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William Wilberforce, ein hingegebener Christ, war Mitglied des englischen Parlaments Anfang des 19. Jahrhunderts. Als Politiker wurde er berühmt durch sein großes Durchsetzungsvermögen, mit dem er das Parlament davon überzeugte, Sklaverei im britischen Imperium abzuschaffen. Das war keine geringe Leistung - im Gegenteil. Es war wohl eine der bedeutendsten und mutigsten Taten, die je ein Staatsmann in der Geschichte der Demokratie vollbracht hat. Wilberforce brauchte beinahe 20 Jahre, um jene Koalition der Gesetzgeber zustande zu bringen, die schließlich das Anti-Sklaverei-Gesetz herausgab. Dazu benötigte er genaue Beschreibungen von den Ungerechtigkeiten und den grausamen Taten in der Sklaverei. Er mußte Gesetzgeber überreden, die nicht die Interessen des großen Geschäftes schädigen wollten, und er mußte sich gegen viele politische Feinde behaupten, die Wilberforce gerne hätten stürzen sehen. Wilberforces geistliche Kraft und sein moralischer Mut müssen groß gewesen sein. Eine Begebenheit von 1801, einige Jahre bevor das Anti-Sklaverei-Gesetz herausgegeben wurde, zeigt uns die Quelle, aus der diese Kraft und dieser Mut kamen. Lord Addington hatte seine Partei an die Macht gebracht und als Premierminister begonnen, ein neues Kabinett zu bilden. In diesen Tagen kämpfte man in England um den Frieden. Napoleon terrorisierte Europa, und man machte sich viel Gedanken darum, ob England sich am Krieg beteiligen müsse oder nicht. Wilberforce, so lauteten die Gerüchte, sei einer der Kandidaten für einen Kabinettsposten, und er war selbst um seiner Friedenspolitik willen sehr bestrebt, ernannt zu werden. Garth Lean, einer von Wilberforces neueren Biographen, erzählt die Geschichte: "Schon nach kurzer Zeit war Wilberforce beunruhigt über die Möglichkeit, ernannt zu werden. Tagelang wälzte er diese Gedanken in seinem Gewissen und dachte über nichts anderes nach. Er gab selbst zu, daß Ehrgeiz in ihm hochkam, und das legte seine Seele völlig lahm." Wilberforce führte ein diszipliniertes und ausgeglichenes Leben, und in dieser besonderen Situation wurde diese Routine für ihn unerläßlich. Wie Lean sagt: "Der Sonntag brachte ihm Heilung." Jede Woche war das in Wilberforces Verborgener Welt der feste Tag, an dem er ausruhte. Die Zeitung "Der christliche Politiker" erzählt die Geschichte am besten. In ihrem Bericht am Ende jener Woche voller Wirren und Versuchungen, den Posten mit allen politischen Mitteln zu erkämpfen, notiert sie: "Gott sei gepriesen über dem Tag der Ruhe und der geistlichen Beschäftigung, an dem die Dinge des Erdenlebens auf ihre wahre Größe reduziert werden. Ehrgeiz schrumpft in solchen Situationen." Wilberforce grenzte das Leben ein und brachte es durch den Sabbat ins Gleichgewicht. Er hatte begriffen, was es heißt, wirklich auszuruhen. Wilberforce hatte entdeckt, daß der Mann, der sich am Sabbat regelmäßig Zeit zum Ausruhen nimmt, sein ganzes Leben leichter aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet und von Ausgebranntsein und Zusammenbruch verschont bleibt. Nicht jedermann um Wilberforce herum lebte nach diesem Geheimnis. Arbeitssucht und krampfhafte Geschäftigkeit waren auch damals an der Tagesordnung. So schrieb Wilberforce beispielsweise über William Pitt: "Armer Kerl! Nie schult er sein Denken darin, politische Grübeleien zu unterbrechen, die einen mehr als alles andere blind, gefühllos und bitter werden lassen." Über zwei andere Politiker, die sich beide das Leben genommen hatten, schrieb Wilberforce: "Wenn sie friedliche Sonntage verbracht hätten, dann wären die Seile niemals überdehnt worden und deshalb nicht gerissen." In Ihrer Verborgenen Welt kann nur wenig Ordnung
herrschen, wenn Sie nicht die Bedeutung und die Verwirklichung echter Ruhe
kennenlernen - eine Unterbrechung, wie Wilberforce es nennt, in der Routine
unserer heutigen Zeit. Seit Beginn der Menschheit ist dies ein allgemein
anerkannter Grundsatz gesunden Lebens. Bedauerlicherweise wird dieses Prinzip
von denen gravierend mißverstanden, deren Leben auf Ruhm und Geld
ausgerichtet ist.
Ein sehr lieber Freund wurde neulich von seiner Firma nach 22 Dienstjahren entlassen. Die Wirtschaftslage hatte die Firma zu Rationalisierungsmaßnahmen gezwungen, und seine Arbeit war für das Überleben der Firma als unwichtig eingestuft worden. Er war vor die Tür gesetzt worden! Mein Freund war davon überzeugt, daß er von einer anderen Firma in demselben Arbeitsbereich binnen kurzem angestellt werden würde. Er erzählte mir, er habe zahlreiche Beziehungen, gute Zeugnisse und eine lange Dienstzeit hinter sich. Er mache sich keine Sorgen. Dann vergingen jedoch einige
Monate, bis er Angebote erhielt. Seine "Beziehungen" trockneten aus. Niemand
antwortete auf seine Stellengesuche. Er mußte zu Hause sitzen und
auf das Klingeln des Telefons warten.
Geöffnet wofür? Mein Freund ist ein guter christlicher Laie. Aber er hatte es zugelassen, daß seine Augen dem verschlossen blieben, was ihm seine Karriere bedeuten sollte. Was seine Augen geöffnet hatte, war die Tatsache, daß er jahrelang gearbeitet hatte, ohne überhaupt zu fragen, wofür, warum und was das Ergebnis sein würde. Er hatte niemals die Übung des Nachdenkens im Zusammenhang mit biblischer Ruhe entdeckt. Ein ruhe-loser Arbeitsstil
macht den Arbeiter selbst ruhelos. Wenn man Monate um Monate arbeitet,
ohne eine echte Pause zu haben, um sich über Bedeutung und Sinn der
Arbeit klarzuwerden, kann zwar das Bankkonto anschwellen und der Ruf in
der Firma wachsen, aber der Verborgenen Welt wird Lebendigkeit und Freude
genommen. Wie wichtig ist es, regelmäßig den Kreis unserer Arbeit
zu schließen!
Man fragt sich, was wohl passiert wäre, wenn Wilberforce nicht immer wieder diese "Sabbatzurückgezogenheit" und Ausgeglichenheit gehabt hätte, um seine ehrgeizige Natur zu bändigen. Wäre er von seiner Berufung, England aus der Sklaverei zu befreien, abgehalten worden? Vermutlich. Ich glaube, daß er durch die Berücksichtigung des Sabbats jedes Abweichen von seinem anfänglichen Vorhaben ausmachen und rechtzeitig wieder den richtigen Weg einschlagen konnte. Nur weil er wieder auf diesen Weg zurückkam, konnte er die bahnbrechende Abschaffung überhaupt vertreten. Die Welt ebenso wie die
Kirche brauchen wirklich ausgeruhte Christen; Christen, die regelmäßig
neue Kraft schöpfen durch echte Sabbatruhe und nicht nur durch Freizeit
oder Pause. Wenn man zu dieser göttlichen Ruhe gekommen ist, wird
man entdecken, wie zäh und spannungsvoll Christen wirklich sein können.
Gordon MacDonald
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