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Liebe Kinder, liebe Erwachsene,
Ich bin Maria, Maria aus Magdala. Magdala ist eine kleine Stadt am See Genezareth. Nicht weit von Kapernaum. In Kapernaum hat Jesus gelebt. Da habe ich Jesus auch getroffen. Ich bin mit ihm durch das Land gezogen. Ich habe gehört, wie er den Menschen von Gott erzählt hat: "Gott will, dass alle Menschen leben, dass sie ein schönes Leben haben, bunt und fröhlich und zufrieden." Das hatte Jesus gesagt. Und ich bin mit ihm gezogen. Ich habe gesehen, wie Jesus vielen Menschen geholfen hat, Kindern und Frauen und Männern. Er hat ihnen zugehört, wenn sie ihm von sich und ihren Sorgen erzählt haben. Er hat sie angesehen, genau angesehen, und ich habe gemerkt, wie traurig er manchmal war, wenn Leben nicht bunt und fröhlich war, wenn es statt dessen nur grau und trist war. Ich habe gemerkt: Jesus liebt die Menschen. Ich bin mit Jesus gegangen, bis nach Jerusalem, wo er verhaftet wurde. "Ein Aufrührer ist er", haben die Römer gesagt, "er muß sterben." Und dann haben sie ihn ans Kreuz geschlagen. Ich war dabei, als er starb. Es war ganz furchtbar. Ich dachte, ich sterbe auch. Ich dachte, jetzt ist alles aus. Es war ganz finster in mir. Aber dann geschah das, was ich euch erzählen will: Es war ganz früh am Sonntag morgen. Ich war ganz allein. Ich lief durch die Straßen von Jerusalem. Es war noch dunkel. Alles grau und schwarz. Ich wollte zu ihm, zu Jesus. Natürlich wußte ich, daß er tot war, aber ich konnte es nicht glauben. Ich wollte nur zu ihm. Mir war egal, daß die anderen gesagt hatten: "Geh nicht dahin. Es ist gefährlich, wenn dich die Soldaten sehen." Dann kam ich zu dem Garten, wo sie ihn ins Grab gelegt hatten. Zwei Tage war das jetzt schon her. Da sah ich: Der große Stein, den sie vor das Grab gewälzt hatten, war nicht mehr da. Nur ein schwarzes Loch starrte mich an. So schnell ich konnte, rannte ich zurück, zu den anderen. "Sie haben Jesus aus dem Grab geholt. Ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben." Simon Petrus wurde ganz blaß vor Schreck. Er und der Jünger, den Jesus besonders lieb gehabt hatte, kamen mit mir. Wir rannten, so schnell wir konnten, durch die dunkle Stadt. Völlig außer Atem waren wir, als wir endlich da waren. Zuerst ging Petrus in die Gruft hinein, dann auch der andere. Ich war wie erstarrt, ich konnte da nicht hinein, ich sah nur das schwarze tiefe Loch. Ich wußte nur: Jesus ist weg. Sie haben ihn mir weggenommen. Später, viel später haben die beiden mir erzählt, was sie gesehen haben: Die Tücher waren ordentlich zusammengefaltet, die Tücher, in die der tote Jesus gewickelt war. Sonst war nichts da. Alles leer. Was sollten wir tun? Die beiden Männer sahen sich an, ratlos, haben sie mir später erzählt. Sie zuckten die Schultern - und zogen bedrückt und verängstigt wieder nach Hause. Ich habe von all dem nichts gesehen und gehört. Ich stand da und starrte in das schwarze Loch. Ich weinte. Da sah ich durch den Tränenschleier zwei Engel. Zwei Engel in schneeweißen, leuchtenden Kleidern. Ich hörte ihre Stimmen: "Warum weinst du?" "Jesus ist weg. Sie haben ihn weggebracht und ich weiß nicht wohin." Dann habe ich mich umgedreht: Ich spürte, da stand jemand. Ich dachte, es wäre der Gärtner. In der Dunkelheit konnte ich ihn nicht genau sehen. "Hast du ihn weggebracht? Bitte, sag mir doch, wo er ist. Ich will ihn holen. Ich kann nicht ohne ihn leben." Da hörte ich ihn meinen Namen sagen: "Maria" - das war Seine Stimme - das war Er! Meine Knie wurden ganz weich, bunte Farben tanzten in meinen Augen. Ich sah ihn da stehen, das war Er. "Jesus". Ich wollte auf die Knie fallen vor ihm, wollte ihn festhalten und ihn nie wieder loslassen, aber da wurde seine Stimme ernst: "Maria, du darfst mich nicht anfassen." Ich erstarrte: Ihn nicht berühren dürfen? Schickte er mich weg, jetzt, wo ich ihn endlich wieder hatte? "Maria, du kannst mich nicht festhalten. Ich gehe zu meinem Vater. Sag das allen, die zu mir gehören. Geh zu meinen Brüdern und Schwestern und sag ihnen, was du gesehen hast: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Auch du, Maria, sollst leben. Darum geh jetzt, geh zu den Menschen. Sie warten darauf, daß du ihnen vom Sieg des Lebens erzählst." Ich war stumm, wie erstarrt. Erst ganz allmählich
kam wieder Leben in mich. "Ich lebe und ihr sollt auch leben", hatte Jesus
gesagt. Als Maria früh am Morgen zum Grab kam, war
es dunkel um sie. In ihrer Erinnerung sah sie immer wieder das Kreuz,
an das sie Jesus gehängt hatten. Und sie sah vor sich das schwarze
Loch des Grabes, in das sie Jesus gelegt hatten.
Auch in unserem Leben geht es uns manchmal so, dass wir nur noch schwarz sehen. Sorgen und Mutlosigkeit bedrücken uns. Doch heute möchte Maria uns mit ihrer Osterfreude anstecken und auch uns verkündigen, was Jesus ihr aufgetragen hat: "Das Leben siegt. Gott ist stärker als der Tod. Seine Liebe und sein Licht erhellen die Dunkelheit." Diese Botschaft will uns davon lösen, nur noch schwarz zu sehen. Sie will unseren Blick auf die Hoffnung und die Kraft richten, die vom auferstandenen Jesus ausgeht. Dann werden wir nicht nur die erwachenden Farben der Natur draußen dankbar wahrnehmen, sondern auch unsere Lebensmöglichkeiten in neuen Farben sehen. Als Zeichen dieser Botschaft wollen wir nun den Abendmahlstisch in einen blühenden Garten verwandeln: Die Kinder dürfen gleich - wenn ich zu Ende geredet habe - in die Mitte kommen und aus den Blumen, Zweigen, Kressebüscheln usw., die auf den kleinen Tischen vorbereitet sind, eine Gartenlandschaft aufbauen. Die Erwachsenen haben am Eingang eine Papierblüte und einen Stift bekommen. Sie möchten wir einladen, sich kurz Gedanken darüber zu machen, was die Osterbotschaft für Sie persönlich heute bedeutet. Schreiben Sie doch - wenn Sie möchten - einen kurzen Dank, einen Wunsch oder eine Hoffnung, auf Ihre Blüte. Die Kinder werden die Blüten anschließend einsammeln und in den Ostergarten legen. ![]() "Das Leben leuchtet in allen Farben", so ist dieser Gottesdienst überschrieben. So muss es Maria ergangen sein. Nach der dunklen Hoffnungslosigkeit seit Karfreitag hat die Begegnung mit dem Auferstandenen sie überwältigt, sie glücklich gemacht, ihr die Augen geöffnet. Am liebsten hätte sie Jesus berührt, ihn festgehalten, wieder da angeknüpft, wo ihre Freundschaft geendet hatte - als wäre alles nur ein böser Traum gewesen. Aber es war kein böser Traum. Jesus ist wirklich gestorben. Das dunkle Grab, es ist immer noch gegenwärtig in dem bunten Garten. Doch es hat seine Macht verloren. Die Farben, das Leben sind stärker als die Dunkelheit, der Tod. Maria wird Jesus nicht mehr in der Form um sich haben wie vorher. Und doch wird sie jederzeit seine Nähe suchen können. Und nicht nur sie - allen Menschen steht die Gemeinschaft mit ihm jetzt offen, weil er nicht mehr gebunden ist an Zeit und Raum -, sondern da ist, wo immer Menschen zu ihm beten, seine Hilfe und seinen Trost, seine Wegweisung und seine Vergebung suchen. Nur ganz allmählich haben Maria, die Jünger und die anderen Frauen begriffen, was eigentlich passiert ist. Und bis heute sind die Ereignisse von Karfreitag und Ostern für unseren menschlichen Verstand nicht wirklich zu erfassen und zu erklären. Aber Maria und die Jünger haben erlebt: Jesus ist da - er ist lebendig - er ist unter uns, auch dann, wenn wir ihn nicht auf Anhieb erkennen, wenn wir ihn nicht sehen. Und sie haben an Pfingsten angefangen, auch anderen davon zu erzählen. Die Botschaft hat sich ausgebreitet - nicht als schöne Geschichte aus einem Land jenseits unserer Zeit, sondern als lebensverändernde und lebensschaffende Kraft. Wenn wir heute Ostern feiern, dann ist das mehr als die Erinnerung an das, was damals war. Wir feiern die Gegenwart des lebendigen Gottes, des auferstandenen Jesus Christus unter uns. Er ist es, der auch heute unseren gebannten Blick auf das dunkle Grab löst, welche Sorgen und Ängste uns auch immer gefangenhalten mögen:
Für uns hier in Mitteleuropa ist die Natur wirklich eine wunderbare Verstehenshilfe für das, was der Glaube an Jesus Christus bedeutet. Auch wenn es Mitte April schneit und viele Bäume noch schwarz und tot aussehen, so brechen doch überall die Farben des neuen Lebens hervor - im zarten Grün der ersten Blätter, in den leuchtenden Gelb-, Blau- und Rottönen der ersten Frühlingsblumen. Das Leben ist stärker als der Tod. Wer dieser Botschaft Vertrauen schenkt, wer glaubt, dass Jesus Christus lebt und heute erfahrbar ist, entdeckt diese Farben, die Zeichen der Hoffnung und der Lebendigkeit auch im eigenen Leben. Ich wünsche uns allen an diesem Ostermorgen, dass wir die Stimme Jesu hören, der uns wie Maria bei unserem Namen ruft. Ich wünsche uns, dass wir uns wie sie zu ihm umdrehen, ihn erkennen und das Leben in neuen Farben sehen, weil wir wissen: Er ist bei uns - er ist auferstanden. Glaubensbekenntnis Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn. Empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen. Irene
Kraft
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