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wir befinden uns vom Kirchenjahr her in der langen Zeit nach Trinitatis. Nach den vielen Festen des ersten Halbjahres ist es die festlose Zeit. Im englischsprachigen Raum heißt diese Zeit "Ordinary Time" = Alltag. Für viele gilt das spätestens ab morgen auch wieder im privaten Leben: Die Urlaubszeit ist vorbei, die schönsten Wochen des Jahres, wie es immer heißt, existieren nur noch in der Erinnerung und auf Fotos. Die Kinder und Jugendlichen in Hessen drücken seit einer Woche wieder die Schulbank. In den Betrieben wird wieder mit Volldampf gearbeitet, falls es überhaupt so etwas wie ein Sommerloch gab. Zu Hause fallen wieder die täglichen und wöchentlichen Routinearbeiten an: Kochen, Waschen, Putzen, Termine organisieren.... In der ersten Zeit ist hoffentlich neugewonnener Elan zu spüren: Die immer wiederkehrenden Arbeiten gehen leichter von der Hand; Querelen und Stress am Arbeitsplatz schlauchen weniger als üblich - und nach 6 Wochen Pause macht sogar das Lernen wieder Spaß (mir ging es zumindest früher so). Auch ein vertrauter, geordneter Tagesablauf tut nach einer längeren Pause sogar wieder gut. Aber wie lang hält die neugeschöpfte Kraft aus dem Urlaub vor? Wie schnell holen uns all die Dinge, die wir im Urlaub hinter uns gelassen haben wieder ein? Die alten Muster und Konfliktpunkte, der übliche Stress oder auch das Leiden unter der Eintönigkeit des Alltags. Eine mögliche Lösung:
Dem Alltag entfliehen - möglichst den nächsten Urlaub planen
oder wenigstens davon träumen.
Matthäus 13,33 Noch ein Gleichnis erzählte er (Jesus) ihnen: "Wenn Gott jetzt seine Herrschaft aufrichtet, ist es wie mit dem Sauerteig: Eine Frau mengte eine Handvoll davon unter eine riesige Menge Mehl, und er machte den ganzen Teig sauer." Dazu habe ich ein Bild,
das vom Hungertuch 1991 stammt; eine indische Künstlerin hat es geschaffen.
Es zeigt eine Für mich ist das auch
ein Bild für unser Leben mit Gott: Das Zentrum unserer Gemeinschaft
mit Gott bilden nicht die herausragenden Erfahrungen, sondern der Alltag.
Im Alltag erweist sich, ob die Beziehung zu Gott Bestand hat, ob sie trägt
und mein Leben prägt. Die ganz alltägliche Situation dieser brotbackenden
Frau hat Jesus selbst herausgegriffen und sie als ein Bild für das
Reich Gottes, für das Wirken und die Wirklichkeit Gottes in dieser
Welt herausgestellt.
Ich stelle mir vor, dass ihr das nicht aus eigener Kraft gelungen ist, sondern weil sie weiß, wohin sie sich wenden kann mit den Dingen, die sie bedrängen. Es sieht aus, als sei sie nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Gebet: Vielleicht ist sie erfüllt mit Dankbarkeit gegenüber Gott, der die Körner hat wachsen lassen und der sie und ihre Familie mit dem versorgt, was sie zum Leben brauchen. Die Ähren, die um sie herum sprießen und das Korn, das sie wie eine schützende Hülle umgibt, könnten ausdrücken, was sie in diesem Moment empfindet. Ihre alltägliche Arbeit ist ihr zum Bild dafür geworden ist, wie Gott in ihrem Leben gegenwärtig ist und wirkt. Und wenn sie Gott dann für die Menschen bittet, für die sie das Brot bäckt und die ihr am Herzen liegen, um die sie sich sorgt, über die sie sich auch ärgert, dann schließt sich der Kreis. In ihrer ganz alltäglichen Arbeit ist sie Gott begegnet, hat ihm gesagt, was sie dankbar macht und was sie bedrückt und hat von ihm Ermutigung bekommen: Ja, so wie der Sauerteig das Mehl durchsäuert, so ist es auch mit dem Wirken Gottes in meinem Leben So alltäglich und doch so wundersam wie mit dem Brotbacken verhält es sich mit dem Reich Gottes: Eine kleine Menge Sauerteig wird unter eine viel größere Menge Mehl geknetet. Wenn dies gleichmäßig und mit Ausdauer geschieht, wird der ganze Teig durchsäuert und aus einem ungenießbaren Brei aus Mehl und Wasser wird schmackhaftes und nahrhaftes Brot. Von außen läßt sich der Prozess nicht richtig verfolgen, er vollzieht sich im Verborgenen - obwohl die Chemiker unter uns das heutzutage natürlich ganz genau erklären könnten. Aber darum geht es nicht. Jesus will mit diesem kurzen Gleichnis sagen: Die Menschen fragen oft: Wo ist Gott? Warum wirkt er nicht mit großen Taten und Wundern, dass alle ihn sofort erkennen. Das ist das Geheimnis des Wirkens Gottes und auch der Person Jesu selbst: Gottes Wirken geschieht oft unter der sichtbaren Oberfläche, ist nicht vorzeigbar und beweisbar. Es erschließt sich mir nur, wenn ich mich im Glauben und Vertrauen auf ihn einlasse. Dann allerdings werde ich feststellen: Ja, Gott ist da, er wirkt in dieser Welt und auch in meinem persönlichen, alltäglichen Leben. Interessant ist, dass Jesus hier ein Bild aufgenommen hat, das landläufig immer negativ verwendet wurde. Jesus selbst etwa hat an einer anderen Stelle die Jünger vor dem Sauerteig der Pharisäer gewarnt und Paulus warnt in seinen Briefen vor der Macht von Verhaltensweisen, die nicht zum christlichen Glauben passen und die sich ausbreiten wie Sauerteig, wir würden vielleicht sagen: Wuchern wie Unkraut. Dieses Bild dreht Jesus um und hebt die positive Wirkung des Sauerteigs hervor. Vielleicht würde er für uns heute hier in Mitteleuropa auch das Bild vom Unkraut verwenden: Mit dem Reich Gottes ist es wie mit dem Unkraut. Unkraut verdirbt nicht! Dass Jesus auferstanden ist und lebt, dass damit die Macht von Unrecht, Leid und Tod gebrochen sind, auch wenn wir noch mit ihnen leben müssen, ist eine Tatsache. Mögen manche den christlichen Glauben verspotten oder gar verfolgen, ihn für antiquiert oder hinterwäldlerisch halten - keiner dieser Haltungen ist es in 2000 Jahren gelungen, den christlichen Glauben auszurotten und es wird auch in Zukunft nicht gelingen. Denn Gott selber ist am Werk, er durchdringt die Welt mit seiner Liebe und seiner Gegenwart, mit seiner Sehnsucht nach Gemeinschaft mit den Menschen, gerade auch mit dir und mir persönlich. "Gott im Alltag erfahren" heißt das Thema heute. Ich möchte darum einige Impulse nennen, die ich aus diesem Gleichnis und dem Bild dazu für meinen Alltag mitnehme und auch Ihnen/Euch mitgeben möchte:
Die Frau in Jesu Gleichnis hat übrigens nicht die damals übliche Teigmenge geknetet, die den Tagesbedarf einer Familie deckte, sondern eine Menge, die dazu ausreichen würde, etwa 100 Personen einen Tag lang zu versorgen. Vielleicht kannte Jesus sich mit den Mengen nicht so gut aus. Aber ich glaube, er will damit auch auf die Fülle des Reiches Gottes hinweisen: Gottes Kraft ist nicht da zu Ende, wo unsere menschliche Kraft oder unser Vorstellungsvermögen aufhören. Gott kann und will unser Leben und diese Welt durchdringen. Und obwohl es angesichts vieler Situationen in unserem eigenen Leben und in der Welt fast unmöglich erscheint: Es wird der Tag kommen, an dem Unrecht, Leid und Tod ihre Macht endgültig verlieren. Bis dahin liegt es auch an uns, dass Gottes Gegenwart in dieser Welt nicht verborgen bleibt, sondern durch unser ganz alltägliches Leben, Reden und Handeln für andere sichtbar und erfahrbar wird. Irene
Kraft
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