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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Der Spott der um das Kreuz Stehenden nimmt breiten Raum ein. Wir erfahren dabei etwas über die Menschen, die nicht an Jesus glaubten. Sie mit unserer Situation heute zu vergleichen, ist eine interessante Aufgabe. Jesu Tod hatte kosmische Auswirkungen. Gräber taten sich auf und ein Heide sprach ein Glaubensbekenntnis. Jesu Sterben überwand zeitliche und räumliche Grenzen. Es hat deshalb auch für uns heute noch die gleiche Bedeutung wie damals. Der Spott der Umstehenden Zwei Gruppen formieren sich um das Kreuz. Das Volk wiederholt die Vorwürfe, die zu Jesu Verurteilung führten. Mit seiner Aussage, den Tempel niederzureißen und in drei Tagen wieder aufzubauen, griff Jesus direkt die Tempelaristokratie, die Mächtigen der Stadt an. Ihr Überleben hängt am Tempel und den daraus erwachsenden Einnahmen. So drohte Jesus, die bestehende Ordnung der Stadt Jerusalem umzustürzen, ein Vorwurf, der bei den Römern auf offene Ohren stieß und zur sicheren Verurteilung führte. Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten, also die Gruppe, die sich direkt angegriffen fühlte, gehen noch einen Schritt weiter. Sie bringen den Angriff des Tempels in Verbindung mit Gott. Sollte Gott wirklich auf Jesu Seite stehen - was nach ihrer Überzeugung völlig ausgeschlossen war - würde er ein Wunder tun, um Jesus zu retten. Dieses Wunder wäre für die Gruppe ein Grund, an Jesus zu glauben. Schauen wir uns die erste Gruppe, das Volk, genauer an. Auch heute formiert sie sich so in der Abwehrhaltung gegen Jesus. Die immer gleichen Argumente werden hervorgebracht. Ein Gott der Liebe ist nicht vereinbar mit dem Vater, der sein Kind am Kreuz sterben lässt. Ein Gott, der allmächtig ist, hätte den Tod Jesu verhindern können. Ein ohnmächtiger Gottessohn, der am Kreuz stirbt, hat keine Kraft, sich um meine Probleme zu kümmern. Sowohl damals als auch heute sind die Argumente gegen Jesus am Sichtbaren und Beweisbaren orientiert. Es scheint, die Kritiker sind wie das Volk damals bei Karfreitag um 15.00 Uhr stehen geblieben. Was nach dem Todesschrei Jesu passiert ist, hat für sie keine Relevanz. Dem Volk damals kann man das nicht vorwerfen. Sie konnten ja nicht wissen, wie sich die Ereignisse noch überschlagen würden. Doch Leuten, die heute leben, möchte ich schon gerne die Rückfrage stellen, ob ihre Bibel, sofern sie eine haben, bei Kapitel 27 des Matthäusevangeliums aufhört. Ich möchte sie ermutigen, weiterzulesen und sich von Christen erzählen zu lassen, wie Jesus auferstanden ist und lebt. Denn Jesus ist nicht vom Kreuz hinabgestiegen, um dann in seinen Alltag zurückzukehren als sei nichts gewesen. Er ist vom Kreuz hinaufgezogen worden und zieht alle mit, die sich zu ihm halten. Ein neues, vollkommen verändertes Leben ist damit verbunden. Die Gruppe der Einflussreichen wiederholt nicht einfach die Argumente der anderen. Sie stellt Bedingungen. Wenn Jesus wirklich will, dass sie an ihn glauben, dann wollen sie ein Wunder sehen, das eindeutig auf Gott hinweist. Ihre Gleichung ist einfach. Jesus vertraut Gott. Gott ist mit Jesus einverstanden. Gott hilft Jesus. Das sieht im Erfahrungshorizont dieser Menschen so aus, dass Jesus weiterlebt, auf keinen Fall aber wie ein Verbrecher stirbt. Kennen wir das nicht auch von uns, diese "Wenn...dann...-Formulierungen"? Wenn es Jesus wirklich gibt, dann soll er mir erscheinen. Wenn Jesus noch heute lebt, dann soll er ein Wunder tun und meine Ehe retten. Ein Bekannter von mir war sehr interessiert am christlichen Glauben. Wir unterhielten uns oft, lasen auch zusammen in der Bibel. Er sagte immer wieder: "Wenn Jesus mir doch mal begegnen würde, dann könnte ich an ihn glauben." Ein paar Wochen später erzählte er mir, dass er in einer bestimmten Situation ganz deutlich gespürt hatte, dass Jesus neben ihm stand und ihn ansprach. Ich jubelte innerlich, denn nun, so dachte ich, konnte mein Bekannter endlich glauben. Es verschlug mir die Sprache, als er mit neuen Argumenten heraus rückte, warum er nun doch nicht glauben konnte. Denn das war ja nun doch zu wundersam, um daran den Glauben festzumachen. Seither bin ich bei "Wenn...dann...-Formulierungen" skeptisch. Nur allzu leicht verbirgt sich dahinter ein Abwehrmechanismus. Man hält die Erfüllung der Bedingung für so ausgeschlossen, dass das Thema nicht nahe an einen herankommt. Man kann im Abstand, vielleicht sogar auf der Schwelle stehen bleiben. Es ist für mich ein großes Geschenk gewesen, dass mein Bekannter nach einiger Zeit doch zum Glauben gekommen ist. Er hatte sich von seinen Bedingungen gelöst, weil die ihn ja offensichtlich nicht weiter brachten. Irgendwann hatte Jesus ihn wohl sanft an der Hand gefasst und über die Schwelle gezogen. So ganz genau wusste er im Nachhinein nicht mehr, wann das war. Ich sehe auch diese Gruppe der Skeptiker nicht als statisch an. Jesus möchte sie auf seine Seite ziehen. Er wird es wieder und wieder versuchen - jenseits von allen Bemühungen, Jesus selbst in den Griff zu bekommen. Die kosmische Wende Zweimal wird von Matthäus berichtet, dass Jesus einen Todesschrei ausstieß. Das erste Mal mit den Worten "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Es ist der Moment der tiefsten Erniedrigung des Gottessohnes. Mit uns Menschen ist er gegangen bis zu dem Punkt, an dem er sich seines Vaters nicht mehr gewiss war. Der, der durch keine Sünde von Gott getrennt war, hat stellvertretend für uns Menschen. diese Gottestrennung durchgestanden. Doch sein Ruf galt Gott, dem er sich nicht mehr sicher war. Und Gott erhörte ihn. Er ließ ihn eben nicht in dieser Dunkelheit allein, sondern holte Jesus zu sich, weckte ihn aus der Gottesferne auf in ein neues Leben. Illustriert wird dieser verborgene Vorgang durch den zerrissenen Vorhang vor dem Allerheiligsten des Tempels. Gott ist nicht länger verborgen hinter dem Vorhang, er ist nicht mehr durch einen Priester vermittelt zu erreichen. Gott ist in Jesus zu uns Menschen gekommen und ist von nun an unmittelbar zu erfahren. Er hat uns in Jesus die Hand zur Versöhnung hingehalten, wir können einschlagen. Der Weg von Gott zu uns Menschen ist frei, unser Leben ist entgrenzt worden. Der Tod ist nicht mehr der Abbruch eines Lebens ohne Gott, sondern der Tunnel zum neuen Leben mit Gott in Ewigkeit. Dies ist mit Karfreitag geschehen, die Gräber rissen auf und Tote wurden mit Jesus auferweckt und erschienen in der Stadt. Die Jerusalemer werden erschrocken sein. Hatten sie doch nicht damit gerechnet, dass Jesus über sein Leben hinaus von Bedeutung war. Sie mussten spätestens dann erkennen, dass Gott in Jesus handelte. Der Tod Jesu hat die Grenze des Todes gesprengt, einzelne Auferstehungen aus den Gräbern um Jerusalem zeigten das. Als sich der römische Hauptmann unter dem Kreuz zu Jesus bekannte, geschah auch in dieser Hinsicht Entgrenzung. Gott ließ sich nicht mehr nur von seinem auserwählten Volk erkennen, er machte sich auch den Nichtjuden bekannt, ja, bezog sie ein in sein Erlösungshandeln. Mehr als alle anderen Evangelisten betont Matthäus diese große Zeitenwende, die mit Jesu Tod in der Welt angebrochen ist. Um es bildlich auszudrücken: Gott ist zu den Menschen herabgestiegen, um sie für sich zu gewinnen. Er hat Jesus nicht vom Kreuz herabsteigen lassen, weil sich damit nichts Neues hätte ereignen können. Er hat Jesus entgegen den Erwartungen zu sich gezogen, damit wir Jesus folgen können und in die Gemeinschaft mit Gott kommen, die bis in die Ewigkeit reicht. Die Auswirkungen von Karfreitag Ich sehe auch das große Thema Vergebung, das mit diesem Allerheiligsten verbunden ist. Gott hat mir durch Jesu Tod vergeben. Es ist nichts mehr, was Gott mir an Schuld aufrechnet, denn Jesus hat alles beglichen. Und ich stelle fest, dass dieses Wissen zwar in meinem Kopf ist, aber nicht wirklich in meinem Herzen. Wenn ich mich im Spiegel betrachte, sehe ich Haltungen an mir, die mir nicht gefallen und die auch Gott nicht gefallen. Aber statt damit zu Jesus zu gehen und sie vergeben zu lassen, decke ich ganz viel Makeup darüber, um die Schwachstellen unsichtbar zu machen. Manchmal zeige ich auch mit dem Finger auf andere, weil ich meine Schwäche bei ihnen feststelle. Ein reines Ablenkungsmanöver, um die Aufmerksamkeit von mir weg auf andere zu lenken. Sollte da Karfreitag nicht etwas ändern? Ist es nicht Zeit, dass ich die Schminke weglasse und Jesus zeige, wie ich wirklich bin? Schließlich weiß er es sowieso schon. Aber er wird mir nicht helfen, solange ich ihn nicht an die Schwächen heranlasse. Ich werde mir heute Zeit nehmen und auf einen Zettel schreiben, was ich vor Jesus offen legen will. Ich werde mit diesem Zettel beten, Jesus um Vergebung bitten und dann ihn machen lassen. Und wenn ich wieder in Versuchung komme, mir ganz viel Abdeckcreme auf meine dunklen Seiten zu schmieren, dann will ich an Jesus denken, der mir vergeben will und der mir die Kraft gibt, meine Schwächen zu bearbeiten und sie mit seiner Hilfe zu verändern. Ich denke auch an Menschen, denen ich nicht vergeben kann, weil sie mir sehr weh getan haben. Manche wissen davon gar nichts. Doch mein Gedächtnis ist gut. Es reagiert sofort, wenn wieder jemand etwas zu mir sagt, das in diese Kerbe haut. Kann ich so weiter machen oder lehrt mich Karfreitag nicht etwas ganz Anderes? Gott hat seinen Sohn an meiner Stelle sterben lassen, weil er sich mit mir versöhnen will. Bin ich größer als Gott, dass ich mir anmaße, jemand die Vergebung zu verweigern, die Gott schon längst ausgesprochen hat? Wer bin ich, dass ich meine Verletzungen in der Vitrine ausstelle und mich an ihnen weide, wo Gott selbst alle Erinnerungen an mein Fehlverhalten über Bord wirft? Ich möchte mir heute auch Zeit nehmen, über die Menschen nachzudenken, die ich auf meiner "roten Liste" führe. Ich werde für sie beten. Ich werde für mich beten, dass ich die Kraft bekomme, ihnen von Herzen - nicht nur verstandesmäßig - zu vergeben und sie loszulassen. Ich weiß, dass das ein langer Prozess ist, bis die Leute dann wirklich von meiner "roten Liste" runter sind. Aber ich möchte mich auf den Weg machen. Ich merke, Karfreitag ist ein guter Anfang, um in meinem Leben etwas zu verändern. Der Vorhang sollte auch bei mir zerreißen, dass ich versöhnt lebe und Vergebung praktiziere. Wenn so im stillen Eckchen etwas geschieht, dann ist das Fortsetzung der Geschichte, die in Jerusalem begonnen hat. Zwar reißen keine Gräber auf dem Friedhof auf, aber verhärtete Menschen werden offen für Gott und seine Liebe, die er in Jesus uns bewiesen hat. Das ist eine Revolution von innen, die Zeugnis gibt, dass Jesu Tod Rettung bedeutet. Cornelia
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