Jagd auf den Frieden (Psalm 34,2-8,12-15)
Gottesdienst am 20.1.2019 in Brombach

Liebe Gemeinde,
die Jahreslosung ist wie eine Überschrift über das neue Jahr, ein Motto, das uns durch die Monate begleiten soll. Sie steht in Psalm 34, der hier ausschnitthaft wiedergegeben:

Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren. Wer ist's, der Leben begehrt und gerne gute Tage hätte? Behüte deine Zunge vor Bösem
und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tue Gutes;
Suche Frieden und jage ihm nach! (Jahreslosung)

Als ich den Bibelvers das erste Mal sah, war ich zunächst enttäuscht. Ich höre als Wort Gottes für mein Jahr lieber Zusprüche, wie Gott mich führt, mir hilft, mir lebendiges Wasser gibt. Hier wird ein Anspruch formuliert. Offenbar ist es Zeit, nicht nur Gottes Gegenwart zu genießen, an Strömen lebendigen Wassers zu sitzen wie 2018, sondern in Aktion zu kommen, aufzustehen, loszugehen und sogar zu jagen.

Ein klarer Auftrag ist formuliert: Sucht Frieden!
Jahreslosung 2019
Das neue Banner, das an der Kirchenwand hängt, lässt die Jahreslosung wieder sehr anschaulich werden. Unfriede kommt wie eine schwarze Wolke von rechts, eine massive Mauer und Stacheldraht veranschaulichen Konflikte, Angst und Bedrohung.

Die Mauersteine allerdings entwickeln eine eigene Dynamik. Sie werden zu Tauben. Als ob sie vom Hellen auf der linken Seite angezogen werden, ein Sog sie mit nach oben ins Licht zieht, so lösen sie sich aus der Mauer, sprengen sie und den Stacheldraht und lassen die schwarze Wolke hinter sich.

In dieser Anordnung steht die in Psalm 34 vorausgehende Aufforderung „Lass ab vom Bösen und tue Gutes“ wie eine Überschrift mit Doppelpunkt. Eine Möglichkeit, Gutes zu tun, ist, dem Frieden nachzujagen. Das sollen wir 2019 tun.

Die Darstellung der Jahreslosung lässt mich weiterfragen:

  • Was zieht die Tauben nach vorne und nach oben?
  • Wohin fliegen die Tauben?
  • Bin ich bei ihrem Flug dabei – oder bleibe ich ein Mauerstein?
Der ganze Psalm ist eine Fortbildung im Fach „Gottvertrauen“. Dass es sich um einen Unterrichtsgegenstand handelt, kann man schon daran erkennen, dass die einzelnen Aussagen nach dem hebräischen Alphabet durchnummeriert sind. Wir haben hier ein ABC des Vertrauens auf Gott vorliegen.

Wenn wir mit unseren ABC-Buchstaben die Verse durchzählen, kommen wir auf diese Aussagen:

  • A = Anbetung: Ich persönlich fordere euch auf, mit mir Gott zu loben. Dann werden die, denen es schlecht geht, in ihrem Glauben gestärkt werden. Als Posaunenchor spielten wir regelmäßig in der Adventszeit vor dem Krankenhaus. Einmal regnete es so heftig, dass wir nur auf den Stockwerken im Eingangsbereich spielen konnten. Im 2.Stock entdeckte ich einen Nachbarn, der sich zu uns stellte. Er war gerade wegen einer schweren Diagnose dort. Er kam danach auf uns zu  und bedankte sich, wie gut ihm die Erinnerung an Gottes Hilfe in seiner Situation getan hatte.
  • B = Bericht über die Eigene Erfahrung: Der Beter des Psalms berichtet von seiner Not und wie Gott ihn gehört hatte. Er zieht die Schlussfolgerung, dass es sich anfühlte, als ob Engel Gottes ihn begleiteten und schützten, eine Erfahrung, die er offenbar auch denen wünscht, die diesen Psalm selbst mitbeten.
  • C = Christus: Durch Jesus Christus haben wir Gott kennengelernt und sind an die Erfahrungen des Volkes Gottes angeschlossen. Jesus erhört unsere Bitten und sieht auf unsere Not und hat uns zugesagt, alle Tage bei uns zu sein.
  • D = Daraus folgt: Die Beziehung zu Jesus muss gepflegt werden, damit die Kommunikation ohne Störungen gelingen kann.
  • E = Erfolgreiches Leben: Der Psalmbeter wird nun allgemein. Er gibt drei kurze Regeln weiter, wie das Leben gelingen kann.
    1. Glücklich ist, wer sein Reden im Zaum hält, nachdenkt, bevor er redet.
    2. Glücklich ist, wer Gutes tut und sich vom Bösen fernhält.
    3. Glücklich ist, wer den Frieden sucht und ihm nachstrebt.
Die Jahreslosung greift nur diese letzte Lebensregel aus einem langen Gebet über Erfahrungen mit Gott heraus. Dieser Satz ist aktuell in unserer Zeit, wo so viel Unfriede auf unserer Welt herrscht. Sehnsüchtig hoffen wir darauf, dass aus Mauern Friedenstauben werden, wir Christen die Chance bekommen, Frieden in die Welt zu tragen.

Was zieht die Tauben nach vorne und oben?
Die Veränderung der Gestalt vom Stein zum Vogel bedeutet wohl, dass der Friede in mir beginnt. In meinem Innenleben, in meiner Seele werden meine Wunden von Jesus behandelt, erlebe ich, dass er mir hilft zu ordnen, zu sortieren, mich zu versöhnen und mir vergeben zu lassen. Was an Unfriedlichem neu in meine Seele fällt, muss sich dort nicht einnisten und zu wuchern beginnen. Jesus hilft mir, es loszuwerden, bevor es Schaden anrichtet.

Die Veränderung geht mit Bewegung einher. Tauben suchen Nahrung und das Licht. Sie streben aus den dunklen Wolken dem Licht entgegen, werden angezogen von Gott, dem Licht und der Quelle des Friedens.

Wohin fliegen die Tauben?
Als das Banner von Johannes Fritz und Bernd Müller fast fertiggestellt war, tauchte die Frage auf, ob die Tauben nach rechts – zur Fensterfront  –  ins Freie fliegen sollten oder so, wie sie jetzt angeordnet sind, zum Kreuz. Entschieden wurde für die Richtung auf das Kreuz zu, denn den Frieden können wir nicht aus uns selbst schaffen. Wir würden nach den ersten Anläufen bald wieder zu Steinen erstarren, frustriert, gelähmt, in unfriedliche Prozesse hineingezogen. Wir würden über kurz oder lang aufgeben. 

Wir brauchen für unseren Flug Jesus, der uns hilft, in seinem Sinne Frieden zu leben. Unseren Auftrag, den Frieden in die Welt zu tragen, haben wir damit nicht vergessen. Denn hinter unserem Kreuz, das auf dem Abendmahlstisch steht, können die Tauben durch das Buntglasfenster in die Welt fliegen.

Auch im neuen Jahr werden wir unsere Beziehung zu Gott und unsere Jesus-Nachfolge weiterentwickeln. Der Appell zum Frieden entbindet uns nicht von den Basics des Glaubens, dem Gebet, dem Lernen von Gottes Weisungen in der Bibel, der Gemeinschaft, in der wir Jesus lebendig erfahren können.

Die Impulse von Jesus ermöglichen uns Frieden ganz praktisch. In seiner Bergpredigt sagt Jesus: „Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9)

Frieden zu stiften, ist ein aktiver Vorgang und lässt uns nachdenken, wo wir ganz persönlich Frieden in unsere Familien, unsere Nachbarschaft, die Arbeit, unsere Umwelt und in unsere Freizeit-Projekte bringen können. Und weiter in seiner Bergpredigt führt Jesus aus, dass es beim Frieden auch um den elementaren Gehorsam geht, unsere Beziehungen, also auch die Partnerschaften, positiv und liebevoll zu gestalten, sie nicht mutwillig zu zerbrechen. Es geht um Abgeben, Teilen und Leihen, auch wenn nichts zurückkommt. Als Krönung nennt Jesus, dass wir unsere Feinde lieben sollen, weil er mit seiner Liebe für sie auch noch nicht am Ende ist – eine Aufgabe, die wir sicher nicht ohne ihn jemals schaffen können.

Bin ich bei dem Flug der Tauben dabei – oder bleibe ich ein Mauerstein?
Das ist wohl die Entscheidung, die uns die Jahreslosung abverlangt. Gemütlicher ist es, ein Mauerstein zu bleiben. Man kennt seinen Platz, kann von da aus das Leid der Welt bejammern, aber ändern wird sich so nichts. Ganz anders, sich zur Taube verwandeln zu lassen. Es wird spannend werden: Wohin zieht und schickt mich Jesus mit seinem Frieden? Jenseits des Buntglasfensters im Altarraum ist die weite Welt, in der sich unsere Jahreslosung entfalten will. Ich bin aufgefordert, Projekte des Friedens zu suchen und zu finden und dort anzufangen, die Jahreslosung umzusetzen. 

Das muss nicht nur mein kleiner persönlicher Kreis sein, das kann für uns als Gemeinde auch darüber hinaus gehen.
Sehr beeindruckt mich eine Bewegung, die aus methodistischen Wurzeln entstanden ist und sich „Kirche in Aktion“ nennt. Ein Brüderpaar hat in vier Städten des Rhein-Main-Gebiets Christen gesammelt, um mit ihnen zu Brennpunkten des Unfriedens zu gehen, in Bordelle, Gefängnisse und auch in ganz normale Alltagsorte. Jesus kann auch uns zeigen, wohin wir seinen Frieden bringen können, seien wir bereit für seinen Hinweis.

Cornelia Trick


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Verantwortlich Dr. Ulrich Trick, Email: ulrich@trick-online.de
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