll gefüllt werden. 

Um diese Wartezeit ging es nun Paulus. Er warnte die Gemeinde davor, sich in einen falschen Schlaf oder Rausch derer zu begeben, die mit keiner Zukunft Gottes rechneten. Er sah diese Haltung bei denen, die sich allzu sicher fühlten. Denn gerade sie wurden mit voller Wucht aus der eingebildeten Sicherheit gerissen. 

Paulus würde vielleicht heute einen anderen Schwerpunkt setzen. Wir rechnen mit der Umweltkatastrophe, dem Supergau unserer Erde. Er scheint gar nicht mehr abwendbar zu sein. Doch Jesu Kommen ist nicht von unserer Umweltpolitik abhängig. Wir können Jesu Kommen weder beschleunigen noch verlangsamen mit unserem Verhalten. Das wäre Selbstüberschätzung. Deshalb ist es nach wie vor auch unsere Aufgabe als Christen während der Gratwanderung zwischen "schon" und "noch nicht" die Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden im Blick zu haben. Aber während wir uns für unsere Umwelt einsetzen, als ob es keinen Tag Jesu gäbe, sind wir hellwach und leben jeden Tag mit Jesus, verlassen uns nicht auf unsere Sicherheit, sondern auf  ihn.

Paulus nennt als Hilfe für den Alltag Glauben, Liebe und Hoffnung. Vertrauen können wir Gott, der uns hält, lieben können wir Menschen, die Jesus noch viel mehr liebt als wir, und hoffen dürfen wir, dass eine Zukunft offen vor uns liegt, die ihr Ziel in der ewigen Gemeinschaft mit Gott hat.

Ein Satz dieses 1. Thessalonicherbriefes ist wie eine Überschrift und ein Herzstück. Er soll uns in die vor uns liegende Woche begleiten:
"Gott hat uns nicht bestimmt, dass wir seinem Gericht verfallen, sondern dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, gerettet werden." (1. Thessalonicher 5,9)

Cornelia Trick


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