Das gute Land
Gottesdienst am 15.02.2009

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
vor zwei Wochen schauten wir uns als Vorbereitungsgruppe für ProChrist 2009 eine ProChrist-Veranstaltung von 2006 an. Es war der letzte von 8 Abenden, die Münchner Halle war übervoll, begeisterte Menschen jubelten dem Redner und den Musikern zu. Man hatte den Eindruck, die vielen Leute waren wirklich mit ganzem Herzen bei Jesus und freuten sich, während der Veranstaltung seine Nähe zu spüren. 

Jesus leitete vor 2000 Jahren einige ProChrist-Veranstaltungen in Galiläa rund um den See Genezareth. An einem Tag waren jede Menge Leute zu ihm gekommen, sogar aus mehreren Städten waren sie angereist. Sie erhofften sich von der Begegnung mit Jesus, dass er ihr Leben veränderte, dass er sie heilte, ihnen Glück ermöglichte und sich durch ihn Entscheidendes zum Guten wandelte.

Man sollte meinen, dass Jesus sich über diese Begeisterung freute, dass er in der Menge badete und vielleicht sogar Pläne machte, ein großes Stadion zu bauen mit Würstchenbuden und großer Bühne. Doch Jesus reagierte ganz anders. Er sah in die Herzen der Menschen, und was er da sah, ließ ihn eindringlich appellieren: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Dazu erzählte er ein Gleichnis.

Lukas 8,4-15

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Acker und WegUnd einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen,  damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören. Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten  in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Das Gleichnis

Jesus erzählt dieses Gleichnis im Blick auf die große Menschenmenge, die ihm zuhörte. Gott ist der Landmann, aber er handelt ganz anders als ein normaler Bauer. Der würde sein Saatgut niemals so verschwenden. Er würde dafür sorgen, dass fast nichts auf den Weg, auf steiniges oder von Unkraut durchwuchertes Land fiele. Der ganz andere Bauer Gott ist dagegen verschwenderisch. Er ist nicht zuerst und allein auf Effizienz aus, sondern er will, dass sich die Saatkörner mit dem Boden verbinden. Dass aus einer optimalen Verbindung reiche Ernte entstehen wird, liegt auf der Hand. Gott streut sein Wort verschwenderisch unter die Leute. Er wünscht sich, dass sein Wort eine bleibende Verbindung mit den Herzen der Zuhörer eingeht. Er möchte auf seine Anrede Antwort bekommen, ein Vertrauensverhältnis schaffen und mit den Menschen auf Dauer verbunden bleiben.

Deshalb beobachten wir in dem Gleichnis Jesu auch zwei unterschiedliche Ebenen. Der Same ist zum einen das Wort Gottes, das auf den Boden fällt, das Herz der Menschen, die es hören. Der Same ist im Gleichnis aber auch das Herz selbst, das das Wort Gottes aufnimmt und wachsen soll, im Idealfall um 100%. 

Die Beschaffenheit des Herzens

Das Wort Gottes trifft auf konkrete Menschen. Wir können uns nun verhalten wie Besucher eines Zoos. Wir können die Menschen betrachten, bestaunen, wir können uns über ihr Verhalten wundern, vielleicht sogar manche Ähnlichkeit zu uns erkennen, wie mir das immer beim Affenhaus im Zoo geht. Aber bald verlassen wir den Zoo wieder und bleiben doch die Alten. Wir können das Gleichnis Jesus aber auch wie einen Spiegel vor unsere Nase halten. Wir können mit seiner Hilfe uns selbst auf die Spur kommen. Dafür lohnt es sich innezuhalten und das Gleichnis auf uns wirken zu lassen, auch über den Gottesdienst hinaus.

Auf vier verschiedene Böden trifft der Same.

Der Weg: Es handelt sich beim Weg wohl um einen fest getrampelten Ackerpfad, der das Feld begrenzt. Das Saatgut ist hier von zwei Seiten bedroht. Die Erde ist so hart, dass das Saatkorn sich nicht einnisten kann. Da es auf der Oberfläche liegen bleibt, ist es gefundenes Fressen für die Vögel, die es auffressen und vernichten.

Der Weg kann für „Weg-Menschen“ stehen. Sie sind immer unterwegs und in Fahrt. Sie haben viele Kontakte, ein reges Hin und Her prägt ihren Alltag. Ihr Lebenstempo gleicht einem Porsche auf der Autobahn. Sie haben keine Ruhe, und ihr Herz wird zwangsläufig härter, da soviel über ihre Seele läuft, das sie gar nicht alles verarbeiten können. Wenn das Wort Gottes sie trifft, wenn Jesus, das lebendige Wort Gottes, ihnen begegnet, nehmen sie ihn wahr, aber aufnehmen können sie ihn nicht. Zuviel haben sie zu erledigen. Es müsste ein Bagger kommen, um ihre Kruste aufzureißen. Manchmal kommen Bagger in das Leben von Weg-Menschen in Form einer Krankheit, eines Todesfalls, manchmal auch mit der Geburt eines Kindes. Da ist auf einmal eine kleine Chance, dass Gott sie in der Tiefe erreicht. Doch ohne Bagger stehen die Vögel schon bereit, um das Wort der Liebe und Ermutigung fortzureißen. Dieses Wort ist so nötig gerade für Weg-Menschen, die meinen, alles allein machen zu müssen.

Der Fels: Eine dünne Erdschicht bedeckt den felsigen Untergrund. Das Saatkorn kann sich in die Erde einnisten, doch bald schon fehlt die Feuchtigkeit aus dem Erdreich, und die Wurzeln haben keinen ausreichenden Grund zum Halten. „Felsen-Menschen“ sind leicht entflammbar, begeistert von einer neuen Perspektive, begeistert von Jesus und dem Angebot des Lebens, aber sie zeigen wenig Ausdauer. Ihre inneren Felsbrocken verhindern eine tiefere Bindung an Jesus. Solche Felsbrocken können ganz unterschiedliche Ursachen haben, Schuld oder Schmerz, die nicht vergeben oder geheilt sind, verweigerte Liebe, Bitterkeit über Lebensführungen. Felsmenschen atmen auf, wenn sie die Nachricht von Gott hören, dass er sie bedingungslos liebt. Aber bald schon merken sie, dass allein das Hören noch keine inneren Felsen sprengt. Und wollen sie wirklich, so fragen sie sich, den Felsen sprengen lassen? Gehört er nicht zu ihnen? Haben sie sich nicht längst damit arrangiert? Wie der Wegmensch einen Bagger braucht, so der Felsmensch ein wenig Dynamit. Von selbst wird er seinen Fels nicht los. 

Die Dornen: Sie wachsen neben den Saatkörnern heran, aber sie sind schneller. Das kleine Weizen-Pflänzchen hat keine Chance, gegen die Dornen anzukommen. Bald schon fehlt das Licht, das Wasser und der Boden, alles beanspruchen die Dornen für sich. „Distel-Menschen“ können sich auf Jesus einlassen. Ja, sie laden ihn ein, das Leben zu gestalten und Mittelpunkt zu werden. Aber sie laden eben auch vieles Andere ein. Sie hoppen von Event zu Event, nehmen mit, was sich anbietet, häufen an, um ja in Sicherheit zu sein und ersticken bald an dem, was sie da alles in ihre Terminkalender und auf ihre To-Do-Listen geschrieben haben. Auch sie können sich nicht selbst von ihren Dornen befreien. Sie brauchen jemand, der mit der Spitzhacke und Gartenhandschuhen die Disteln mit Wurzeln ausgräbt, damit sie Platz für die wirklich wichtigen Treffen mit Gott haben, Ruhe finden und lernen, sich auf ihn allein zu verlassen.

Sicher gibt es kaum einen oder eine, die purer Weg-Mensch, Fels-Mensch oder Distel-Mensch ist. Wir haben wohl von allem etwas in uns. Der Spiegel des Gleichnisses führt es uns vor Augen. Eigentlich niemand kann sich auf der sicheren Seite fühlen und für sich das gute Land beanspruchen. Zu präsent sind die Situationen, wo Gott an uns abprallt, buchstäblich vor unserer inneren Tür verhungert und verdurstet oder überwuchert wird von unseren Alltagsthemen. Doch was hilft?

Das gute Land

Sind wir an dieser Stelle des Gleichnisses angekommen und haben wir Jesus wirklich zugehört, müssen wir aufstöhnen: Herr, ich schaffe es nicht, gutes Land für dich zu sein. Mein Glaube an dich ist bedroht, was hilft? Genau hier greift Jesus ein. Er sagt zu den Jüngern: „Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen“. Gott selbst will die Bedingungen schaffen, dass sein Wort bei uns Wurzelgrund findet. Er schickt den Bagger, das Dynamit, die Spitzhacke. Er lässt seinen Sohn den Weg ans Kreuz gehen, der die harte, unfruchtbare Oberfläche, die Felsen der Schuld und Bitterkeit, die Dornen der Sorgen zu besiegen. Und erst das Vertrauen zu Jesus lässt aus unfruchtbarem Land gutes Land werden, das Gottes Liebe empfängt und 100-fach wachsen lässt, damit es viele Menschen erreicht und dort Wirkung zeigen kann. 

Ein bemerkenswertes Ineinander von Gottes Tun und dem eigenen Mittun entdecken wir. Die Bedingungen für viel Frucht können wir nur erbeten, aber sobald die Bedingungen da sind, gilt es, auf diesem guten Land zu wachsen, um selbst zu Säleuten zu werden.

ProChrist beginnt in 6 Wochen. Die Verantwortlichen investieren enorm viel, um Gottes Samenkörner der Liebe per Satellit in viele Städte Europas auszustrahlen. Sie machen es dem großen Sämann nach, sie sind verschwenderisch. Sie schauen nicht auf Effizienz, sondern darauf, dass Einzelne eine neue Verbindung zu Jesus eingehen und dann 100-fache Frucht bringen. Und wir hier in Neuenhain sollten es auch so machen, verschwenderisch einladen zu ProChrist und unseren Herrn wirken lassen, der mit Baggern, Dynamit und Spitzhacke auch die unfruchtbarsten Böden bearbeiten will, denn:
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott (Jahreslosung 2009, Lukas 18,27).

Cornelia Trick


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