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Gottesdienst am 21.10.2007
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
bei der halbjährlichen
Zusammenkunft von Pastoren und Pastorinnen sowie Vertretern und Vertreterinnen
aus den Gemeinden der Region beschäftigte uns auch die Frage, wie
wir vor Ort mit den verkaufsoffenen Sonntagen umgehen. Ein Pastor berichtete
von einer Aktion, wie sie an ihrer Kirche inmitten eines belebten Geschäftsviertels
ein großes Banner gegen den verkaufsoffenen Sonntag anbrachten. Hintergrund
für ihre Aktion war, dass sie auf die Bedeutung des Sabbats für
alles Geschaffene aufmerksam machen wollten. Ein anderer erzählte
von einem Markt für die Nachbarn der Kirche. Er hob hervor, dass durch
den Gemeinde-Markt viele Menschen angelockt werden, die sonst nie die Kirche
betreten würden. Er sah diese Aktion im Zusammenhang mit dem Missionsauftrag
Jesu. Auch eine dritte Stimme hätte sich noch zu Wort melden können.
Um manche Gemeinden leben überwiegend Leute, die muslimischen und
jüdischen Religionsgemeinschaften angehören. Wären da nicht
drei Feiertage angebracht – und mit welchem Recht zwingen wir einem Muslim
den Sonntag auf, wo er doch Freitag als Tag Allahs feiert? Unser Gespräch
jedenfalls konnte die verschiedenen Aspekte des Sonntags nur anreißen.
Als Hausaufgabe nahmen wir die Frage mit: Was bedeutet uns der Sonntag
als Christen? Und wofür setzen wir uns deshalb ein?
Eine Begebenheit aus dem
Leben Jesu bringt uns dem näher, was der Sonntag für Christen
bedeuten kann.
Markus 2,23-28
Und es begab sich, dass Jesus
am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während
sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu
ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt
ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er
in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in
das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die
Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie
auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist
um
des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.
Drei Perspektiven leuchten
in dieser kurzen Notiz auf dem Weg Jesu auf, die Perspektive der Jünger,
der Pharisäer und Jesu Perspektive.
Die Perspektive der Jünger
Neudeutsch könnte man
die Handlung der Jünger so beschreiben: Die Jünger streiften
am Sonntag durch die Felder und holten sich bei Mägges einen Burger.
Sie waren noch ganz am Anfang ihrer Schulzeit bei Jesus, gerade erst berufen.
Sie kümmerten sich nicht um Sabbatvorschriften, sondern befriedigten
ihr spontanes Bedürfnis, dass die vollen Ähren auf dem Kornfeld
in ihnen weckte, so wie der Burgerspezialist es in manchem von uns weckt.
Die Jünger waren hungrig, aber sie erkannten nicht, dass Jesus ihren
Hunger stillen konnte. Wenig später war Jesus mit einer Menschenmenge
von 5000 Leuten zusammen und kümmerte sich mit fünf Broten und
2 Fischen um deren Hunger. Warum sollte er nicht auch den Hunger seiner
Jünger stillen können? Doch sie dachten offenbar nicht daran,
ihn um Brot zu bitten, sondern bedienten sich selbst. Ihr Verhalten mag
uns im Nachhinein wie eine Provokation der gesetzestreuen Religionshüter
erscheinen, doch waren sie wohl eher unbekümmert, naiv und auf die
eigenen Bedürfnisse fixiert.
So sind die Jünger
gar nicht weit weg von mir. Ich kenne dieses Muster. Ein Bedürfnis
gewinnt in mir Raum, und ich möchte dieses Bedürfnis sofort bedienen,
schaue nicht nach rechts und links und auch nicht auf Jesus. Denn von Jesus
erwarte ich gar nicht, dass er das Bedürfnis stillt, ja vielleicht
für immer stillt mit Brot des Lebens.
Die Perspektive der Pharisäer
Die Ordnungshüter beobachten
Jesus mit seinen Gefolgsleuten kritisch. Was hatte dieser neue Prophet
zu sagen? Passte er zu ihren Erwartungen, oder mussten sie im Sinne von
Gottes Gebot einschreiten? Sie sahen die Jünger beim Ernten. Ernten
am Sabbat war sogar während der Erntezeit verboten. Denn Gottes Gebot
sollte eingehalten werden. "Gedenke des Sabbattages,
dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke
tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes.
Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein
Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner
Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und
das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum
segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn."
(2.Mose 20,8-11)
Die Verbundenheit mit Gott
wurde für die Pharisäer unter anderem dadurch ausgedrückt,
dass sie diesen Sabbattag als Chance zum Leben ohne Zweck erkannten. Sechs
Tage Arbeit war Mittel zum Überleben. Aber der siebte Tag war ein
Rest Paradies. Der Tag war dazu da, in die Ruhe Gottes mit einzustimmen,
ohne Zweck oder sonstige Nebenmotive. Er diente auch nicht dem Auftanken
vor einer neuen Arbeitswoche, er sollte nicht der Arbeit dienen oder unter
ihrem Diktat stehen. Er war frei für die Begegnung mit Gott wie damals,
als Gott Adam und Eva abends im Paradies aufsuchte, um mit ihnen zu reden.
Welcher der beiden Perspektiven
stimmen wir eher zu? Leben wir den Tag des Herrn nach dem Motto: Egal ob
Sonntag oder Alltag, ich tue, was für mich dran ist? Oder stimmen
wir mit den Pharisäern überein, dass Betätigungen, die nach
Arbeit aussehen und nicht lebensnotwenig sind, zu unterlassen sind? Würden
wir also McDonalds in Kronberg meiden, weil die Leute dort sonst durch
unser Zutun am Sonntag zu nicht-lebensnotwendiger Arbeit gezwungen sind?
Für beide Positionen
werden sich Fürsprecher finden, auch durchaus mit guten Argumenten.
So macht es Sinn, die Perspektive Jesu genauer anzuschauen.
Die Perspektive Jesu
Jesu Antwort, die über
diese wenigen Sätze im Markusevangelium hinausgeht, gibt dem Sabbat
seine ursprüngliche Bedeutung und eine neuen Sinn. In vierfacher Weise
entfaltet sich die Antwort.
1 Beispielgeschichte von
David
David war auf der Flucht
vor König Saul. Mit seinen Begleitern kam er nach Nob. Seine Begleiter
hatten Hunger, so wandte er sich an den dortigen Priester und bat ihn um
Brot für sich und seine Männer. Der Priester hatte gerade die
Schaubrote auf dem Altar gewechselt, was immer am Sabbat geschah. Die eine
Woche alten Schaubrote waren für den Priester bestimmt, der sie im
Heiligtum essen durfte. Der Priester von Nob ließ sich überreden
und gab David die alten Schaubrote für seine Männer mit.
Jesus erzählte die
Geschichte, die seine Gesprächspartner sicher kannten, und verband
sie in einigen Punkten mit den Geschehnissen im Kornfeld. David war mit
seinen Begleitern auf der Flucht. Auch Jesus war mit seinen Jüngern
unterwegs. Dass er seiner Hinrichtung entgegen ging, erfahren wir kurz
darauf, als er am Sabbat einen Kranken heilte. David war wie Jesus Fürsprecher
für seine Leute. Er besaß wie Jesus die königliche Freiheit,
sich über Gesetze hinweg zu setzen. Weil David die Gabe Gottes, das
Brot als Zeichen des Lebens, am Sabbat für sich beanspruchen durfte,
durfte Jesus es auch, weil er mehr als David war und ist.
2 Gott hat den Sabbat für
die Menschen gemacht
Der Mensch wurde am sechsten
Tag als Abschluss der Schöpfung geschaffen. Der Sabbat am siebten
Tag war ein Tag der Ruhe, der Gott gehörte. Im fünften Buch Mose,
in dem die Gebote Gottes noch einmal wiederholt sind, wird die Verpflichtung
zum Sabbat als ein Akt der Freiheit von der Sklaverei dieser Welt bewertet.
Alle Geschöpfe sind in diese Freiheit mit einbezogen, was jede Versklavung
unter gottfremde Mächte zumindest an diesem Tag ausschließt.
So bekommt der Sabbat einen
eindeutigen Sinn. Keine versklavende Arbeit darf geleistet werden, auch
kleinliche Gebote, die wiederum versklaven und Gott aus dem Mittelpunkt
rücken, sind untersagt. Die Gemeinschaft mit Gott, an seiner Heiligung
des Tages teilzuhaben ist der Kernaspekt des Tages. Weil Befreiung aus
der Sklaverei Aufbruch bedeutet, ist an diesem Tag die Chance zum Neuanfang,
zum Aufstehen und in die Zukunft Gehen.
3 Jesus ist der von Gott
ursprünglich und geschaffene Mensch, sein Sohn als das Urbild des
Menschen
Wie Jesus den Sabbat feierte,
ist Maßstab und Vorbild für den Umgang mit dem Tag des Herrn.
Jesus ließ an den Sabbaten seines Erdenlebens die Freude durchscheinen,
die der Messias auf der Erde auslöst. Die Gebote sind in der messianischen
Zeit nicht mehr auf steinernen Tafeln aufgeschrieben, sondern ins Herz
geschrieben, wie die Propheten Jeremia und Hesekiel diese Heilszeit voraussagten.
Den Tag des Herrn feiern
heißt seit Jesus, von seinem Geist erfüllt zu sein und mit Jesus
das neu geschenkte Leben feiern. Das zeigte Jesus durch die zahlreichen
Krankenheilungen am Sabbat, die von Vergebung und Neubeginn Zeugnis gaben.
4 Neu ist die Umdeutung
des Sabbats auf den Sonntag nach Jesu Auferstehung
Jesus wurde nicht am Sabbat
auferweckt, für den strenge Ruhe galt, sondern am 1.Tag der Woche.
Damit betonte Gott die neue Schöpfung, die mit Jesus und seiner Auferstehung
angebrochen ist. War nach dem sechsten Schöpfungstag alles sehr gut,
wurde nach dem Sündenfall das Paradies zum verbotenen Ort, ist mit
Jesus der Zugang zum Paradies und zur sehr guten Schöpfung wieder
offen.
Am Sonntag feiern wir die
Freiheit von Sünde und Gottestrennung, die Freude der Kinder Gottes.
Am Sonntag nehmen wir aber auch ernst, dass Gott allen Menschen mit Jesus
diesen Neubeginn anbietet und ermöglicht, der Sonntag deshalb nicht
nur Feiertag der Christen sein soll, sondern aller Menschen, die in unserem
Umfeld leben.
Fazit:
-
Der Sonntag als Tag des Neubeginns
mit dem Auferstandenen ist ein Tag des Innehaltens. Wir bekommen den Raum
und die Zeit eingeräumt, nach unseren wahren Bedürfnissen zu
fragen. Reicht uns Fast Food in den Feldern, Schoppen am verkaufsoffenen
Sonntag in Soden oder brauchen wir das Brot, das wirklich satt macht? Brauchen
wir Jesus?
-
Sonntag ist ein Tag der Neuschöpfung.
Jeden Sonntag fängt Jesus neu mit uns an. Wir werden freigesprochen
von den Mächten, die uns Lebensatem rauben. Unsere Arbeit darf nicht
das letzte Wort über uns haben. Die Unversöhnlichkeit in einer
Beziehung kann uns nicht von Gott trennen, die nicht erreichten eigenen
Ziele können uns nicht den Wert absprechen, den Gott uns gegeben hat.
Am Tag der Auferstehung Jesu, dem "Sonnentag", geht das neue Licht mit
Perspektive auf die Ewigkeit auf.
-
Sonntag ist der Tag der Gemeinschaft
mit Gott, vermittelt auch durch Menschen - in der Gemeinde. Wir kommen
zusammen außerhalb der Zeitschiene Arbeit und Effizienz, wir haben
von unserem obersten Chef aus die Zeit zur Begegnung und den Raum dafür.
Wir leben in der äußerst privilegierten Situation, dass auch
unser Gesetzgeber den Sonntag weitgehend arbeitsfrei hält, so dass
wir die von Gott verordnete Gemeinschaft mit ihm ungestört und umfassend
leben können.
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Sonntag ist ein Tag des Essens
und Trinkens. Die Jünger verstanden das so, dass sie Ähren vom
Feld ernteten, sich unterwegs Fast Food rein schoben. Wir sollten es besser
wissen. Jesus ist unser Brot, er gibt uns alles Lebensnotwendige. Wenn
wir heute Abendmahl feiern, dann, weil wir ihn zum Leben brauchen.
Daraus abgeleitet folgt, dass
die Jünger mit ihrem spontanen Ernten nicht den Sabbat erkannten
als
Tag des Herrn und mit dem Herrn. Sie wurden von Jesus als Zuhörende
indirekt kritisiert. Statt Gottesdienst Shopping, so sah ihre Sabbatheiligung
aus.
Die Pharisäer waren
nicht im Recht. Sie kritisierte Jesus direkt. Sabbat, so stellte er fest,
ist Zeit mit dem lebendigen Vater, nicht ein juristisches Seminar.
Unsere Sonntagsgestaltung
hat sich daran zu orientieren, was uns hilft, Jesus zu erfahren. Und ganz
ehrlich müssen wir uns von ihm fragen lassen:
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Hilft dir der Einkaufsbummel,
um Jesus deutlicher in deinem Leben zu erfahren?
-
Ist dein Ausschlafen ein Ausdruck
deiner innigen Gemeinschaft mit Jesus?
-
Sind geputzte Fenster nötig
für deine Beziehung zu Gott und verändern sie dein Leben von
Grund auf?
Wenn wir hier mit Nein antworten,
sollten wir unsere Sonntage anders, Jesus näher, gestalten. Allerdings
kann die Antwort auch in dem einen oder anderen Fall Ja heißen. Dann
ist eine Tätigkeitin einem bestimmten Zusammenhang, z.B. auch Fensterputzen,
eine Aufgabe, die uns mit Jesus verbindet und Ausdruck dessen ist, das
er uns neuen Durchblick schenkt.
Das Banner an der Innenstadtkirche
würde ich auch aufhängen. Denn ein arbeitsfreier, konsumfreier
Tag in der Woche ist eine wunderbare Chance als Kind Gottes paradiesische
Freiheit von Alltagszwängen und Forderungen zu erfahren.
Cornelia
Trick
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